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Die alten Vorurteile
Im Rahmen unser aktion roma sprachen wir mit Dzoni Sichelschmidt, Sprecher der Roma-Protest-Karawane. Er erzählt über die Ziele der Roma, über Reaktionen in Politik und Gesellschaft und über die Geschichte eines diskriminierten Volkes ohne Land.
 
krit: Warum haben sich die Roma in Deutschland zu einer Protest-Karawane zusammengetan? Was sind Ihre wichtigsten Forderungen.

Dzoni Sichelschmidt: Der Auslöser für diesen Protest war die Abschiebung von Herrn Dermiri aus Essen im April diesen Jahres. Er wurde ohne Vorankündigung von der Polizei abgeholt und fand sich ohne seine Familie einige Stunden später in Belgrad wieder.
Diese Form von Abschiebung hat unter den Roma in Essen Panik ausgelöst und somit wurde spontan ein Zeltlager im Essener Stadtteil Schonnebeck errichtet. 500 Familien aus NRW versammelten sich dort, um auf ihre katastrophale und auswegslose Situation hinzuweisen. Denn die Rückführung der Roma in das Gebiet des ehemalige Jugoslawiens würde lebensbedrohliche Auswirkungen auf diese Minderheit haben. Laut UNHCR, Pro Asyl, GfbV und andere Menschenrechts- und Hilfsorganisationen kann kein Schutz vor Angriffen seitens der Bevölkerung und vor Misshandlungen und Schikanen durch die Polizei garantiert werden. Zugang zu Bildung, Arbeit, Gesundheitswesen, Wohnung etc. bleibt dieser Minderheit in der Regel verwehrt. Sie werden abgelehnt und das bekommen sie in jeder Lebenslage zu spüren - sie haben keinerlei Lebensperspektiven, falls sie abgeschoben werden. Die meisten von ihnen haben sich hier in Deutschland integriert, die Kinder gehen zur Schule und haben hier auch Ausbildungschancen.


Dzoni Sichelschmidt mit Kindern des Roma-Protest-Lagers
Dzoni Sichelschmidt mit Kindern des Roma-Protest-Lagers


All dies sind Tatsachen, die wir kundgeben möchten. Da sich nach einem einmonatigen Aufenthalt in Essen die Politik nicht rührte, entschlossen wir uns zu einem Protestzug durch Deutschland. Von Essen ging es nach Bremerhafen zur IMK, weiter nach Hamburg, Berlin, Hannover, Bielefeld, Münster, Dortmund, Wuppertal und Köln. Nun sind wir seit ca. zwei Wochen in Düsseldorf. Unsere Forderungen sind Abschiebestopp, Bleiberecht für alle Roma, die mehr als fünf Jahre in Deutschland leben, für die anderen eine dreijährige Chance, um sich produktiv für die deutsche Gesellschaft einzusetzen. Weiterhin sollen die Roma an allen Entscheidungen, die in ihr Leben eingreifen, beteiligt werden. (Unsere Organisation C.I.A.E.R. würde für die Realisierung zur Verfügung stehen.)


krit: Welche Erfahrungen haben die Roma in den Städten gemacht?

Dzoni Sichelschmidt: Sowohl gute als auch schlechte. Die schlimmsten Erfahrungen haben wir in Berlin und Köln gemacht. In Berlin hat eine Razzia stattgefunden, obwohl die Proteste von der Stadt Berlin genehmigt worden waren. Mehrere Hundertschaften der Polizei, die auch ihre Hunde mitgebracht hatten, durchsuchten die Menschen und kennzeichneten sie danach mit Plastikarmbändern. Andererseits war die Stadt Berlin, besonders die PDS, der Flüchtlingsrat, AWO und die Antifa Berlin, uns gegenüber sehr hilfsbereit.


»... wir hatten kein fließendes Wasser, obwohl es 37 Grad heiß war ...«


Köln zeigte uns von Anfang an, dass wir nicht willkommen sind. Mit allen Mitteln versuchte man uns den Hahn abzudrehen - im wahrsten Sinne des Wortes - wir hatten kein fließendes Wasser, obwohl es 37 Grad heiß war. Selbst die Route der Demonstration war unergiebig, da sich die Kölner Polizei die menschenleersten Straßen und Plätze für unseren Protest ausgesucht hat.
Im Allgemeinen ist es sehr schwer, unser Anliegen rüberzubringen, weil wir keine Lobby haben und uns doch immer wieder die alten Vorurteile entgegenschlagen. Aber wir haben auf unserer Reise viele Menschen und Organisationen getroffen, die uns nach allen Kräften unterstützt haben und uns vor allem menschlich behandelt haben. Dafür habe ich großen Respekt und bin sehr dankbar.


krit: Wie reagieren Anwohner und Polizei in Düsseldorf.

Dzoni Sichelschmidt: Auch hier gibt es gemischte Reaktionen. Vor allem war man erstaunt über die Proteste der Roma - dies zeigt mir wieder einmal, wie wenig die deutsche Bevölkerung über uns aufgeklärt ist. Einige setzten sich für uns ein, indem sie Lebensmittel, Kleidung und Medikamente spendeten und auch vor Ort ihr Mitgefühl äußerten. Andere beschwerten sich dann eher über die nicht vorhandenen Parkplätze.
Die Düsseldorfer Polizei zeigt sehr viel Verständnis für unser Anliegen und wir kooperieren gut mit einander.


krit: Werden die Roma in Düsseldorf bleiben?

Dzoni Sichelschmidt: Wir haben keine andere Wahl, weil hier unsere Probleme gelöst werden sollten. Die Dauer unseres Aufenthaltes wird von den Reaktionen der Politik abhängen.


krit: Wie sieht die Unterstützung der Parteien auf regionaler, Landes- und Bundesebene aus und was tun die Kirchen?

Dzoni Sichelschmidt: Es ist schwer im Wahljahr eine politische Mehrheit zu gewinnen. Wir sind uns dieser Situation bewusst, aber es zeigt sich doch, dass es Politiker gibt, die sich ihrer Verantwortung nicht entziehen. Von der PDS haben wir auf Landes- und Bundesebene Unterstützung bekommen.


Dzoni Sichelschmidt (links) auf dem offenen Abend am 25. Juli Dzoni Sichelschmidt (links) auf dem offenen Abend am 25. Juli


Die Bereitschaft der Grünen uns zu helfen ist da, nur erwarten wir von dieser Seite etwas mehr Handlungseinsatz. Von der SPD sind nur einige Landes- und Bundesabgeordnete bereit uns zu helfen.
Die Kirche, vor allem die evangelische versucht uns in Düsseldorf mit humanitärem und politischem Einsatz zu unterstützen.


krit: Was sind die Ursachen für die gesellschaftliche Ausgrenzung der Roma und die Verweigerung von Hilfe?

Dzoni Sichelschmidt: Die Roma in Europa sind eine spezifische Minderheit, die man schlecht durch feste Faktoren definieren kann. Zu unterschiedlich sind die verschiedenen Gruppen der Roma, als das man über sie allgemein reden könnte. Die Situation der ca. 15 Millionen Roma in Europa wiederspricht den allgemein- üblichen Klischeevorstellungen. Die Roma sind nicht alle Nomaden, Flüchtlinge und damit bettelarm. Die Vorstellungen und die Ablehnung der Gadsche ("Nichtzigeuner") gegenüber dem Volk der Roma ist historisch begründet. Ihre Andersartigkeit und ihr Verhalten ist nie wirklich verstanden worden, sondern immer nur ein Grund gewesen, sie zu verfolgen, auszulöschen und auszugrenzen. Dadurch hat sich ein spezifischer Lebenswandel der Roma entwickelt, der ihnen half am Leben zu bleiben. Ein Volk ohne Land zu sein, das bedeutete und bedeutet auch heute noch Nomadentum - also immer auf der Flucht zu sein, oder Assimilation und der damit einhergehende Verlust von Kultur und Sprache.


» ... die wirkliche Geschichte der Roma ... erzählen, damit der Teufelskreis von Hass, Gewalt und sozialer Ausgrenzung gesprengt wird.«


Aus diesem Grund ist die Präsenz der Roma kaum hörbar, verständlich im Anbetracht der Ereignisse, die sich durch ihr Schicksal und ihre Geschichte ziehen. Ohne Lobby, ohne Selbstbewusstsein war und ist es immer noch leicht diese Menschen auszugrenzen, zu verfolgen und ein Recht auf ein freies Leben zu nehmen. Dies zeigt sich vor allem in der Verfolgung und Ermordung von 500.000 Roma, darunter Tausende Kinder, im Dritten Reich, die bis heute nicht angemessen entschädigt wurden. Aber die Forderung nach der selben Aufmerksamkeit, wie es für andere Minderheiten beansprucht wurde, wird immer noch überhört. Hier wundert man sich doch über so viel Ignoranz und Unmenschlichkeit diesen Menschen gegenüber, die in der heutigen Zeit wiederum unschuldig verfolgt und ausgeschlossen werden. Die Situation der Roma speziell in Osteuropa zeigt uns dies am deutlichsten. Hunderttausende Roma sind in den Gebieten des ehemaligen Jugoslawiens verfolgt worden und mussten fliehen. Ihre Situation hat sich nach dem Kalten Krieg massiv verschlechtert - sie haben aber kaum Schutz von internationalen Institutionen bekommen.


Im Roma-Lager in Düsseldorf


Damit begann die dritte große Wanderungswelle der Roma. Viele von ihnen sind als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen - die meisten nach Deutschland Geflohenen aber leben weiterhin in unsicheren Duldungsverhältnissen. Der politische Wille, die Situation der Roma zu verbessern bleibt aber aus - kein westliches Land versucht wirksam zu reagieren. Statt dessen steigt der Antiziganismus weiterhin an, das zeigt sich in der ansteigenden Zahl der Übergriffe auf die Roma.
Diese tiefverwurzelte Angst der Bevölkerung vor den Roma, die ja nicht auf eigene Erfahrungen beruht, sondern in der Regel tradierte Vorurteile sind, die sich seit 600 (!) Jahren nicht geändert haben - zeigt uns doch nur die Unsicherheit und der Bedarf an Aufklärung. Und hier ist die Politik gefragt. Es ist an der Zeit, die wirkliche Geschichte der Roma zu erzählen, damit der Teufelskreis von Hass, Gewalt und sozialer Ausgrenzung gesprengt wird. Die internationale Gemeinschaft muss sich der Situation der Roma für alle mal bewusst werden und reagieren. Das heißt, dass die Roma auch in internationalen Verträgen und Gesetzen als ethnische Minderheit anerkannt werden. Damit auch die Roma handlungsfähig werden können, muss die Kenntnis über sie vertieft werden. Sie müssen gefördert werden in aller Hinsicht. Wenn sie durch einen sicheren Aufenthaltsstatus, durch Bildung und den damit einhergehenden Chancen der sozialen Ausgrenzung entgehen können, kann uns die Zeit ein friedliches Zusammenleben, ohne Identitätsverlust, mit allen anderen Bevölkerungsgruppen garantieren.


krit: Welche Wege und Aktionen planen Sie, um das politische Ziel des Bleiberechts durchzusetzen und wie sind die Chancen?

Dzoni Sichelschmidt: Wir möchten unser Anliegen gerne auf der Bundes- oder Landesebene lösen - dies hängt jedoch von den Reaktionen der Politiker ab. Wenn wir hier nicht weiterkommen, sehen wir keinen anderen Weg, als die Romaproblematik zu internationalisieren und nach Straßburg oder Brüssel zu gehen. Unsere Demonstration dauert nun schon 75 Tage - dies zeigt doch unseren Willen durchzuhalten und weiter zu kämpfen. Wenn die deutsche Politik glaubt uns übersehen zu können, ist das meiner Meinung nach kein gutes Bild für Deutschland - welches sich ja sonst so vehement für Menschenrechte im Ausland einsetzt. Diesen Protest so in die Länge zu ziehen, ist sicherlich nicht im Sinne der Politik und der betroffenen Roma. Nur haben wir nichts mehr zu verlieren und werden weiterkämpfen. Abschieben, oder Verjagen lassen wir uns nicht. Wenn es keinen Ausweg mehr gibt, werden wir Deutschland als freie Menschen kollektiv zu Fuß verlassen.
Aber jeder neue Kontakt, jede neue Stimme hilft uns die Hoffnung nicht aufzugeben. Viele Menschen und Organisationen haben sich bis jetzt für uns eingesetzt - daran erkennen wir, dass unsere Stimme nicht unerhört bleibt und dass es sich lohnt dafür zu kämpfen.


krit: Was können solidarische Bürger tun?

Dzoni Sichelschmidt: Vor allen Dingen ist es an erster Stelle wichtig, sich wirklich über die Roma zu informieren und nicht einfach Vorstellungen und Vorurteile zu übernehmen, die nicht mit der Realität übereinstimmen. Die Aufklärung wäre somit der erste Schritt, um die Roma für uns gesellschaftsfähig zu machen. Aus diesem Blickwinkel kann man dann auch erkennen, dass wir es hier mit massiven Menschenrechtsverletzungen zu tun haben - Menschenrechtsverletzungen, die Deutschland in dieser Form mit Selbstverständlichkeit im Ausland kritisiert und verfolgt.
Natürlich sind wir auf jede Art von humanitäre, finanzielle und solidarische Unterstützung angewiesen.


krit: Wie ist der Zustand im Lager zur Zeit und wie geht es den Frauen, Männer und vielen Kindern dort?

Dzoni Sichelschmidt:
Der Zustand im Lager könnte man als kritisch bezeichnen. Die schlechten Wetterbedingungen erschweren unsere Proteste zusehend, da viele von uns gesundheitliche Probleme bekommen. Durch den Regenfall sind die Zelte, Matratzen und Decken durchnässt und sie trocknen schlecht. Besonders schlimm ist die Situation der Kinder. Die meisten von ihnen sind krank - sie haben Blasenendzündungen, Rheuma und Infekte der Atemwege. Hauterkrankungen, Nierenentzündungen, sogar Blutvergiftungen gibt es auch in einigen Fällen. Die chronisch kranken Menschen leiden ebenfalls - trauen sich aber nicht in Düsseldorf zum Arzt zu gehen, weil sie dort nicht gemeldet sind.


»Falls es wieder Regen geben wird, müssen wir in unseren kleinen Iglu-Zelten ausharren.«


Von fünf großen Zelten, die von der Stadt gestellt wurden, werden am 12.7. vier abgebaut, da sie für andere Veranstaltungen genutzt werden. Diese wurden als Aufenthaltszelte von uns genutzt. Falls es wieder Regen geben wird, müssen wir in unseren kleinen Iglu-Zelten ausharren - das ist sehr hart, da wir uns so kaum untereinander austauschen können.
Ansonsten bekommen wir einmal am Tag warmes Essen - allerdings fehlt es doch an vernünftigen Waschmöglichkeiten, besonders für die Frauen und Kinder.


krit: Wie sind die Roma im Lager organisiert? Gibt es auch Spannungen untereinander, eben auf Grund der Ungewissheit?

Dzoni Sichelschmidt:
Die Organisation im Lager läuft reibungslos ab, was wir auch von der Polizei bestätigt bekommen. Alle Roma sind in verschiedene Gruppen aufgeteilt, die von Koordinatoren betreut werden. Diese Koordinatoren sind selber Roma und kümmern sich um die Belange der Gruppe.
Spannungen treten häufig auf, auf Grund der stagnierenden Situation. Das Gefühl macht sich breit, dass man sie von seitens der Politik extra schmoren lässt, damit sie irgendwann von selbst das Lager räumen und nach Hause gehen.
Besonders arg ist die Situation derjenigen, die vor Ort gemeldet sind. Hier wird vom Ausländeramt und vom Sozialamt Druck gemacht. In einem Fall wurde einer von uns bei einem Aufenthalt im Ausländeramt direkt vor Ort verhaftet und in Abschiebehaft genommen - er wollte nur seine Duldung verlängern lassen.
Die Sozialämter lassen die Wohnungen unserer Leute räumen, Schlösser werden gewechselt und das persönliche Hab und Gut auf die Strasse verfrachtet. So fühlen sich hier alle allein gelassen und haben nur noch die Hoffnung mit dieser Protestaktion etwas erreichen zu können. Ihn bleibt nichts anderes übrig, als weiterhin um ihre Rechte zu kämpfen - denn sie haben nichts mehr zu verlieren.


krit: Stichwort Hilfe vor Ort. Was wird dringend gebraucht?

Dzoni Sichelschmidt: Vor allem benötigen wir Lebensmittel, nicht abgelaufene Medikamente, sowie finanzielle Unterstützung. Weiterhin benötigen wir jede Form von Unterstützung in der Öffentlichkeitsarbeit. Wir sind auf die Öffentlichkeit angewiesen und brauchen von daher jede Stimme und jeden neuen Kontakt.


krit: Planen Sie auch eine kulturelle Veranstaltung? Im Lager wäre ja genug Platz und man könnte eine Veranstaltung für eine Begegnung der Roma und Bürger nutzen.

Dzoni Sichelschmidt: Uns liegt sehr daran, dass wir ein positives Verhältnis zur deutschen Bevölkerung aufbauen. Kulturelle Veranstaltungen haben hier einen verbindenden Faktor, allerdings sind unsere Vorhaben durch das schlechte Wetter zunichte gemacht worden. Wenn sich die Wetterbedingungen verbessern und wir finanzielle Unterstützung bekommen, wird es sicherlich bald eine Veranstaltung geben, bei der es die Möglichkeit geben wird, dass Roma und Deutsche sich begegnen und vielleicht auch näher kommen können.


krit Wie sind sie zum Sprecher der Protestkarawane geworden und was sind Ihre täglichen Aufgaben?

Dzoni Sichelschmidt: Ich setzte mich bereits seit einigen Jahren für die Belange der Roma ein. Seit dem Krieg auf dem Balkan vor drei Jahren empfinde ich es als besondere Pflicht den leidenden Menschen meines Volkes zu helfen. Mein Aufenthalt hier in Deutschland hat mir gezeigt, dass es sich lohnt für seine Rechte zu kämpfen. Ich kann die Ungerechtigkeiten, die meinem Volk zustoßen, nicht mehr ertragen und versuche deshalb den Hilfeschrei der Roma für die Außenwelt zu artikulieren. Mit allen Mitteln werde ich dafür kämpfen, dass die jahrhundertwährende Vertreibung und Exodus endlich ein Ende findet. In denke, dass in einer modernen Gesellschaft, wie Europa sie hat, es sicherlich Menschen gibt, die den Hilfeschrei der Roma hören und sich für diese Minderheit einsetzen können.
Auf diesem Wege bin ich zu dieser Aufgabe als Sprecher des C.I.A.E.R (Centre of Integration, Affirmation and Emancipation of the Roma in Germany) gekommen.
Meine täglichen Aufgaben als Sprecher sehen folgender maßen aus: morgens geht es mir in erster Linie darum mich den Menschen im Lager zu unterhalten, nach Neuigkeiten zu fragen, Anregungen zu erhalten, Probleme und Sorgen anzuhören und moralische Unterstützung zu geben.
Dann gehe ich die Termine durch, es müssen Kontakte aufgebaut werden, Demos organisiert und angemeldet werden, Treffen mit Politikern und Journalisten geplant werden. Ich stehe die ganze Zeit in Kontakt mit verschiedenen NGOs und versuche so viel Zeit wie möglich in Öffentlichkeitsarbeit zu stecken.
All dies könnte ich jedoch nicht ohne die Hilfe meiner Frau Angela bewältigen, die mir vor allem in der Öffentlichkeitsarbeit zur Seite steht. Sie studiert Volkskunde und Ethnologie in Bonn und steht unserem Verein als wissenschaftliche Beratung zur Verfügung. Wegen unseres Sohnes und des Studiums versucht meine Frau mich von zuhause zu unterstützen. Sie beantwortet die E-Mails, schreibt Briefe und dokumentiert unseren Protest. Trotz ihres schweren Alltags setzt sie sich maximal für unsere Sachen ein.


krit: Erzählen Sie unseren Leser zu guter Letzt noch ein wenig über Ihren persönlichen Lebensweg?

Dzoni Sichelschmidt: Ich wurde 1971 in Prizren (Kosovo) geboren. Mein Vater war Textilingenieur in einer Prizrener Fabrik - meine Mutter arbeitete dort ebenfalls als Hilfskraft. Mein Vater war Roma-Abgeordneter im Kosovoparlament - so konnte ich mich schon von klein auf mit der Romaproblematik auseinandersetzen.
Ich besuchte die Schule in Prizren und schloss diese als landwirtschaftlicher Techniker ab. Danach wurde ich zur Bundeswehr eingezogen. An der Universität in Pristina begann ich dann mein Studium zum Veterinär. Auf Grund der politischen Ereignisse musste ich dies jedoch abrechen und kam dann 1992 nach Deutschland.
1994 heiratete ich dann Angela (heute immer noch glücklich mit ihr!!). 1999 kam dann unserer Sohn Noah auf die Welt.
Gearbeitet habe ich bis jetzt als Manager im Restaurant eines Freizeitparks. Diese Stelle habe ich nun verloren. Ehrenamtlich war ich eine Zeitlang bei der Rom e.V. beschäftigt und bin ebenfalls im Vorstand im Forum der Roma bei der Gesellschaft für bedrohte Völker in Göttingen. Seit Anfang diesen Jahres bin ich Sprecher des C.I.A.E.R. Essen.

krit: Vielen Dank für das Interview!


Links zur Vertiefung und Hilfe:
  • aktion roma - Protest-E-Mail und Spendenaktion
  • Die Roma - ein wahrhaft europäisches Volk (PDF)
  • Flüchtlingsrat Berlin

    12.07.2002 - Fragen von Ralph Segert, Fotos von Verena Segert
     

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    Eine Aktion von krit.de :.-.: Impressum
     
     



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    Rom heißt Mensch
    Fotoreportage über die Roma in Düsseldorf, 20 Bilder mit Zitaten.

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