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		<title>Das Netz muss lernen, zu vergessen</title>
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		<pubDate>Thu, 29 May 2008 14:04:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Krit</dc:creator>
				<category><![CDATA[Peter Glaser]]></category>

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		<description><![CDATA[<p class="subtext"> <img style="float:right; padding:1px; border:1px #666 solid; margin-left:20px; margin-top:10px;" src="http://krit.de/wp-content/uploads/peter-glaser21.jpg" alt="Peter Glaser" title="Peter Glaser" width="120" height="135" class="alignnone size-full wp-image-24" /> Mit meinem Einstieg ins Internet las ich den Klassiker <a href="http://www.rambling-footlights.de/index.php/katrin/article/24_stunden_im_21jahrhundert/">24 Stunden im 21. Jahrhundert</a> von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Glaser">Peter Glaser</a>. Dort fand ich die Email-Adresse des Autors, dem ich sogleich eine Email mit ein paar Einsteigerfragen schickte. Die Antwort kam so prompt, dass ich sprachlos war. 12 Jahre sp&#228;ter komme ich den Genu&#223; eines Krit-Interviews mit Peter Glaser, der &#252;ber seine ersten Internetschritte, das Schreiben im digitalen Zeitalter, die Notwendigkeit des Vergessens und die Herausforderungen digitaler Techniken und Netze erz&#228;hlt. </p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="subtext"> <img style="float:right; padding:1px; border:1px #666 solid; margin-left:20px; margin-top:10px;" src="http://krit.de/wp-content/uploads/peter-glaser21.jpg" alt="Peter Glaser" title="Peter Glaser" width="120" height="135" class="alignnone size-full wp-image-24" /> Mit meinem Einstieg ins Internet las ich den Klassiker <a href="http://www.rambling-footlights.de/index.php/katrin/article/24_stunden_im_21jahrhundert/">24 Stunden im 21. Jahrhundert</a> von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Glaser">Peter Glaser</a>. Dort fand ich die Email-Adresse des Autors, dem ich sogleich eine Email mit ein paar Einsteigerfragen schickte. Die Antwort kam so prompt, dass ich sprachlos war. 12 Jahre sp&#228;ter komme ich den Genu&#223; eines Krit-Interviews mit Peter Glaser, der &#252;ber seine ersten Internetschritte, das Schreiben im digitalen Zeitalter, die Notwendigkeit des Vergessens und die Herausforderungen digitaler Techniken und Netze erz&#228;hlt. </p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Funktioniert eigentlich immer noch Deine alte Email-Adresse aus dem Zeberus-Netz, die ich anno 1996 nutzte, um Dir ein paar Einsteigerfragen zu stellen (mit prompter Antwort Deinerseits gleich am n&#228;chsten Tag)? Wie war das damals mit der Email-Kommunikation?</p>
<p><strong>Peter Glaser:</strong> Die Adresse funktioniert nicht mehr. Die BIONIC-Mailbox, auf der ich meinen Z-Netz-Account hatte, ist im November 2004 nach 15 verdienstvollen Jahren abgeschaltet worden. Durch die explosionsartige Ausbreitung des Internet nach 1993 wurde Email eine komfortable Kommunikationsform. In den 80er Jahren gab es noch kein einheitliches Adressierungsschema f&#252;r Emails, das war eine Art alt&#228;gyptische Geheimlehre, wie man beispielsweise eine Mail aus dem deutschen Mausnet in das europ&#228;ische Bitnet schickte. Mitte der 90er Jahre habe ich dann mit ein paar alten Freunden, die inzwischen in fernen L&#228;ndern lebten, Dank Email wieder zu einer allt&#228;glichen N&#228;he gefunden, nachdem wir uns zuvor nur noch gelegentlich ein Weihnachtsfax geschickt hatten. Man konnte sich per Mail wieder &#252;ber Kleinigkeiten austauschen, derentwegen man sich nie die M&#252;he gemacht h&#228;tte, einen Brief zu schreiben, zu frankieren und zum Briefkasten zu tragen.</p>
<p class="zitat"><strong>Der Millionenchor</strong>  an individuellen Stimmen in der Blogosph&#228;re</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Wie sind diese Netze zu &#8220;B&#252;rgernetzen&#8221; geworden und welche Rolle spielen sie heute, also in einer Zeit, in der Weblogs diese Rolle &#252;bernommen h&#228;tten?</p>
<p><strong>Peter Glaser:</strong> Das waren von Anfang an B&#252;rgernetze, junge B&#252;rger haben sie gemacht. Keine Beh&#246;rde, keine Institution, kein Unternehmen. Heute sind B&#252;rgernetze weniger an bestimmte technische Strukturen gebunden. Es sind sehr bewegliche soziale Strukturen, die mit dem Netz einen starken Hebel benutzen k&#246;nnen, um Debatten zu f&#252;hren, zu informieren und zu agieren. Was ich gleicherma&#223;en anstrengend wie aufregend finde, ist der Millionenchor an individuellen Stimmen in der Blogosph&#228;re, der einem deutlich macht, wie viel mehr es noch gibt au&#223;er rot, schwarz, gr&#252;n und blaugelb.</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Was war das f&#252;r ein Gef&#252;hl, damals &#8220;online zu sein&#8221; und wie sah &#252;berhaupt Dein Einstieg ins &#8220;Netz der Netze&#8221; aus?</p>
<p><strong>Peter Glaser:</strong> Beim ersten Mal hatte ich Herzklopfen und das Gef&#252;hl, dass pl&#246;tzlich fremde Menschen auf meinem Tisch sitzen. Und ich war nicht sicher, ob die Verbindung bestehen bleibt, wenn man sich nicht ordentlich ausloggt, sondern einfach auflegt. Das waren ja damals zum Teil Ferngespr&#228;che, da ratterte der Geb&#252;hrenz&#228;hler wie die N&#228;hmaschine. Ein Freund aus dem Chaos Computer Club hatte mir einen Prototypen des weiterentwickelten legend&#228;ren Datenklos zum Geburtstag geschenkt, eine gr&#252;ne Platine mit einem Drahtverhau, aus dem einen zwei Jumbo-LEDs wie die Stielaugen einer au&#223;erirdischen Garnelenart angl&#252;hten. Oninesein war klasse, man bewegte sich mit einer gewissen Superman-haftigkeit rasant um die Welt. Es war fantastisch in einem ganz urspr&#252;nglichen Sinn. Da streiften ja immer nur ein paar unanschauliche Zeilen &#252;ber den Schirm, den ganzen ungeheuerlichen Rest hatte die Fantasie zu leisten.</p>
<p class="zitat"><strong>Da ratterte</strong>  der Geb&#252;hrenz&#228;hler wie die N&#228;hmaschine</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Was hat Dich an der Internetentwicklung der letzten 12 Jahre am meisten erstaunt, womit hast Du nicht gerechnet und was beobachtest Du mit Unbehagen?</p>
<p><strong>Peter Glaser:</strong> Was mich am meisten erstaunt, ist, wie friedlich und umfassend Computer und das Netz den Planeten in einem erstaunlich kurzen Zeitraum radikal ver&#228;ndert haben.</p>
<p>Womit ich nicht gerechnet habe, oder nicht so schnell, ist die Konvergenz. Dass der Computer auch ein so m&#228;chtiges Medium wie das Fernsehen einfach einatmet, meine CD-Sammlung einatmet und, wie Friedrich Kittler sagt, den Begriff der Medien in der Mehrzahl einkassiert und zum Medium schlechthin wird.</p>
<p>Was ich mit Unbehagen beobachte, ist, dass die Leute im Netz &#252;ber den Tisch gezogen werden. Der Wert, den die pers&#246;nlichen Daten haben, die sie da hergeben, steht in einem v&#246;lligen Unverh&#228;ltnis zu den Social Network-Glasperlen etc., mit denen sie abgefunden werden.</p>
<p><strong>Herr Krit</strong>: Wie ver&#228;ndert die allgegenw&#228;rtig werdende digitale Alltagstechnik mit Fokus auf das Internet soziales Verhalten, Konzentrationsf&#228;higkeit, Identit&#228;t, Erinnerungsverm&#246;gen?</p>
<p><strong>Peter Glaser:</strong> Sozialverhalten: Es gibt einen ganzen Strau&#223; an Ver&#228;nderungen von neuen Formen des Sozialversagens (Flame Wars, Trolle) hin zu grandiosen Gemeinschaftsleistungen wie FAQs oder Wikipedia. Wir sind alle dabei, unser Verhaltensrepertoire neu zu justieren. Konservativ ist die Zeit keinesfalls, in der wir leben.</p>
<p>Konzentrationsf&#228;higkeit: Was hatten Sie vorhin nochmal gesagt?</p>
<p>Identit&#228;t: Das war eine Sorge in den neunziger Jahren Jahren &#8211; dass virtuelle Gemeinschaften entstehen, in denen man beliebig neue Identit&#228;ten annimmt und abtauchen kann. Ich glaube, dass der Erfolg der neuen Kommunikationsformen auch damit erkl&#228;rbar ist, dass es diese Verselbst&#228;ndigung eben nicht gibt. Gerade durch die zunehmende Verflechtung zwischen Online-Welt und Offline-Welt kann man im Netz seine Identit&#228;t gar nicht ohne weiteres manipulieren.</p>
<p class="zitat"><strong>Vergessen ist</strong>   keine Schw&#228;che, sondern eine wichtige menschliche Eigenschaft</p>
<p>Erinnerungsverm&#246;gen: Wir leben in einer Epoche des totalen Speicherwahns. Jeder hebt alle 2000 unscharfen Digitalfotos vom letzten Urlaub auf undsoweiter. Wir m&#252;ssen die wertvolle menschliche F&#228;higkeit des Vergessens wieder auf den ihr zustehenden Rang erheben. Ohne Vergessen gibt es keine Resozialisierung, keine Nachsicht, keine Chance, sich zu ver&#228;ndern und auch nicht die F&#228;higkeit, auszuw&#228;hlen. Vergessen ist keine Schw&#228;che, sondern eine wichtige menschliche Eigenschaft. Deshalb m&#252;ssen auch Maschinen und Verb&#252;nde wie das Netz lernen, zu vergessen.</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Stichwort Datenbanken: &#220;berfordert die Gr&#246;&#223;e von tats&#228;chlichen und m&#246;glichen Datenbanken und die schiere Unmenge an Daten nicht unser Vorstellungsverm&#246;gen? Hantiert der &#8220;antiquitierte Mensch&#8221; mit m&#228;chtigen Geistern, die er rief und letztendlich nicht kontrollieren und schon gar nicht zum &#8220;Wohle der Menschheit&#8221; einsetzen kann?</p>
<p><strong>Peter Glaser:</strong> Ja.</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Das Bundesverfassungsgericht hat in zwei Urteilen dem &#8220;Bundestrojaner&#8221; und der &#8220;Vorratsdatenspeicherung&#8221; Grenzen gesetzt. Ist das f&#252;r Dich ein Erfolg f&#252;r Datenschutz und Privatsph&#228;re oder wurde dem &#220;berwachungsverlangen der Datenkrake Staat zugearbeitet?</p>
<p><strong>Peter Glaser:</strong> Wie die Abh&#246;raff&#228;re bei der Telekom belegt, hat der Staat kein Monopol auf Datenmi&#223;brauch. Im Zeitalter der Globalisierung wird auch das dereguliert. Die juristischen Grenzziehungen zum Bundestrojaner und der Vorratsdatenspeicherung sehe ich nicht so sehr als Erfolg, eher als Kompromi&#223;.</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Vor einiger Zeit hast Du im Blog der Technology Review &#252;ber Live Caching, &#252;ber „die totale Speicherung“ des pers&#246;nlichen Lebens geschrieben. Wie l&#228;&#223;t sich dieses Verlangen erkl&#228;ren?</p>
<p><strong>Peter Glaser:</strong> Schon dem Pharao im alten &#196;gypten wurde als Symbol das g&#246;ttliche Auge zugeschrieben, es sieht alles, immer und &#252;berall. Es ist ein ungez&#252;geltes und eigentlich ziemlich kindisches Kontrollbed&#252;rfnis. Und man br&#228;uchte noch ein zweites Leben, um die Aufzeichnungen seines ersten abzuh&#246;ren. Ich hab jetzt schon nicht mal mehr Zeit, fernzusehen.</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Um auf einen Klassiker der Internet-Literatur zur&#252;ckkommen, eben Dein Buch &#8220;24 Stunden im 21 Jahrhundert&#8221; (in der Folge abgek&#252;rzt auf &#8220;24 Stunden&#8221;). Dort fand ich die These, dass die &#8220;elektronische Verbreitung&#8221; von Text das Geschriebene entwerte. Was meintest Du damit?</p>
<p><strong>Peter Glaser</strong>: Ein Buch fordert schon mal deshalb Aufmerksamkeit, weil es einen gewissen Hubraum in diesem Umiversum einnimmt, das gleiche gilt f&#252;r eine Zeitung. L&#246;schen und Zerkn&#252;llen beispielsweise sind zwei fundamental unterschiedliche Vorg&#228;nge. Beim L&#246;schen von digitalen Texten, dem zugegebenerma&#223;en auch ich gelegentlich fr&#246;ne, erlebt man eine gewissenlose Leichtfertigkeit, die f&#252;r den Umgang mit geschriebener Sprache nicht gut ist. Nicht die digitale Verbreitung, aber die digitale Form von Sprache ist gef&#228;hrlich.</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> In den &#8220;24 Stunden&#8221; hast Du &#252;ber die Rolle des Schreibens und der Literatur im Zeitalter der Digitalisierung reflektiert. &#8220;Der Sprachumsatz auf digitaler Basis&#8221; w&#252;rde &#8220;noch dem einfallslosestem Gew&#228;sch eine Aura von Sinnf&#228;lligkeit&#8221; verleihen. Das klingt wohltuend b&#246;se, aber was ist heute wahr daran?</p>
<p><strong>Peter Glaser:</strong> Das hat insofern nachgelassen, als das Netz l&#228;ngst den Glanz des Neuen verloren hat. Wenn heute jemand schlechte Literatur unter die Leute bringen will, w&#252;rde ich ihm empfehlen, den Umschlag mit Brillianten zu bekleben oder bei Abnahme ab 100 St&#252;ck gro&#223;e Mengen Heiz&#246;l dazuzuschenken.</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> In Deinem Buch &#8220;24 Stunden im 21 Jahrhundert&#8221; hast Du aus meiner Sicht zentrale Aspekte &#252;ber die Entwicklung des Internets vorausgesehen. Zum Beispiel den Gedanken, dass das Internet unseren Zeithorizont nicht erweitere, sondern verzerre. Wie hat sich das aus Deiner Sicht im Laufe der Jahre konkretisiert?</p>
<p><strong>Peter Glaser:</strong> Wenn du irgendwo im Internet bist, hast du dich schon mal gefragt, wie sp&#228;t es eigentlich ist an dem Ort, an dem du dich gerade befindest, und wie du das herausfinden k&#246;nntest? Etwas ernsthafter gesagt: Die immer mehr digitalen Kommunikationsformen und Medienkan&#228;le werfen uns Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft aus allen Epochen und Kulturen des Globus in den Scho&#223; und machen unsere Beweglichkeit in der Zeit gr&#246;&#223;er &#8211; auf den ersten Blick. Auf den zweiten Blick zeigt sich, dass wir mehr und mehr in der Gegenwart eingesperrt werden.</p>
<p class="zitat"><strong>Die</strong> Hardware soll verschwinden</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Stichwort Maschine und ihre Vermenschlichung. In den &#8220;24 Stunden&#8221; erkl&#228;rst Du, dass der Maschine &#8220;die entspannten, kleinen, gedankenlose Wege fehlen&#8221; w&#252;rden, &#8220;durch die die Inspiration flute&#8221;. Was fehlt der Maschine auf ewig noch?</p>
<p><strong>Peter Glaser:</strong> Mein einziger Wunsch an die Technologie der Zukunft: die Hardware soll verschwinden, vollst&#228;ndig, und nur die Funktionen bleiben.</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> 1995 schriebst Du auch: &#8220;Infobahn ist Big Business und Ausdruck von Gesellschaften, in denen es anscheinend keine soziale Visionen mehr gibt, sondern nur noch Vorstellungen von neuer Technik&#8221;. Wird das nicht durch die ganzen und stetig sich aufs neue hochschaukelnden kleinen und gro&#223;en Netz-Hypes best&#228;tigt? Und was ist dem entgegenzusetzen?</p>
<p><strong>Peter Glaser:</strong> Altes arabisches Sprichwort sagt: Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, mach Pl&#228;ne.</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Legen Maschinen und ihre Software vielen Anwendern eher Minderertigkeitsgef&#252;hle als Selbstvertrauen nahe, weil das Scheitern &#8220;vorprogrammiert&#8221; ist?</p>
<p><strong>Peter Glaser:</strong> Nicht unbedingt. Die Welt ist dazu da, komplex zu sein und wir, das nach und nach zu verstehen. Das ist die Herausforderung schlechthin. Es gibt aber einen negativen Aspekt von Komplexit&#228;t &#8211; das Komplizierte. Unn&#246;tige Komplexit&#228;t. Komplizertheit ist aber nicht nur ein klassisches Problem bei Maschinen, auch Menschen sind chronisch kompliziert.</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong>  Was Software heute alles erm&#246;glicht, wie sie Globalisierung beschleunigt und neue Wirklichkeiten mit Hilfe von Simulationen schafft! Ich staune dar&#252;ber, wie wenig wir &#252;ber die kaum mehr zu &#252;berblickende Abhh&#228;ngigkeit nachdenken. Oder t&#228;usche ich mich?</p>
<p><strong>Peter Glaser</strong>: Neue Kulturtechniken sind immer Wagnisse und mit Abh&#228;ngigkeiten verbunden. Die ersten Netze in geschichtlicher Zeit waren die Bew&#228;sserungsnetze der alten &#196;gypter. Da kleine Dorfgemeinschaften die dazu n&#246;tige Logistik nicht leisten konnten, erfand man eine vollkommen neue soziale Organisationsform &#8211; den Staat. Die Versorgung verbesserte sich, daf&#252;r machte sich die Dorfgemeinschaft abh&#228;ngig von einer weit vom Dorf entfernten Macht. Das Prinzip hat sich bis heute nicht ge&#228;ndert.</p>
<p><strong>Herr Krit</strong>: Zuguterletzt die Frage, was wir in naher Zukunft von Dir erwarten d&#252;rfen. Ein neues Buch, ein neuer Blogauftritt?</p>
<p><strong>Peter Glaser:</strong> Im Lauf des Sommers ein Blog, in dem ich meine T&#228;tigkeit als digitales Tr&#252;ffelschwein dero g&#252;tigster Gewogenheit des p.t. publici submissest anheimstelle, wie wir &#214;sterreicher fr&#252;her mal gesagt h&#228;tten. Und eine Novelle. Ich hoffe jedenfalls, dass ich damit noch in diesem Jahr fertig werde. Dr&#252;ckt mir die Daumen.</p>
<p><strong>Herr Krit</strong>: Ich dr&#252;cke mal fleissig mit. Vielen Dank f&#252;r die vielen interessanten Antworten.</p>
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		<title>&#8220;Werbung ist eine wahre Pestilenz geworden&#8221;</title>
		<link>http://krit.de/werbung-ist-eine-wahre-pestilenz-geworden/</link>
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		<pubDate>Tue, 11 Sep 2007 13:33:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Krit</dc:creator>
				<category><![CDATA[ZAF]]></category>

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		<description><![CDATA[<p class="subtext"><img src='http://krit.de/wp-content/uploads/zaf.jpg' alt='ZAF m Geldschein' title="ZAF m Geldschein" style="float:right; padding:1px; border:1px #666 solid; margin-left:8px; margin-top:7px;" />ZAFs Weblog <a href="http://zenzizenzizenzic.de/">ZAF</a> sch&#228;tze ich wegen der t&#228;glichen politischen und handfesten Kurzinformation mit weiterf&#252;hrenden Links, die  ideologisches Rauschen relativieren. Im Interview nun zweifelt ZAF an die Existenz der Blogosph&#228;re, hinterfragt kritisch Werbung in Weblogs und im &#246;ffentlichen Raum, diagnostiziert eine schleichende Aush&#246;hlung demokratischer Rechte, die ihn pessimistisch stimme und berichtet &#252;ber sein Projekt <em>Mr Asta's Movie Blog</em>.</p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="subtext"><img src='http://krit.de/wp-content/uploads/zaf.jpg' alt='ZAF m Geldschein' title="ZAF m Geldschein" style="float:right; padding:1px; border:1px #666 solid; margin-left:8px; margin-top:7px;" />ZAFs Weblog <a href="http://zenzizenzizenzic.de/">ZAF</a> sch&#228;tze ich wegen der t&#228;glichen politischen und handfesten Kurzinformation mit weiterf&#252;hrenden Links, die  ideologisches Rauschen relativieren. Im Interview nun zweifelt ZAF an der Existenz einer vielzitierten Blogosph&#228;re, hinterfragt kritisch Werbung in Weblogs und im &#246;ffentlichen Raum, diagnostiziert eine schleichende Aush&#246;hlung von B&#252;rgerrechten, die ihn pessimistisch stimme und berichtet &#252;ber sein Projekt <em>Mr Asta&#8217;s Movie Blog</em>.</p>
<p><strong>Herr Krit</strong>: Wie bist Du zum Bloggen gekommen und was bedeutet es f&#252;r Dich?</p>
<p><strong>ZAF: </strong> Wenn man als Bloggen das Verfassen von Beitr&#228;gen in chronologischer Reihenfolge versteht, dann war eigentlich schon meine erste Webseite irgendwann vor 7-8 Jahren, in der ich <a href="http://blog.jazz-not-jazz.com">Kritiken zu CDs und 12&#8243;-Singles</a> ver&#246;ffentlicht hatte, so eine Art Blog. Neue Kritiken erschienen dann am Anfang der Seite, und die &#228;lteren rutschten nach unten bzw. auf die zweite Seite. Nur kannte ich damals den Begriff Blog noch nicht.</p>
<p>Eine Webseite mehr als Blog konzipiert hatte ich dann ab September 2002. Damals noch auf Englisch und mangels technischer Voraussetzungen meines damaligen Webhosting-Pakets (kein php, keine Datenbank) war das nur eine (meist) t&#228;glich aktualisierte HTML-Seite ohne Kommentare, Permalinks etc. Das hatte ich unter der Domain <a href="http://waiting4utopia.com">waiting4utopia.com</a> dann mit kurzen oder l&#228;ngeren Schaffenspausen bis Anfang 2005 durchgehalten. Dann hatte ich es im Februar 2005 endlich geschafft, den Webhoster zu wechseln und mir was mit Datenbank, php und pipapo zuzulegen.</p>
<p>Und im Februar 2005 hatte ich dann auch mit dem <a href="http://zenzizenzizenzic.de">ZAF-Blog</a> begonnen, da&#223; zuerst unter einer Subdomain lief, bis ich mir dann sp&#228;ter die Domain zenzizenzizenzic.de zulegte.</p>
<p>Anfangs hatte ich noch keinen rechte Vorstellung davon, was ich mit dem Zenzizenzizenzic-Blog (der Name Zenzizenzizenzic Armee Fraktion fiel mir erst sp&#228;ter ein) machen sollte. Im Laufe der Zeit ergab es sich aber, da&#223; ich immer &#246;fter etwas zu aktuellen politischen Entwicklungen schrieb, so da&#223; dieses bald der Schwerpunkt des Blogs wurde. Wobei ich aber auch gern hin und wieder mal andere Themen aufgreife und mich nicht nur auf das Schwerpunktthema Politik beschr&#228;nke.</p>
<p>Bloggen oder besser allgemein, etwas im Internet zu ver&#246;ffentlichen, sehe ich vor allem als eine einfache, sehr kosteng&#252;nstige M&#246;glichkeit, seine Meinung zu &#228;u&#223;ern, m&#246;glichst viele Menschen zu erreichen und gleichgesinnte Personen zu finden. Seit ich mir meinen ersten Computer zulegte, bin ich ja generell davon angetan, wie relativ einfach man mit den entsprechenden Programmen kreativ sein kann.  </p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Die Blogosph&#228;re scheint eine Gemeinsamkeit mit den traditionellen Printmedien zu haben. Ich beobachte das regelm&#228;&#223;ige Wiederk&#228;uen bestimmter Reizthemen wie Bloggen vs Journalismus, Werbung auf Blogs. Wie denkst Du dar&#252;ber und &#252;ber welche Themen w&#252;rdest Du einmal gerne mit Bloggern auf breiter Basis diskutieren?</p>
<p><strong>ZAF:</strong> Meistens halte ich mich bei den blogtypischen Themen aus der Diskussion raus. Das erinnert mich immer ein wenig an Kindergarten. Erstens gibt es wirklich interessantere und relevantere Themen als nun zum xten Mal definieren zu wollen, was ein Blog ist, was keins ist und ob dieses oder jenes nun Hochverrat an der sogenannten Blogosph&#228;re sei. Anstatt sich einmal den Luxus einer eigenen Meinung zu leisten, wird oft sogenannten A-Bloggern hinterhergehechelt und deren Meinung wiedergek&#228;ut.</p>
<p class="zitat"><strong>Anstatt</strong> sich den Luxus einer eigenen Meinung zu leisten, wird oft A-Bloggern hinterhergehechelt und deren Meinung wiedergek&#228;ut.</p>
<p>Die Blogosph&#228;re halte ich f&#252;r eine &#228;hnliche Chim&#228;re wie die in US-Medien gern mal erw&#228;hnte <em>black</em> oder <em>gay community</em>. Die gibt es genauso wenig, da diese Bev&#246;lkerungsgruppen viel zu heterogen sind, um mit einer Stimme nach au&#223;en aufzutreten. &#196;hnlich ist es beim Bloggen. Man braucht sich z.B. nur die Themenwahl anschauen. Bevor der Begriff Blog hip wurde, sprach auch keiner von einer Webseitenbetreibersph&#228;re, Forensph&#228;re o.&#228;.</p>
<p>Wer meint, sein Blog sei so toll, da&#223; er es durch Werbung verschandeln mag, soll es machen. Ich pers&#246;nlich finde Werbung fast immer &#252;berfl&#252;ssig, nutzlos und quasi als einen Schandfleck. Es mag ein paar monothematische Blogs geben, bei denen Werbung reinpasst. Z.B. ein Blog &#252;ber Tees, in dem ein Teeversandh&#228;ndler Werbung schaltet. Oder wenn ein Blog &#252;ber Musik oder Literatur Resenzionsexemplare erh&#228;lt, so fern die Resenzionen dann nicht st&#228;ndig in totale Lobhudelei ausarten. Und als Autor kann man nat&#252;rlich auch seine eigenen B&#252;cher bewerben. </p>
<p>Generell sehe ich aber wirklich keinen Bedarf in Blogs f&#252;r Werbung. Weder die Kosten f&#252;r Webspace noch die f&#252;r Traffic sind so hoch, da&#223; man sich ein normales Blog mit Text und hin und wieder ein paar Bildern zur Illustration nicht leisten k&#246;nnte. In fr&#252;heren Zeiten hatten die Menschen andere Hobbies als das Internet und waren auch bereit daf&#252;r Geld auszugeben. Ich habe selbst z.B. jahrelang sehr exzessiv Platten gesammelt. F&#252;r das Geld k&#246;nnte wohl ich bis an mein Lebensende 100 Domains oder mehr betreiben.</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Zum Thema Werbung und Weblogs hast Du ein satirische Site namens <a href="http://zafikal.de/">zafikal &#8211; f&#252;r Geld machen wir alles</a> aufgesetzt. Wie kam es dazu und was bezweckt sie? Ich nehme an, es kann nicht grunds&#228;tzlich darum gehen, Werbung in Weblogs zu verteufeln, oder?</p>
<p><strong>ZAF:</strong> Der Name <strong>zafikal</strong> (immer in ultra-hipper Kleinschreibung und fett bitte) ist nat&#252;rlich eine Anspielung auf dieses Blogwerbenetzwerk, das einige Kommerzblogger gegr&#252;ndet hatten. </p>
<p>Das war eher eine spontane Entscheidung. Ich hatte in Photoshop ein paar Logos gebastelt und irgendwann war da diese Hand mit dem Geld (&#252;brigens z.T. aus einem Font &#252;bernommen, so berauschend sind meine Zeichenk&#252;nste am PC leider nicht) und ich dachte mir, damit k&#246;nnte man was machen. Und ZAF- als Pr&#228;fix und -ikal als Suffix klingen kombiniert auch ganz flott, so da&#223; ich schon mal Namen und Logo hatte. Der Rest war dann die eigentliche Schwerstarbeit: Texte f&#252;r die Seite schreiben und den Quelltext der Seite schreiben. Und falls die <strong>zafikal</strong>-(immer in ultra-hipper Kleinschreibung und fett bitte)-Seite sonst keinen Vorteil hat, so habe dabei doch so einiges &#252;ber WordPress gelernt und mittlerweile geht die Template-Erstellung doch recht routiniert vonstatten.</p>
<p>Wie schon in der vorherigen Frage erw&#228;hnt, sehe ich wirklich kaum einen Nutzen von Werbung auf Blogs. Generell sehe ich eigentlich keinen Nutzen von Werbung, die mir unaufgefordert zugestellt wird. Wenn ich beabsichtige, ein Produkt zu kaufen, das ich dauerhafter nutzen m&#246;chte, dann bin ich durchaus f&#228;hig und willens, mich selbst dar&#252;ber zu informieren.</p>
<p>Wenn man Werbung mal globaler betrachtet, ist sie ein &#246;kologisches Desaster. Es wird Papier bedruckt, das kaum jemand lesen will, es werden Werbefilmchen gedreht, die kaum jemand im Fernsehen oder im Kino sehen will, es werden Adserver bereitgehalten, um Werbung auszuliefern, die viele eh mit Adblock oder &#228;hnlichen Ma&#223;nahmen blocken, die ansonsten aber sinnlos Bandbreite verbraten, die Gegend wird durch Werbetafeln verschandelt etc. Es werden also ohne Ende Ressourcen wie Holz, Energie usw. verschwendet f&#252;r etwas, was mit etwas Gl&#252;ck nur einen kleinen Teil der Bev&#246;lkerung interessiert. Werbung ist in ihrer ungewollten Form doch eine wahre Pestilenz geworden. Ich kenne keinen, der Werbestrecken in Zeitschriften toll findet, der gerne Werbung im TV oder Kino schaut, der sich freut, von Call-Centre-Agents bel&#228;stigt zu werden, der seinen Briefkasten gern durch Werbung zugem&#252;llt vorfindet etc. </p>
<p class="zitat"><strong>Wenn</strong> man Werbung globaler betrachtet, ist sie ein &#246;kologisches Desaster.</p>
<p>In Sao Paulo gab&#8217;s doch mal einen Erla&#223; der Stadt, da&#223; Werbung im &#246;ffentlichen Raum verboten wird. Das finde ich eigentlich eine sehr sch&#246;ne Idee. Denn Werbung ist vor allem auch undemokratisch. Ohne die notwendigen finanziellen Mittel, kann man keine Werbung schalten, um eine kritische Masse zu erreichen. Solange man es nicht schafft, Werbefl&#228;chen z.B. im &#246;ffentlichen Raum wirklich zu demokratisieren, da&#223; also jeder, der will, dort plakatieren darf, solange finde ich ein Verbot wie in Sao Paulo &#8211; je l&#228;nger ich dar&#252;ber nachdenke &#8211; eigentlich immer besser. Und eigentlich w&#228;re ein Verbot der Werbung im &#246;ffentlichen Raum nur konsequent, wenn man bedenkt, da&#223; sogenannte Cold Calls (also Anrufe von Telemarketingunternehmen auf gut Gl&#252;ck, ohne da&#223; ich explizit um den Anruf gebeten hatte) z.B. verboten sind. Ich habe ja die werbetreibenden Firmen (oder in Hamburg gerade wieder aktuell Parteien) nicht darum gebeten, mir mit ihren Werbemist meine Netzhaut zu versauen.</p>
<p>Jetzt werden wahrscheinlich ein paar in der Werbebranche Besch&#228;ftigte sagen &#8220;Ja, aber die Arbeitspl&#228;tze&#8230;&#8221;. Stimmt, Werbung schafft Arbeitspl&#228;tze. Aber diese bezahlen wir alle als Verbraucher durch h&#246;here Kosten f&#252;r die beworbenen Produkte mit. Werbung erm&#246;glicht auch keinen Qualit&#228;ts-Journalismus. Da braucht man sich nur das Privatfernsehen anschauen, um eines besseren belehrt zu werden. Und auch Printmedien ver&#246;ffentlichen eher einen Bericht nicht, als einen zahlkr&#228;ftigen Werbekunden zu verlieren. W&#228;hrend man Werbung meiner Meinung nach im &#246;ffentlichen Raum eigentlich abschaffen k&#246;nnte, geht das im Internet nat&#252;rlich allein wegen der Natur des Netzes nicht. Da ist aber z.B. Adblock recht hilfreich. Und werbeverseuchte Printmedien strafe ich eher durch Nichtkaufen. Und Radio und Fernsehen habe ich schon lange abgeschafft.</p>
<p>Ganz abgesehen vom Menschenbild, das die Werbung meist transportiert. Man sieht kaum die durchschnittlichen Menschen, denen man t&#228;glich auf der Stra&#223;e begegnet in der Werbung. In der Werbung sind alle sch&#246;n, allzeit perfekt geschminkt, gesund, topfit, schlank, zu Tode gephotoshopped etc. Mit der realen Welt hat Werbung so gar nichts zu tun. Der Druck, den in der Werbung propagierte Sch&#246;nheitsideale gerade auf Heranwachsende aus&#252;ben, d&#252;rfte bekannt sein. </p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Wie satiref&#228;hig ist deutsche Blogszene? Was geht Dir an ihr am meisten auf die Nerven? Gab es Kontroversen, die lohnend waren?</p>
<p><strong>ZAF:</strong> Wenn denn <em>die deutsche Blogszene</em> wirklich existiert, dann halte ich sie f&#252;r genauso satiref&#228;hig wie die deutsche Bev&#246;lkerung im allgemeinen&#8230; also eher weniger.</p>
<p>Es geht mir nicht wirklich auf die Nerven, denn jeder kann und sollte &#252;ber das schreiben, was ihn am meisten bewegt, von dem er am besten Bescheid wei&#223; etc. Aber ich finde es etwas schade, da&#223; viele Blogs schwerpunktm&#228;&#223;ig um das Thema Blogs kreisen und &#252;ber was darf/sollte man schreiben, &#252;ber was nicht und wenn ich jetzt meine Texte in blauer Comic Sans setze, was sagt dann A-Blogger XY dazu. &#220;berhaupt diese Einteilung in A-, B-, C-Blogger. Mir sind regelm&#228;&#223;ig wiederkehrende Leser, die sich dann auch hin und wieder in den Kommentaren &#228;u&#223;ern lieber als eine gro&#223;e, anonyme Masse auf der Suche nach den neuesten gehypten Blogs.</p>
<p>Wenn ich als Satire mal meine <a href="http://bundestrojaner.zenzizenzizenzic.de/">Bundestrojanerseite</a> nehme, dann erstaunt mich im R&#252;ckblick allerdings, da&#223; ich bisher nur eine negative Bemerkung dazu bekam. Jemand schrieb mir vor kurzem: </p>
<p>&#8220;Sorry, aber deine Page halte ich fuer einen riesen bullshit. Leute die sich ernst mit dem Thema auseinander setzen wollen und auf deine Page kommen verschwenden nur ihre Zeit sowie auch ich eine halbe std. Zeit verschwendet habe. Bitte nimm diesen bullshit vom netz.&#8221;</p>
<p>Nat&#252;rlich habe ich &#8220;diesen bullshit&#8221; nicht vom Netz genommen.</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> In Deinem Weblog <a href="http://zenzizenzizenzic.de/">ZAF</a> kommentierst Du kritisch das politische Geschehen der Gegenwart. Zusammenh&#228;nge hinter den Kulissen, die kein gutes Licht auf die politischen und wirtschaftlichen Eliten werfen. Welches Thema geht Dir dabei am meisten an die Nieren und wie h&#228;lst Du das aus, jeden Tag in die Fratze der realen und in der Regel menschenverachtenden Politik zu schauen?</p>
<p><strong>ZAF:</strong> Es hilft, manches mehr satirisch zu betrachten, auch um eine gewisse Distanz zu den aktuellen politischen Entwicklungen zu wahren. Zur Not mu&#223; man einfach mal ein paar Tage aussetzen, wie ich es neulich getan hatte. Das &#228;ndert zwar nichts an der insgesamt eher hoffnungslosen Lage, aber zumindest gewinnt man etwas Abstand und kann sich an anderen, lebenswerten Sachen erg&#246;tzen.</p>
<p>Besonders schlimm finde ich den Klassenkampf von oben und die fortschreitende Umverteilung von unten nach oben, den Abbau von Grund- und B&#252;rgerrechten, die allm&#228;hliche Aush&#246;hlung des Rechtsstaates, die Generalverd&#228;chtigung des Einzelnen, die wachsende Macht der Lobbyisten&#8230; kurzum, eigentlich ist die BRD der Jetztzeit nicht mehr die BRD, in der ich in den 70ern aufgewachsen bin. </p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Was ist aktuell in Deinen Augen die dringendste politische Aufgabe f&#252;r aufgekl&#228;rte Geister? Was gibt es zu retten, zu bewahren, was macht Hoffnung und was zerst&#246;rt sie?</p>
<p><strong>ZAF:</strong> Oh danke, die Frage impliziert ja, ich sei ein aufgekl&#228;rter Geist :-) &#8211; Ich bin allgemein eher pessimistisch veranlagt und sehe Gl&#228;ser z.B. immer halb leer, von daher denke ich eher, da&#223; sich die derzeitige politische Entwicklung zu einem &#220;berwachungs- und Pr&#228;ventionsstaat hin, damit die reiche, herrschende Klasse die Massen der Armen und nicht im Produktionsproze&#223; verwertbaren Menschen perfekt kontrollieren kann, damit es nicht zu Aufst&#228;nden und Umst&#252;rzen kommt, wenn &#252;berhaupt umkehren l&#228;&#223;t, dann nur mit einem wirklich gro&#223;en Knall, der bald kommen sollte, bevor die &#220;berwachungsma&#223;nahmen perfekt aufeinander abgestimmt sind. </p>
<p class="zitat"><strong>&#8230;werden</strong> Grundrechtseinschr&#228;nkungen immer nur Schritt f&#252;r Schritt umgesetzt, so da&#223; vielleicht der einzelne Schritt gar nicht so schlimm erscheinen mag.</p>
<p>Wie man an der aktuellen Entwicklung sieht, werden die Grundrechtseinschr&#228;nkungen immer nur Schritt f&#252;r Schritt umgesetzt, so da&#223; vielleicht der einzelne Schritt gar nicht so schlimm erscheinen mag, in der Summe hat man mit dieser Salami-Taktik am Ende aber einen ganz anderen Staat, der sich vielleicht noch einen pseudo-demokratischen Anstrich mit Wahlen gibt. Selbst Wahlen sind heutzutage, wo viele wichtige Entscheidungen v&#246;llig undemokratisch in Br&#252;ssel getroffen werden, kein Garant f&#252;r eine Demokratie. Das Europ&#228;ische Parlament hat kaum Befugnisse und ist mehr so eine Alibi-Veranstaltung und zudem gilt hier die alte Maxime, da&#223; jede Stimme gleiches Gewicht hat, bei der Wahl zum EP nicht.</p>
<p>Also selbst wenn in Deutschland auf einmal SPD und CDU bei den n&#228;chsten Bundestagswahlen nur ein Ergebnis im unteren zweistelligen Bereich erringen sollten, und z.B. Linke, Gr&#252;ne, FDP und irgendwelche Splitterparteien eine Mehrheit erhalten sollten, denke ich nicht, da&#223; sich gro&#223;artig was &#228;ndert. Daf&#252;r ist Deutschland viel zu sehr in die EU eingebunden, als da&#223; sich ein Politiker, der hierzulande ernst genommen werden will, einen Austritt aus diesem zutiefst undemokratischen Verein fordern wird.</p>
<p><img src='http://krit.de/wp-content/uploads/t_krit_de.jpg' alt='Webplakat von ZAF' /><br />
<a href="http://zenzizenzizenzic.de/plakate/">Webplakat von ZAF</a></p>
<p>Letztlich kann ich nat&#252;rlich auch nicht in die Zukunft schauen, aber interpoliert man aktuell Tendenzen in die Zukunft, dann erscheint mir diese alles andere als rosig und bei mir machen sich gewisse Ohmachtsgef&#252;hle breit, da&#223; man eh wenig &#228;ndern kann. </p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Wie sollte und k&#246;nnte sich der politisch interessierte Zeitgenosse heutzutage konkret informieren, was lieber meiden, was bevorzugen?</p>
<p><strong>ZAF:</strong> Ich halte wenig von Listen, die von jemandem f&#252;r korrekt befunden worden sind. Man sollte soviele Quellen wie m&#246;glich nutzen, um sich zu informieren. Welche das sind, sollte man aber selbst entscheiden. <em>Die</em> absolut zuverl&#228;ssige oder unzuverl&#228;ssige Quelle gibt es sowieso nicht. Selbst bei spiegel.de taucht hin und wieder mal ein guter Artikel auf, was nat&#252;rlich auch einfach mit der schieren Masse an Ver&#246;ffentlichtem zusammenh&#228;ngt.</p>
<p>&#196;hnlich wie bei der Ern&#228;hrung empfiehlt sich bei der Informationssuche eine gute Mischkost. Auch Webseiten des politischen Gegners bieten mitunter den einen oder anderen lesenswerten Artikel. </p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Der Bundestrojaner ist heute in aller Webmunde. Hattest Du nicht diesen Begriff mit der gleichnamigen Satire gepr&#228;gt? Wird er kommen als der deutsche Big Brother?</p>
<p><strong>ZAF:</strong> Das w&#228;re zuviel der Ehre. Den Begriff <a href="http://bundestrojaner.zenzizenzizenzic.de">Bundestrojaner</a> gab&#8217;s schon, bevor ich bundestrojaner.zenzizenzizenzic.de ins Netz stellte. Allerdings gab&#8217;s damals noch keine Domains mit dem Namen. Damals dachte ich, das Thema ist sowieso nur ein paar Monate aktuell, da lohnt es sich nicht wirklich, sich deswegen extra eine Domain zuzulegen. Da hatte ich mich ganz offensichtlich get&#228;uscht. Aber auch mit der Subdomain gab&#8217;s/gibt&#8217;s bei Google eine gute Plazierung.</p>
<p><img src='http://krit.de/wp-content/uploads/bundestrojaner1.jpg' alt='Bundestrojaner' /><br />
Grafik von ZAF</p>
<p>Ich denke, die Frage nach dem Bundestrojaner bzw. von heimlichen Online-Durchsuchungen ist keine Frage des Obs mehr, sondern des Wanns. Wenn es hierzulande Probleme geben sollte, wird man das ganze mit etwas Verz&#246;gerung &#252;ber Br&#252;ssel forcieren. &#196;hnlich wie bei der Vorratsdatenspeicherung. Und bei unseren in der Mehrheit v&#246;llig europablinden Parlamentariern wird&#8217;s dann hei&#223;en &#8220;Ich finde das auch nicht so prickelnd, aber das kommt aus Br&#252;ssel, da mu&#223; ich zustimmen.&#8221; </p>
<p><strong>Herr Krit:</strong>  Was hat es mit <a href="http://movieblog.waiting4utopia.com">Mr Asta&#8217;s Movie Blog</a> auf sich? Wie kommst Du an solche ausgefallenen Filme wie <em>The Life and Death of 9413, a Hollywood Extra</em>?</p>
<p><strong>ZAF:</strong> Ich habe ja eine Vorliebe f&#252;r alte s/w-Filme vor allem aus den 1930ern. Da ergab es sich fast zwangsl&#228;ufig, da&#223; eine Figur aus einem meiner Lieblingsfilme als Namenspate herhalten musste. Mr. Asta war der Hund von Nick und Nora Charles (dargestellt von William Powell und Myrna Loy) in T<em>he Thin Man</em>-Filmen. Da es in dem Blog vorwiegend um alte s/w-Filme aus den 20/30/40ern geht, erschien mir Mr. Asta der passende Namenspate. Au&#223;erdem ist er schon lange tot und als Hund eine Sache, so da&#223; wohl kaum ein Erbe irgendwelche Pers&#246;nlichkeitsrechte durchsetzen m&#246;chte. Hoffe ich zumindest. Und eigentlich hie&#223; der Hund im realen Leben Skippy und nicht Mr. Asta.</p>
<p>&#220;ber den Film <em>The Life and Death of 9413, a Hollywood Extra</em> hatte ich etwas in einem Buch gelesen (Grand Design, das eher Filme der 30er behandelt, aber auch einen Abschnitt &#252;ber Avantgarde-Filme enth&#228;lt, der 9413 erw&#228;hnte.) Und siehe da, den Film gibt&#8217;s sogar im Web zum kostenlosen Anschauen.</p>
<p>Wirklich ausgefallen sind die in dem Blog erw&#228;hnten Filme (meist erw&#228;hne ich den Filmtitel allerdings nicht, weil der Leser diese anhand einiger Hinweise raten soll) allerdings wohl erst aus heutiger Sicht. Das heutige Filmpublikum schaut sich lieber schlecht gemachte Remakes in Farbe an anstatt das Original in s/w. </p>
<p>In Deutschland kommt ja immer noch erschwerend hinzu, da&#223; Filmtitel eingedeutscht werden und der ganze Film synchronisiert wird. Selbst Schauspieler, die in den 30ern in die USA eingewandert sind, sprechen nicht so undeutlich, da&#223; man diese Praxis wirklich rechtfertigen k&#246;nnte. Es d&#252;rfte vor allem Bequemlichkeit und Gew&#246;hnung der Zuschauer sein. Meiner Meinung nach, w&#228;re es sinnvoller, Filme nur mit Untertiteln zu versehen. Erstens sind Originalstimmen viel interessanter als ein Synchronsprecher, der nebenbei noch 20 andere Schauspieler synchronisiert, und zweitens hat man irgendwann, wenn man oft genug Filme einer Sprache gesehen hat, zumindest ein Gef&#252;hl f&#252;r die Sprache, auch wenn man nicht gleich alles versteht.</p>
<p>Welche Filme ich derzeit besonders interessant finde, sind pre-Code-Filme aus dem USA. Da gab&#8217;s dann schon mal Filme, in denen z.B. Barbara Stanwyck als junge Frau von ihrem Vater an schmierige Lokal-Politiker f&#252;r sexuelle Gef&#228;lligkeiten vermittelt wird (<em>Baby Face</em>) oder Warren William als skrupellosen Manager eines Riesenkaufhauses, der quasi &#252;ber Leichen geht, um seine Gesch&#228;ftsziele zu erreichen und nebenbei noch Loretta Young mit einigen Drinks abf&#252;llt, um sich nachher in einem Appartment des Kaufhauses an ihr zu vergehen (<em>Employees&#8217; Entrance</em>).</p>
<p class="zitat"><strong>In</strong> den bald 80 Jahren haben sich die Argumente der Gegner neuer technologischer Entwicklungen nicht wirklich ge&#228;ndert</p>
<p>Ich habe mir mal einiges an Literatur zum Thema <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Production_Code">Production Code</a> besorgt und war dann doch recht erstaunt, da&#223; die Argumente f&#252;r einen Production Code nicht allzu sehr von den Argumenten f&#252;r ein Verbot sogenannter Killerspiele oder einer st&#228;rkeren Kontrolle des Internets zum Schutze der Jugend abweichen. In den bald 80 Jahren haben sich die Argumente der Gegner neuer technologischer Entwicklungen also nicht wirklich ge&#228;ndert.</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Du machst zudem treffende <a href="http://zenzizenzizenzic.de/plakate/">politische Plakate</a> und l&#228;&#223;t sozsusagen keine Gelegenheit aus, das Zeitgeschehen kreativ zu illustrieren. Verdienst Du damit auch Geld? Wie steht es eigentlich mit Deinem Zeitmanagement? ;-)</p>
<p><strong>ZAF:</strong> Nein, Geld verdiene ich damit nicht, die Plakate waren bisher auch meist nur f&#252;rs Web gemacht. </p>
<p>Zeitmanagement? Habe ich eigentlich nicht. Aber ich bin ganz gut darin, so lange rumzuschlonzen, bis ich etwas auf dem letzten Dr&#252;cker fertig machen mu&#223;. Das hat zumindest den Vorteil, da&#223; man zum Schlu&#223; gar nicht mehr die Zeit hat, etwas zu verschlimmbessern.</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Ich finde Deine Selbstportraits gelungen. Wie kam es zu dieser Serie und was verr&#228;t sie &#252;ber Deine Pers&#246;nlichkeit?</p>
<p><strong>ZAF:</strong> Danke. Urspr&#252;nglich hatte ich die <a href="http://a.journey.to.obscursville.com/journey_to_obscursville.html">Selbstportr&#228;ts</a> mal f&#252;r ein Internet-Kontaktportal (also so eine Art Social Software) gemacht. Die dort meist vertretenen Bilder von Personen vor der Eichenschrankwand oder auf gebl&#252;mten Pl&#252;schsofas fand ich f&#252;r mich etwas unpassend (au&#223;erdem habe ich weder Sofa noch Schrankwand) und nur grenzdebil vor der wei&#223;en Rauhfasertapete stehend in die Kamera grinsen, erschien mir dann auch zu langweilig, so da&#223; ich einfach einige Gegenst&#228;nde dazu drapierte. So machte das Ablichten auch viel mehr Spa&#223; und wenn man den Mund eh voll hatte, dann musste man auch gar nicht debil vor sich hingrinsen. </p>
<p>Gl&#252;cklicherweise bietet meine Kamera die M&#246;glichkeit der Intervallaufnahme an. So macht sie z.B. alle 30 Sekunden ein Bild und stellt dabei automatisch scharf. Das ist viel angenehmer, als den Selbstausl&#246;ser zu dr&#252;cken und sich dann innert 10 oder 20 Sekunden in Position zu stellen.</p>
<p>Verraten die Bilder wirklich etwas &#252;ber meine Pers&#246;nlichkeit? Au&#223;er da&#223; ich vielleicht v&#246;llig meschugge bin und damit gerne kokettiere? </p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Was machst Du im Alltag gerne und weniger gerne, wenn Du nicht gerade aktiv im Web bist?</p>
<p><strong>ZAF:</strong> Solche Momente gibt es eigentlich gar nicht :-) Na ja, hin und wieder schon. Was ich dann mache, l&#228;&#223;t sich aber auch schon erahnen, wenn man meine Webseiten kennt. <a href="http://bromatologie.zenzizenzizenzic.de">Kochen, backen</a>, alte s/w-Filme schauen, Photographieren, schlafen (schon der von mir sehr verehrte W.C. Fields lobte das Schlafen: &#8220;Sleep &#8212; the most beautiful experience in life&#8221;&#8230; er erg&#228;nzte zwar noch ein &#8220;except drink&#8221;, aber mir gef&#228;llt schlafen immer noch besser) und noch das eine oder andere, was aber privat bleibt.</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Zuguterletzt, denn ich vermute, Deine Zeit ist knapp: Ich bedanke mich f&#252;r das Interview, Du hast das letzte Wort. Fehlte ein Thema, ist ein neues Projekt in der Mache, liegt Dir etwas besonders am Herzen oder hast Du gar eine Antwort auf die Frage aller Fragen? ;-)</p>
<p><strong>ZAF:</strong> Und ich danke f&#252;r die interessanten Fragen und die M&#246;glichkeit, mit meinen Antworten auf krit.de zu erscheinen.</p>
<p>Meine bisherigen Webprojekte waren immer eher spontane Sachen, die ich mehr so aus dem Bauch herausgemacht hatte. Aktuell gibt&#8217;s aber keine <a href="http://zoa.zenzizenzizenzic.de/">spontanen Einf&#228;lle</a>, die noch der Umsetzung harren. Wenn es was neues gibt, werde ich es sicher &#8211; wie bisher meistens auch &#8211; im ZAF-Blog erw&#228;hnen. </p>
<p>Die Frage aller Frage ist sicher, wann interviewt Herr Krit sein <em>alter ego</em>, den Herrn S., der im Web auch durch diverse interessante Projekte gl&#228;nzt?</p>
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		<item>
		<title>Wirkungsvoll gegen &#8220;Meinungsmainstream&#8221;</title>
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		<pubDate>Sun, 24 Jun 2007 13:34:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Krit</dc:creator>
				<category><![CDATA[Jens Berger]]></category>

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		<description><![CDATA[<p class="subtext"><img src='http://krit.de/wp-content/uploads/jens-berger.jpg' alt='Jens Berger denkt nach' title="Jens Berger denkt nach" style="float:right; padding:1px; border:1px #666 solid; margin-left:8px; margin-top:7px;" /> Das Weblog <a href="http://spiegelfechter.com">Der Spiegelfechter</a> von Jens Berger habe ich als medienkritisches Korrektiv w&#228;hrend der G8-Proteste kennen- und sch&#228;tzengelernt. Im Interview berichtet er &#252;ber das, was Wut macht an der gegenw&#228;rtigen Politik, &#252;ber sein Selbstverst&#228;ndnis als Blogger, &#252;ber die Bedeutung von Weblogs und das "flickr-Desaster".</p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="subtext"><img src='http://krit.de/wp-content/uploads/jens-berger.jpg' alt='Jens Berger denkt nach' title="Jens Berger denkt nach" style="float:right; padding:1px; border:1px #666 solid; margin-left:8px; margin-top:7px;" /> Das Weblog <a href="http://spiegelfechter.com">Der Spiegelfechter</a> von Jens Berger habe ich als medienkritisches Korrektiv w&#228;hrend der G8-Proteste kennen- und sch&#228;tzengelernt. Im Interview berichtet er &#252;ber das, was Wut macht an der gegenw&#228;rtigen Politik, &#252;ber sein Selbstverst&#228;ndnis als Blogger, die Bedeutung von Weblogs und das &#8220;flickr-Desaster&#8221;.</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Wie hast Du das Bloggen entdeckt und was motiviert Dich, nahezu t&#228;glich dem politischen Geschehen auf den Zahn zu f&#252;hlen?</p>
<p><strong>Jens:</strong> Die Idee, einen Blog zu starten, kam mir spontan – man k&#246;nnte fast von einer Kurzschlusshandlung sprechen. Ich war schon immer ein &#228;u&#223;erst politisch interessierter Mensch und fand es immer schon spannend in Foren mit Gleichgesinnten &#252;ber politische Themen zu diskutieren. Mit der Zeit wurde es mir immer klarer, dass viele &#252;berzeugenden Argumente, Gesichtspunkte und Fakten der politischen Diskussion in den etablierten Print- und Onlinemedien nicht zur Sprache gebracht werden. Obgleich es nat&#252;rlich in gewisser Weise ein Kampf gegen Windm&#252;hlen ist, habe ich ihn angetreten und ich bin ja zum Gl&#252;ck auch nicht alleine &#8211; im Netz entsteht so langsam eine Gegen&#246;ffentlichkeit, die immer wirkungsvoller gegen den Meinungsmainstream antritt. Dies ist ein spannender Prozess und es ist &#228;u&#223;erst interessant selbst ein Teil dieses Prozesses zu sein. Schreiben ist f&#252;r mich auch ein kognitiver Prozess &#8211; man muss seine Gedanken ordnen, fokussieren und Gegenargumente ausleuchten um einen Artikel zu einem Thema zu schreiben. Durch das Schreiben erweitert man so auch sein Wissen.</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Dein Weblog startete im Februar 2007, ist also noch sehr jung. Trotzdem wird Dein Weblog von einer regen und diskussionsfreudigen Community gesch&#228;tzt. Wie kam es dazu?</p>
<p><strong>Jens:</strong> In den ersten beiden Monaten war das noch nicht so. Ich war zwar sehr zufrieden mit den Leserzahlen, die recht schnell eine ansehnliche Zahl erreichten &#8211; nur wollte fast keiner mitdiskutieren. Da ich ja aus der „Forenszene“ komme, fand ich das suboptimal, wie der Ex-Kanzler zu sagen pflegt. Zum Gl&#252;ck hat sich dies ja ge&#228;ndert &#8211; ich freue mich vor allem &#252;ber das teilweise doch sehr hohe Niveau der Diskussion. Es liegt sicher haupts&#228;chlich an der Themenwahl, ob ein Artikel rege kommentiert wird oder nicht. Zu spezifische Themen sind da eher abtr&#228;glich, w&#228;hrend zu Themen, wie beispielsweise der Diskussion um die Einschr&#228;nkung der B&#252;rgerrechte, viele Leser etwas beizusteuern haben. In der Wahl der Artikel lasse ich mich dadurch allerdings kaum beeinflussen, sondern strebe eher ein weites Themenspektrum an &#8211; auch wenn dies einige Leser dann weniger interessiert. Hier liegt auch der Vorteil von Blogs &#8211; man muss ja schlie&#223;lich nicht auf Quoten, Auflagen oder Werbeeinnahmen schielen und kann schreiben, wozu man gerade Lust hat – egal ob dies jetzt eine satirische Glosse, ein eher spr&#246;der Hintergrundartikel &#252;ber geostrategische Fragen der kaspischen Ellipse oder die Richtigstellung einer Falschmeldung von Spiegel und Co. ist. Ich verwehre mich auch, ein stringentes Konzept f&#252;r den Spiegelfechter zu entwickeln, da ich mich nicht selbst einschr&#228;nken will.</p>
<p class="zitat"><strong>&#8230; dies</strong> war eine Art &#8220;Feuerprobe&#8221; f&#252;r die Gegen&#246;ffentlichkeit des Netzes</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Ich habe Dein Weblog w&#228;hrend der <a href="http://konsumblog.de/category/g8-2007/">G8-Proteste 2007</a> sch&#228;tzengelernt. Du hast unter anderem die Medienberichterstattung kritisch unter die Lupe genommen und es wurde sehr viel diskutiert unter Deinen Artikeln. Was war f&#252;r Dich die wichtigste Erfahrung aus dieser Woche?</p>
<p><strong>Jens:</strong> Die wichtigste Erfahrung war, dass man den etablierten Medien noch wesentlich weniger glauben kann, als ich bef&#252;rchtet hatte. W&#228;hrend des G8-Gipfels haben die gro&#223;en Zeitungen und Onlineportale durch Fehlinformationen und Schlampigkeit in der Berichterstattung gegl&#228;nzt &#8211; dies war eine Art &#8220;Feuerprobe&#8221; f&#252;r die Gegen&#246;ffentlichkeit des Netzes, die bestanden wurde. Relevante Informationen kamen in dieser Zeit fast ausschlie&#223;lich von den Blogs und alternativen Medien.</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Wo verortest Du Dich politisch? Links von der Partei &#8220;Die Linke&#8221;? ;-)</p>
<p><strong>Jens:</strong> (lacht) Ich habe meine Probleme mit der &#8220;klassischen Ges&#228;&#223;geographie&#8221;. Begriffe wie &#8220;links&#8221; unterliegen auch einem zeitlichen Trend. Mit meiner politischen Einstellung w&#228;re ich vor 30 Jahren wahrscheinlich dem linksliberalen Fl&#252;gel der FDP nahe gewesen; die Zeiten haben sich aber massiv ge&#228;ndert, die sogenannte &#8220;politische Mitte&#8221; hat sich ziemlich breit gemacht. Ich w&#252;rde mich als &#8220;Verfassungspatriot&#8221; bezeichnen &#8211; umso w&#252;tender macht mich die real existierende Politik, die die Verfassung St&#252;ck f&#252;r St&#252;ck unterminiert.</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Was macht Dir an der gegenw&#228;rtigen deutschen Innenpolitik am meisten Sorgen und was stimmt Dich optimistisch?</p>
<p><strong>Jens:</strong> Die politische Gesellschaft ist eine andere, als sie es in meiner Jugend war. Es hat sich eine breite politische Str&#246;mung entwickelt, die weniger von ideologischen Ans&#228;tzen gepr&#228;gt ist, als von einem opportunistischen Pragmatismus. Dadurch ist die Demokratie in eine schwere Krise geraten, da nicht der Auftrag des W&#228;hlers f&#252;r die Volksvertreter von Interesse ist, sondern dessen Bevormundung unter einem vermeintlichen Sachzwang. Der politische Diskurs findet haupts&#228;chlich abseits des Parlamentes und seiner Quatschbuden auf den Sesseln der TV-Anstalten statt. Dort herrscht ein Meinungsmonopol vor, in dem &#252;ber Nuancen „gestritten“ wird – Spiegelfechtereien, wie ich so etwas nenne. In der LINKEN sehe ich hier eine l&#246;bliche Kraft, die eine Initialz&#252;ndung ausl&#246;sen k&#246;nnte. Je mehr sie den „Marsch durch die Medien“ antreten, desto unbequemer wird es f&#252;r die anderen Parteien. Ihre Linie wird auf einmal vom W&#228;hler und von der Basis hinterfragt. Sachzwang? TINA (there is no alternative)? TATA (there are thousand alternatives)!</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Stichwort &#8220;s&#228;chsische Korruptionsaff&#228;re&#8221;, von &#8220;Amtsmissbrauch&#8221; &#252;ber &#8220;Kinderprostitution&#8221; <a href="http://www.ngo-online.de/ganze_nachricht.php?Nr=15960">bis &#8220;Mord&#8221;</a> scheint alles dabei zu sein f&#252;r einen Krimi, der alle bisherigen toppt. Was denkst Du &#252;ber diesen auch in der Presse eher <a href="http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/56891">unterbelichteten Skandal</a>, von dem aktuell berichtet wird, dass &#8220;umfangreiches Aktenmaterial aus dem Bestand des Verfassungsschutzes <a href="http://www.ngo-online.de/ganze_nachricht.php?Nr=16190">vernichtet worden</a>&#8221; sei.</p>
<p><strong>Jens:</strong> Who watches the watchers? Es ist ein grundlegendes Problem solcher &#8211; im Stillen operierenden &#8211; Staatsorgane, dass sich ihre Kontrolle schwer gestaltet. Wo es keine wirkungsvolle Kontrolle gibt, k&#246;nnen sich schnell kriminelle Strukturen bilden, wie das Beispiel Sachsen gezeigt hat. Ein verantwortungsvoller und integrer Staat muss auch eine wirkungsvolle Kontrolle seiner Organe gew&#228;hrleisten – dies ist in diesem Falle grundlegend in die Hose gegangen.</p>
<p class="zitat"><strong>Insofern</strong> hat das Flickr-Desaster ja auch was Gutes. Nichtkommerzielle Alternativen werden folgen&#8230;</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Stichwort Web 2.0 und &#8220;Zensur&#8221; bei flickr. Hast Du eine Meinung dazu oder interessiert Dich das Thema nicht?</p>
<p><strong>Jens:</strong> Web 2.0 und der Kommerz ist ein schwieriges Thema. Nat&#252;rlich haben Plattformanbieter ein Interesse daran, Geld zu verdienen &#8211; die Nutzer solcher Dienste m&#252;ssen allerdings erkennen, dass sie die Contentlieferanten sind, ohne die die Plattformen kein Geld verdienen k&#246;nnen. Ich stehe kommerziellen Plattformen grunds&#228;tzlich kritisch gegen&#252;ber – warum sind in diesem Bereich kaum gemeinschaftliche Communities zu finden? Die Wikipedia zeigt ja, wie es auch anders gehen kann, obwohl nat&#252;rlich auch dort nicht alles perfekt ist. Das Beispiel Google zeigt ja hervorragend, wie sch&#228;dlich monopolistische Strukturen im Web sind, wenn das gro&#223;e Geld dahinter steht. So mancher Darling des Web 2.0 wird sich in Zukunft ebenfalls zum „B&#246;sewicht“ umwandeln, es w&#228;re naiv von kommerziellen Anbietern Altruismus oder Idealismus zu erwarten. Da im Web 2.0 der Nutzer gleichzeitig der Contentlieferant ist, hat er allerdings auch die Macht, solche Strukturen zu verhindern. Warum sollte ich beispielsweise mein Blog bei einem kommerziellen Anbieter hosten? Warum sollte ich meine Fotos dort ver&#246;ffentlichen? Insofern hat das Flickr-Desaster ja auch was Gutes. Nichtkommerzielle Alternativen werden folgen – dies geht im Netz sehr schnell und wer wei&#223;, vielleicht sind einige Nutzer dadurch aufgewacht und betrachten das Web 2.0 ein wenig kritischer. Das w&#228;re zu w&#252;nschen.</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Wie geht es weiter mit dem Web und den Weblogs?</p>
<p><strong>Jens:</strong> Wir stehen an der Schwelle einer Aufteilung des Netzes in Kommerz und Authentizit&#228;t – da machen auch die Blogs keine Ausnahme. Vom Nutzer wird in Zukunft noch mehr Medienkompetenz zu erwarten sein als jetzt. Blogger sind nicht per se bessere Menschen, sie sind ein Querschnitt durch die Gesellschaft. Erst kommt das Fressen, dann die Moral – nat&#252;rlich wird es auch weiterhin die idealistischen, authentischen Blogger geben – die Gegen&#246;ffentlichkeit -, bei denen der Inhalt und dessen Vermittlung im Mittelpunkt steht, aber es wird auch „gefallene Engel“ geben, die ihre Ideale zu Markte tragen. Wenn Geld, Macht und Eitelkeiten locken, wird so mancher Mensch schwach, das ist „urmenschlich“. Mephisto hat viele Gesichter, aber das Web hat auch viele Augen – insofern sehe ich die Zukunft eher gelassen.</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Was tust du und wer bist du, wenn Du nicht am Rechner sitzt, recherchierst und bloggst?</p>
<p><strong>Jens:</strong> Ein ganz normaler Mensch, der von neun bis f&#252;nf im B&#252;ro sitzt und gerne abends bei einem Glas Bier mit seinen Freunden in der Kneipe kl&#246;nt. Ein Mensch, der seine Fehler und seine guten Seiten hat und das Leben f&#252;r<br />
viel zu kurz h&#228;lt, um es Eitelkeiten wie Karriere oder Reichtum zu opfern.</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Vielen Dank f&#252;r das Interview. Nun hast Du das letzte Wort. Fehlte ein Thema, liegt Dir etwas besonders am Herzen oder hast Du gar eine Antwort auf die Frage aller Fragen? ;-)</p>
<p><strong>Jens:</strong> Ein iranischer Leser beendete mal eine Mail an mich mit der ungew&#246;hnlichen Gru&#223;formel: „Ich w&#252;nsche Ihnen ein sonniges Herz“. Das fand ich so sch&#246;n, dass ich diesen Wunsch an Dich und Deine Leser<br />
weitergeben will ;-)</p>
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		<title>Leben und Internet, Literatur und Fotografie</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Nov 2005 17:48:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Krit</dc:creator>
				<category><![CDATA[Connie Müller Gödecke]]></category>

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		<description><![CDATA[<p class="subtext"><a href="http://www.zweiterblick.de/">Connie M&#252;ller-G&#246;decke</a> ist seit den Anf&#228;ngen des WWW aktiv im Netz unterwegs und engagiert sich in zahlreichen Webprojekten. Sie geh&#246;rt noch zur alten Schule der Netizens, f&#252;r die das Internet ohne Nehmen und Geben nicht funktionieren w&#252;rde.</p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="subtext"><a href="http://www.zweiterblick.de/">Connie M&#252;ller-G&#246;decke</a> ist seit den Anf&#228;ngen des WWW aktiv im Netz unterwegs und engagiert sich in zahlreichen Webprojekten. Sie geh&#246;rt noch zur alten Schule der Netizens, f&#252;r die das Internet ohne Nehmen und Geben nicht funktionieren w&#252;rde.</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Ich habe auf einer Seite von Dir gelesen, dass du bereits 1993 erste Webseiten erstellt hast. Is ja verdammt lang her und &#252;berhaupt, wie und f&#252;r wen hat man den damals Webseiten erstellt und wie bist Du dazu gekommen?   </p>
<p><strong>Connie:</strong> Nun, ich arbeite in einer Software-Firma und wir hatten schon in den 80er Jahren auf dem Gro&#223;rechner ein Mailing System. Als mir ein Kollege dann den Compuserve-Account zeigte, war ich fasziniert. Innerhalb kurzer Zeit hatte ich dann auch einen Anschluss, war ich online. In einem deutschen Forum stiess ich dann auf eine Anleitung eines gewissen Stefan M&#252;nz zum Erstellen von HLP-Dateien, SELFHLP. Ganz sinnfrei fing ich an, soetwas auch zu erstellen. Dann erschien die erste Version von SELFHTML und ich stieg sofort um auf die M&#246;glichkeit, microsoftfrei und kostenlos zu publizieren!</p>
<p>Zu der Zeit fing ich an, mit meinem Mann durch die Welt zu reisen, Konzertreisen f&#252;hrten uns nach Russland, in den Ostblock, nach China, und ich schrieb Festivalberichte f&#252;r eine deutsche Jazz-Zeitschrift. Die musste ich aber immer auf Knien bitten, meine Texte zu ver&#246;ffentlichen. Und im Internet musste ich niemanden bitten! Da konnte ich schreiben ohne fragen zu m&#252;ssen! Und die Texte waren auch l&#228;nger haltbar, Printmedien werden ja schnell zu Altpapier.</p>
<p>Also gab es dann die erste Variante von AVANTART auf den User-Seiten von Compuserve, mit Berichten &#252;ber Jazz in Russland und einem Portr&#228;t der chinesischen Kaiserinwitwe CiXi, die mich ungemein fasziniert. Die Seite in der Fassung von 1996 ist als Reminiszenz noch online auf Avantart: die historische Version: 1996: Theater und andere Dinge.</p>
<p>Ich stellte damals auch eine avantgardistische Theaterakademie in St. Petersburg vor (wof&#252;r ich sp&#228;ter vom russischen Kultusminister gelobt wurde!) und berichtete im Westen &#252;ber den russischen neuen Jazz, war fast sowas wie eine Kulturkorrespondentin.</p>
<p class="zitat"><strong>Fast</strong> alle deutschen &#8220;Online-Pioniere&#8221; haben irgendwie bei Compuserve im Deutschen Internet Forum herumgehangen.</p>
<p>Als Stefan M. keine Zeit mehr hatte, das Deutsche Internetforum bei Compuserve als SysOp zu leiten, &#252;bernahm ich den Job von ihm. Fast alle deutschen &#8220;Online-Pioniere&#8221; (wenn es sowas denn gibt) haben irgendwie bei Compuserve im Deutschen Internet Forum herumgehangen. Ich hab den Posten dann wohl auch 1 Jahr lang gemacht und irgendwann bin ich bei Compuserve weg, aus Ver&#228;rgerung &#252;ber deren Zugangs-Software WinCim, weil die nicht mehr weitergepflegt wurde f&#252;r OS/2.</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> In den 12 Jahren, in denen Du im Netz bist, hat sich eine Menge ver&#228;ndert. Was vermisst Du aus den ersten Jahren Deiner Internetzeit heute und was m&#246;chtest Du aus der gegenw&#228;rtigen Entwicklung nicht mehr missen?  </p>
<p><strong>Connie:</strong> das kann ich ganz kurz fassen: damals hatten der Kommerz und Herr Gates das Netz noch nicht entdeckt die Aufmerksamkeit untereinander war gr&#246;&#223;er, die Neugierde aufeinander ich konnte meine Zeit mit Inhalten verbringen und nicht mit sinnlosem Bek&#228;mpfen von SPAM. Heute geht viel meiner Zeit mit dem Bek&#228;mpfen dieses ganzen Unfugs drauf, denn die Deppen kommen ja immer wieder auf neue Ideen. Wenn diese Energie nur ein wenig positiv eingesetzt w&#252;rde statt SPAM zu verbreiten, s&#228;he die Welt vielleicht auch ein wenig besser, auf jeden Fall aber interessanter aus!</p>
<p>Nicht missen m&#246;chte ich die immer gro&#223;artigeren technischen M&#246;glichkeiten. Ich war schon immer ein Early-Adaptor und ich geniesse es, mit Freunden in Peking, Moskau, Erivan per Skype zu quatschen oder in Erivan mit Notebook oder PocketPC online zu gehen. Nicht missen m&#246;chte ich die besseren Bandbreiten heute, denn gerade f&#252;r Fotos braucht man ja schon ein etwas dickeres Kabel ;=)</p>
<p>Heute st&#246;rt mich diese Habgier-Mentalit&#228;t, ohne Bitte und Danke wird gefordert, Support (z.B. f&#252;r PixelPost) wird eingefordert, als w&#228;re alles ein gro&#223;er Selbstbedienungsladen.</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Pixelpost, ein Stichwort f&#252;r mich. ;) Du betreust das Projekt <a href="http://pixelpost.org">Pixelpost</a> mit. Um was geht es da, wie bist Du dazu gekommen und was machst Du f&#252;r das Projekt?  </p>
<p><strong>Connie:</strong> Ach, das hat was mit damit zu tun: &#8220;wenn ich etwas m&#246;chte, muss ich es selbermachen..&#8221; nein, im Ernst, ich fotografiere ja nun schon seit mindestens 8 Jahren digital und habe irgendwann auch angefangen, Photos zu publizieren. Dann hab ich mal mit Nucleus ein recht erfolgreiches Photoblog erstellt: &#8220;Stadtbild&#8221;. Jeden Tag ein Bild mit Orts- und Strassenangabe&#8230; damit habe ich mich selbst unter Druck gesetzt und beim 500. Bild habe ich das dann eingestellt. Selbst auferlegter Zwang tut mir nicht gut.</p>
<p>Die Askese hielt ich dann aber auch nicht aus und ich suchte ein Script, das mir das Publizieren kleiner photografischer Momente neben meinen Hauptarbeiten auf www.zweiterblick.de abn&#228;hme. Da stiess ich vor ziemlich genau einem Jahr auf PixelPost, damals noch von Linus alleine erstellt und betreut. Aber dieses Script hatte zwar die grossartige Pr&#228;misse &#8220;so einfach wie m&#246;glich&#8221;, aber trotzdem so ziemlich alle Kinderkrankheiten: Zeichensatzprobleme etc.</p>
<p>Linus hat dann einem harten User-Kern das Projekt abgetreten und seitdem bin ich nicht nur meckernd dabei. Ich hab erstmal daf&#252;r gesorgt, dass der Zeichensatz durchg&#228;ngig UTF-8 ist, wir haben inzwischen auch Photoblogs in Vietnam, Iran etc. Ich habe Templates entworfen, Code validiert, schreibe an den Scripten mit, und betreue auch das Forum, was ab und an anstrengend ist, mir rei&#223;t doch ab und an der Geduldsfaden. Das alte Problem: &#8220;lieber gleich schreien als selbst erstmal denken&#8221; ist halt &#252;berall zu finden.</p>
<p>F&#252;r die n&#228;chste Version habe ich die Umsetzung der Administrationsoberfl&#228;che auf Mehrsprachigkeit realisiert, der komplette Ausgabetext ist jetzt &#252;ber Sprachendateien geregelt und gerade stelle ich die changelog-Datei fertig&#8230; PixelPost 1.5 BETA kommt wohl ziemlich bald raus.</p>
<p>Ich mag das Projekt, obwohl es viel Energie frisst, weil sich wieder einmal zeigt, was nur das Internet kann:<br />
Menschen aus der ganzen Welt, unterschiedlicher Altersstufen werden zu Freunden und wachsen zu Teams zusammen, gemeinsame Sprache ist englisch. Unser Team: USA, UK, Iran, Polen, Deutschland&#8230; eben kosmopolitisch, und das Alter ist auch unwichtig, ich glaube die wissen gar nicht, dass ich &#252;ber 50 bin&#8230; auch wenn ich ab und an mit dem Alter kokettiere. Das Einzige was mir fehlt ist weibliche Pr&#228;senz, es sind halt doch meistens noch Jungs, die sich da einbringen.</p>
<p>Seinen Niederschlag hat PixelPost in <a href="http://www.photografitti.de">www.Photografitti.de</a>, wo ich versuche regelm&#228;ssig dranzubleiben.</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Deine Fotografie! Es ist immens, wieviele Bilder Du im Netz hast, man kann sich da gut und gerne Stunden verlieren beim Durchklicken. Mein Liebling ist bisher die Fotoinstallation mit einzeiligen Gedichten zeitgenoessischer russischer Schriftsteller, die auch zeigt, wie gerne Du Texte und Fotos miteinander verbindest. Wie entstehen solche Bilder und was fasziniert Dich an der Kombination Literatur und Fotografie?   </p>
<p><strong>Connie:</strong> Ich freue mich, dass du die Monostichi magst! Wie solche Bilder entstehen? Ich lese die Texte und sofort habe ich die Bilder dazu im Kopf. Die Bilder existieren schon vor den Texten, ich suche sie nicht extra. Auch wieder ein Beispiel, wie Leben und Internet ineinander spielen. Ich habe die Gedichte von Felix Philipp Ingold immer schon intensiv gelesen. Er ist Dichter und Slawist, hat viel aus dem Russischen &#252;bersetzt und bei einem langen Aufenthalt in Puschkin/St. Petersburg fand ich in seinen Gedichten die Zeilen zu meinen Photos aus Puschkin. Seine Gedichte sind tief, intensiv und immer treffend.</p>
<p>Ich habe ihn dann irgendwann angeschrieben und ihm mitgeteilt, was mir meine Texte bedeuten, dann war ich zu seinem Geburtstag in Z&#252;rich, wir sind inzwischen sehr befreundet und planen auch gemeinsame Projekte, meine Installation und seine Texte. Als Felix diese Einzeiler &#252;bersetzte und herausgab, suchte ich f&#252;r meine Bilder die heraus, die passen und hatte damit eine sehr erfolgreiche Ausstellung in Moskau. Die Arbeit &#8220;Ausgesungen&#8221; (auch online auf www.zweiterblick.de) habe ich dann in St. Petersburg gezeigt, dort sind die Arbeiten aber nach 2 Stunden von den W&#228;nden gestohlen worden. Das hat mich sehr getroffen. Inzwischen ist es manchmal so, da&#223; Felix mir Texte schickt und sagt &#8220;mach damit was&#8221;. Mir ist wichtig, dass eine korrespondierende Spannung entsteht, das Bild soll nicht den Text erkl&#228;ren und der Text nicht das Bild. Aber zusammen bilden Text und Bild eine ganz neue ungewohnte Einheit.</p>
<p class="zitat"><strong>Lyrik</strong> ist lebenswichtig</p>
<p>Lyrik ist lebenswichtig, und es gibt mehr als &#8220;gro&#223;projektm&#228;ssig totgerittene Herbstgedichte von Rilke&#8221;, wenn ich das mal so sagen kann. Gerade suche ich &#220;bersetzungen armenischer Lyrik f&#252;r eine neue Arbeit, die ich n&#228;chstes Jahr in Erivan zeigen m&#246;chte. Lyrik schult das &#8220;auf den Ton h&#246;ren&#8221; und Fotographie &#8220;das den Augenblick erfassen&#8221;, so wie mein Mann als Komponist mit T&#246;nen etwas erschafft, kann ich das mit meiner Kamera, mit meinen Augen.</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Was fasziniert Dich so an Osteuropa oder konkreter, an Russland zum Beispiel?   </p>
<p><strong>Connie:</strong> ich bin zum ersten Mal 1991 nach Russland gekommen, 4 Wochen nach dem Putsch, nach Volgograd und dachte, das sei eine einmalige Sache&#8230; Neugierde, Reiselust. Aber wir trafen auf Menschen, die obwohl anders sozialisiert, uns sehr nahe waren. Heinz verstand sich mit den Musikern sofort, die Bildung der Freunde, die Aufmerksamkeit und die Lebensintensit&#228;t haben mich beeindruckt. Ich kannte Geschichte nur vermittelt, in Russland fand Geschichte statt&#8230; (1989 wurde bei uns doch auch recht abgepuffert wahrgenommen, ist Vielen gar nicht so richtig bewusst geworden).</p>
<p>Ich habe die russische Sprache sofort gemocht und auch sofort vieles verstanden, aber es dauerte doch fast 15 Jahre und mehr als 30 Reisen, bis ich einigermasse russisch sprechen konnte. Ich hatte das Gl&#252;ck, ganz viele au&#223;ergew&#246;hnliche Menschen dort kennenzulernen und mit ihnen durch dieses riesige Land zu reisen, Weisses Meer, Sibirien, Tuwa, Altai.. ich habe das Land mehr bereist als die meisten Russen selbst. Und ich hatte immer das Gef&#252;hl, dass ich am richtigen Ort bin. Vom ersten Moment beim Ausstieg aus dem Flieger in Moskau hatte ich das Gef&#252;hl daheim zu sein.</p>
<p>Die Abenteuer, die ich erlebt habe, haben das Heimatgef&#252;hl nicht beeintr&#228;chtigt. Ich tr&#228;ume auch immer noch von einer grossen Reise, die Nordk&#252;ste entlang auf einem Frachter und dann den Jenesej hinunter auf dem Schiff. Vielleicht schaffe ich das ja noch mal.</p>
<p>Osteuropa = das ist eben auch Europa. Hatte ich vorher gedacht, ich lebte in Zentraleuropa, habe ich nun gelernt, dass ich in Westeuropa lebe und Zentraleuropa/Osteuropa als Kulturraum wieder zu entdecken ist. Stasiuk, Andrukhovich, Schl&#246;gel &#8211; auch hier kommen Literatur und Leben f&#252;r mich wieder zusammen.</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Vor kurzem habe ich in der Le Monde diplomatique einen &#252;beraus interssanten Artikel gelesen: &#8220;Zehn Blicke auf die russische Gesellschaft&#8221; (noch nicht online). Dort stand zu lesen: &#8220;Die Gewalt breitet sich wie eine Krankheit im ganzen Land aus&#8221;. Wie siehst Du das im Hinblick auf Deine Erfahrungen und Dein Wissen &#252;ber Russland?   </p>
<p><strong>Connie:</strong> Ich glaube, die schlimmste Gewalt, die sich ausbreitet, ist die von der Regierung ausge&#252;bte Gewalt. Sei es gegen Gegner (Khodorkovski) oder ganze V&#246;lker (Tschetschenien).<br />
Physische und politische Gewalt.</p>
<p>Aber im Alltag habe ich die Gewalt nur selten miterlebt, einmal als Deserteure auf unseren Zug gesprungen waren und gejagt wurden. Dann sieht man im Alltag nat&#252;rlich die Spuren von Gewalt&#8230; Zerst&#246;rung, Verwahrlosung, Verrohung. Die russische Bev&#246;lkerung hat in den letzten 15 Jahren ungeheuer viel durchgemacht, Wechsel, Auspl&#252;nderung, Inflation, Desorientierung, da verlieren viele Menschen den Halt. Und, wie mir russische Freunde und auch Historiker und Soziologen best&#228;tigt haben, war Grausamkeit schon immer ein Grundzug des russischen Charakters, galt der Einzelne immer schon wenig. Das hat sich leider nicht sonderlich ge&#228;ndert, verbessert. Und Fremdenfeindlichkeit gegen&#252;ber Kaukasiern und Afrikanern findet statt, das ist wahr.</p>
<p>Ich wage nur nicht zu vergleichen und zu sagen, dass es bei uns besser ist.  Die Horrorgeschichten, die &#252;ber Russland immer in der Presse und in der TV-Berichterstattung ausgebreitet werden, kann ich jederzeit auch in Hamburg hinter dem Hauptbahnhof oder in HH-Wilhelmsburg dokumentieren. Da sind vieles nur bediente Klischees.</p>
<p>Die Schulbildung ist in Russland um Einiges besser als bei uns, die Menschen haben eine bessere Grundbildung als wir im Westen. Auch wenn sich das leider verliert. Ich glaube, Globalisierung bedeutet Verdummung. Und die Globalisierung hat heftig Fuss gefasst, auch in Russland. </p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Stichwort Weblogs? Was f&#228;llt Dir dazu ein? </p>
<p><strong>Connie:</strong> da fasse ich mich kurz, gute Technik, aber zuviel Hype und Wichtigtuerei! Wer Inhalte hat, konnte das immer schon festhalten, und hat jetzt eine Erleichterung durch die Technik die guten Weblogs gehen aber unter in der &#8220;aufgesch&#228;umten Masse&#8221;. Ein paar Weblogs lese ich ziemlich regelm&#228;ssig und ich nutze Nucleus selbst f&#252;r einige Seiten, aber eben viel viel hei&#223;e Luft und Ego-Schaum ;=) </p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Wenn man wie Du viel im Internet publiziert, stellt sich die Frage, wie kann ich das strukturieren, wie durchschaubar machen f&#252;r die Besucher. Das es nicht einfach ist, zeigen mir zum Beispiel auch Deine Sites. Manchmal war da Ratlosigkeit und ich wusste nicht, wo ich zuerst klicken soll. Ist das ein Thema, das Dich besch&#228;ftigt oder leben einfach die einzelnen Projekte f&#252;r sich, haben ihre Liebhaber und gut is?  </p>
<p><strong>Connie:</strong> Die meisten meiner Projekte stehen f&#252;r sich. Fr&#252;her wollte ich alles auf Avantart unterbringen. Das wurde mir aber zu eng. Petuschki.de kann ich ganz gut in zweiterblick.de einbinden, ebenso wie dort auch www.bildsperre.de gut hineinpasst, aber auf Avantart gingen diese Seiten unter. Es stehen auch nicht alle Domains gleichgewichtig nebeneinander, jede hat ihre Zeit, eine habe ich neulich gel&#246;scht.</p>
<p>Ich hab mir gerade mal eine Liste meiner Projekte gemacht auf <a href="http://mueller-goedecke.de">mueller-goedecke.de</a> mit Links, aber das muss nicht alles zusammenpassen. Gerade ziehe ich die www.hafenfotografen.de auf, die ich mehr als Gemeinschaftsprojekt sehe, wo nach und nach immer mehr Hafenfotografen zusammen kommen k&#246;nnten, und das hat wiederum gar nichts mit meinen Photoromanspielereien auf Bildsperre zu tun&#8230;</p>
<p>Was n&#246;tig ist, verkn&#252;pfe ich, vieles kann auch nebeneinander stehen, so passt zwar www.kultur-banal.de in meine &#8220;Gesamtstimmung&#8221;, ist aber ebenso wie www.einschaltverweigerung.de ein (kleines) Projekt f&#252;r sich. Muss nicht alles in eine Schublade. Sind auch sehr unterschiedliche Projekte. Aber ich bin ja auch sehr unterschiedlich. </p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Sehr unterschiedlich? Ein Gelegenheit, zudem zu fragen, was du tust und wer du bist, wenn Du nicht am Rechner sitzt oder unterwegs bist?  </p>
<p><strong>Connie:</strong> Nun, ich verdiene mein Geld in der Support-Abteilung einer Software-Firma, ich betreue Kundenprojekte, f&#252;hre Anpassungen durch, reise durch die Gegend zu den Kunden, mache auch mal Hotline-Dienst. Das ist mein Brotberuf, der mir alle meine Hobbies erm&#246;glicht. Der meine Kameras und technischen Spielzeuge bezahlt, die vielen B&#252;cher die ich st&#228;ndig kaufe, die Miete und das Abendbrot. Der Beruf fordert sehr viel Zeit und Energie und umsomehr muss ich mit meinen privaten Themen und Besch&#228;ftigungen dagegegensteuern. Ansonsten lese ich viel, gehe viel zu selten in Ausstellungen und Konzerte, obwohl diese meiner Seele immer gut tun, kaufe mir ab und an ein Kunstst&#252;ck und ich habe einen wunderbaren Mann. Heinz ist Komponist, K&#252;nstler, Ingenieur. Er ist mein gr&#246;&#223;tes Gl&#252;ck.</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Vor der letzten Frage noch einen Sprung zur&#252;ck zu der digitalen Kamera, die Du als Deine erste benutzt hast vor 8 Jahren (!). Was war das f&#252;r eine und hast Du sie noch?   </p>
<p><strong>Connie:</strong> Die erste Kamera war eine kleine Logitech-Kamera, die mir ein Kollege auslieh, machte ganz wolkige schwarzweisse Bilder. Ein Bild dieser Kamera ist noch online. Dann hab ich mir 1997 in New York eine Kodak-Kamera gekauft, die sah aus wie ein Brikett, die habe ich nicht mehr, die habe ich Studenten in St. Petersburg geschenkt. Jetzt nutze ich eine Canon Powershot S1Pro und bin gl&#252;cklich damit. </p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Vielen Dank f&#252;r das &#252;beraus interessante Interview. Du hast das letzte Wort. Liegt Dir noch etwas zu einem fehlenden Thema auf dem Herzen oder hast Du einen Wunschpartner f&#252;r ein Krit-Interview oder gar eine ganz eigene Antwort auf die Frage aller Fragen? Nur zu :-)  </p>
<p><strong>Connie:</strong>  Eine Antwort w&#228;re &#8220;Neugierig sein und um die Ecke schauen&#8230;&#8221; Das Internet ist eine M&#246;glichkeit, Inhalte zu vermitteln, aber die Inhalte muss man finden. Manchmal gl&#252;ckt das, manchmal nicht.<br />
So finde z.B. ich meinen Bericht &#252;ber die Korruption in Armenien recht wichtig, der hat etwas bewirkt, ist dort von den richtigen Leuten gelesen worden. Mit meinen Seiten &#252;ber den Komponisten Avet Terterian konnte ich den Boden f&#252;r seine Musik hier in Deutschland etwas bereiten, das macht mich ein wenig stolz.</p>
<p>Da&#223; das Internet weiterhin freie Kommunikation erm&#246;glicht, w&#252;nsche ich mir. Einen Wunschpartner f&#252;r ein Interview h&#228;tte ich auch: Michael, ehemals &#8220;monoklon&#8221;, jetzt brainfarts. Ein junger Mann mit einer starken Pers&#246;nlichkeit.</p>
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		<title>&#8220;ich mache weblog wie fanzine&#8221;</title>
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		<pubDate>Mon, 23 May 2005 14:48:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Krit</dc:creator>
				<category><![CDATA[frau mutant]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://krit.de/ich-mache-weblog-wie-fanzine/</guid>
		<description><![CDATA[<p class="subtext">Was ich so erlebe im Alltag und im Internet und von direkt bis unterhaltsam in mein Weblog poste, so w&#252;rde ich einmal spontan das Bloggen von <a href="http://eleg.antville.org/">frau mutant</a> beschreiben, die mehrere Weblogs macht und mit diversen Pseudonymen im Internet unterwegs ist.</p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="subtext">Was ich so erlebe im Alltag und im Internet und von direkt bis unterhaltsam in <s>meiner Schreibe poste</s> mein Weblog poste, so w&#252;rde ich einmal spontan das Bloggen von <a href="http://eleg.antville.org/">frau mutant</a> beschreiben, die mehrere Weblogs macht und mit diversen Pseudonymen im Internet unterwegs ist.</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Wie bist Du zum Bloggen und auf Antville gekommen? </p>
<p>frau mutant: puhh, zum bloggen kam ich ueber <a href="http://www.schockwellenreiter.de/">joerg kantel</a>, den hatte ich 99 oder so kennengelernt im anschluss an eine veranstaltung mit <a href="http://www.wauland.de/">wau holland</a>. er schwaermte immer von frontier und als es dann mit editthispage losging habe ich mir das angesehn und fand es gleich gut. wir haben dann gemeinsam den rollberg gestartet, vorbild dafuer war zb unknown news, ich glaube, da war der hoehepunkt die &#8220;live&#8221;-berichterstattung vom castortransport und von den chaostagen ;-)</p>
<p>dann gab es bei &#8220;etepetete&#8221; immer mehr technischen nerv und ich habe mir einige andere sachen angesehn und mitmal gab es <a href="http://www.antville.org/">antville</a> und das hat mir direkt gefallen. ausserdem war dort schon <a href="http://eleph.antville.org/">kris</a> eingezogen. ja, und dann hat man das schnell dem rest der bande erzaehlt und dann waren <a href="http://brilli.antville.org/">koerser</a>, <a href="http://clignot.antville.org/">jeanluc</a> und schliesslich sogar der letzte faxbenutzer auf erden, ein <a href="http://mark.antville.org/">supatyp</a> auch da und alles war plueschig und fein.</p>
<p class="zitat"><strong>&#8230; wenn</strong> leute antvillebenutzern arroganz und sowas vorwerfen, die haben vermutlich kein schoenes leben</p>
<p>der hoehepunkt war sicher das ameisentreffen, wo <a href="http://scheinasyl.antville.org/">dr nemo</a> am handy die blogeinrichtung erklaert wurde, der is ja auch einer meiner lieblingsblogger btw.</p>
<p>ich finde immer sehr lustig, wenn leute antvillebenutzern arroganz und sowas vorwerfen, die haben vermutlich kein schoenes leben ;-)</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Arroganz? Gibt es weitere Vermutungen f&#252;r die Gr&#252;nde solcher Unterstellungen? Das ungeschminkte Bloggen, eine gewisse Respektlosigkeit, das etwas andere Niveau hier und dort auf Antville?  </p>
<p><strong>frau mutant:</strong> ja, vermutlich. aber da kann ich nur fuer mich sprechen, ich finde mich eigentlich uebrhaupt nicht arrogant, ich bin nur bekennende antiintelektuelle und ich muss immer furchtbar lachen ueber die neuen ideen der weblogbedeutungsmafia. ganz normal also ;-)</p>
<p>ich mache weblog wie fanzine: ich schreib da rein, was ich gerne lesen will. ich bin doch keine contenthure und muss mich nicht anschmeicheln bei irgendwelchen lesern. das ist ja das schoene am bloggen: ich muss keinen um erlaubnis fragen und es macht auch keine muehe, alles, was man da an zeit und energie reinsteckt, tut man eben freiwillig.</p>
<p>ein bisschen selbstzensur verschreibe ich mir aber auch schon, weil manchmal weiss man ja nicht, mit wem man es zu tun hat und ich wette, da draussen laufen leute rum, die einen wegen beleidigung oder sowas anzeigen wuerden. dann schreibe ich eben nicht in mein weblog, das soundso ne dumme sau ist, sondern auf einen zettel und tu den in eine schublade.</p>
<p>nochmal zu der &#8220;antville-community&#8221; (wenn es die denn gibt, die experten streiten noch): das ist ja auch eine wahrnehmungssache. einige leute stechen da son bisschen raus, die auch irgendwie miteinander verbunden sind. das wird durch den sog. antvillesprech noch verdeutlicht. aber das ist ja nur ein teil, an anderen stellen, zb im <a href="http://kompetenzteam.antville.org/">kompetenzteam</a> ist ne ganz andere szene.</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> *LOL* Die Schublade is gut! Und Bloggen in Deiner Anfangszeit und heute: Was hat sich mit der Zeit ge&#228;ndert an Deinen Erwartungen, Vorstellungen, Ansichten gegen&#252;ber Weblogs?  </p>
<p><strong>frau mutant:</strong> ich finde weiterhin gut, das es weblogs gibt. und technisch finde ich antville immer noch ganz weit vorne, das ist ein bisschen wie einen mac benutzen: einfach, intuitiv, stylish.<br />
aber du willst sicher auf was anderes hinaus.</p>
<p>hm, ich glaube, der unterschied ist, das ich ein(mein) weblog mittlerweile ganz klar als teil meiner kommunikationsinfrastruktur begreife (was ist denn das fuer ein satz? bin ich unternehmensberater oder was?). und immer noch nicht mit meinen eigenen special interest weblogs umgehen kann, weil ich mitten im satz noch was persoenliches loswerden moechte ;-)</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Special interest weblogs, ein Stichwort wie gerufen! Zum Beispiel <a href="http://damenrugbycharm.antville.org/">Charmantes Damenrugby</a>?  </p>
<p><strong>frau mutant:</strong> ja. das beste frauenrugby-weblog der welt, im ernst. leider sind die meisten rugbyistas nicht so die internetzfuexe. ausnahmen wie <a href="http://www.tacklegirls.com/">tacklegirls</a> bestaetigen die regel&#8230;</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Du spielst den Sport auch, wenn ich das irgendwann nicht missverstanden habe. Wie bist du dazu gekommen und was macht den Reiz aus? </p>
<p><strong>frau mutant:</strong> ja, ich spiele schon seit einigen jahren rugby, habe angefangen 1991, als ich mit einer freundin rugby im tv gesehn habe und wir uns dachten: das wollen wir auch.<br />
normale sportarten haben mich immer gelangweilt, ausser voelkerball, da war ich echt gut drin ;-)</p>
<p class="zitat"><strong>normale</strong> sportarten haben mich immer gelangweilt</p>
<p>als kind habe ich gekickt, so auf der strasse mit tennisball, aber im fussballverein wars mir dann zu oede und zu der zeit war man da als maedchen auch noch nicht gern gesehn. ausserdem mochte ich eh immer nur ruppen ;-)<br />
spaeter habe ich dann eine zeitlang kampfsport gemacht, aber da rannten mir zuviele idioten rum, so kurz vor dem abrutschen in die tuersteherszene und ich wollte schon eher einen mannschaftssport machen.<br />
das war dann halt rugby. und ich muss sagen, das ist einfach der beste sport der welt.<br />
mehr sag ich da garnicht zu, weil das wird dann nur schwuelstig und pathetisch. i herz rugby! </p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Ok, und wie steht es um die <a href="http://www.stylepolice.de/">Stylepolice AG</a> oder wie fing die an und wo sollte es hingehen?   </p>
<p><strong>frau mutant:</strong> es war einmal: punkrock. ein fanzine namens zap. tapfere recken die dort sachen reinschrieben. dann endete das aus gruenden und ein eigenes heft wurde gemacht, welches <a href="http://stylepolice.de/spezial/download/pdf.htm">&#8220;von vorne und von hinten&#8221;</a> hiess. da gab es eine rubrik namens &#8220;stylepolice&#8221;.</p>
<p>irgendwann hatten wir dann alle kapiert was das internetz ist und uns <a href="http://stylepolice.de/spezial/archiv/modem/index.htm">highspeedmodems</a> angeschafft und deswegen kein geld mehr, um die exorbitanten druckkosten fuer das heft aufzubringen. oder so. jedenfalls haben wir dann eine webseite gemacht als fortfuehrung dieser heftsache und damals war ja noch frau s dabei und deswegen waren da auch immer geek-witze dabei und so. selber durchcliquen macht schlau, hoffe ich. wir sind dann ja alle in die weblogszene abgerutscht, deswegen wurde da ewig nix mehr gemacht, das kann auch so stehen bleiben bis in alle ewigkeiten, denke ich.</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Und im <a href="http://www.under-construction-club.de/">Under-Construction-Club</a> &#8211; der exquisite Internet Club von Stylepolice.de &#8211; gabs mal &#196;rger. Hat sich der erledigt oder kam da noch was nach?</p>
<p><strong>frau mutant:</strong> nee, da kam nix mehr, wegen was man in deutschland alles mit klage drohen kann, die merkens nicht mehr, scheint mir&#8230; &#8211; was wirklich schade beim ucc ist: der viele spam im baustellenmelder. aber das hat man ja jetzt ueberall. </p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Noch eine Frage zu Deinem <a href="http://mutant.antville.org/">Weinblog Flaschenpost</a>. Ich staune, wieviele anregende Worte Du finden kannst &#252;ber die Eigenschaften von Weinen (ich selbst vertrag Wein ja nicht, bekomme nach dem 2. Schluck eine G&#228;nsehaut, trotz guten Willens und aller Offenheit). Bist Du ein Naturtalent im <a href="http://tofusofa.antville.org/">Schmecken</a>? </p>
<p><strong>frau mutant:</strong> hm,<a href="http://tofusofa.antville.org/"> essen</a> und <a href="http://mutant.antville.org/">trinken</a> sind einfach sachen, die ich gerne tue. man kann seinen geschmack schulen und ich denke, beim wein habe ich schon mir was erarbeitet, aber nie so mit dem vorsatz: ich muss son wein-angeber werden&#8230; richtig guter wein, den man mit zeit und konzentration geniesst, da kann man sich stundenlang drueber unterhalten.. oder tolles essen. aber manchmal will man ja auch nur ein bisschen <a href="http://www.drinksfood.de/welcome.php?s=portfolio&#038;t=product&#038;id1=1&#038;id2=15&#038;product_id=56&#038;l=1">schwindlig</a> werden ;-) </p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Vielen Dank f&#252;r das &#252;beraus unterhaltsame Interview. Du hast das letzte Wort. Liegt Dir noch etwas auf der Zunge, hast Du einen Wunschblogger f&#252;r ein Krit-Interview oder/und eine ganz eigene Antwort auf die Frage aller Fragen?</p>
<p><strong>frau mutant:</strong> ja, wunschblogger waere natuerlich dr nemo oder auch <a href="http://ohmanncanada.diaryland.com/">die dame aus kanada</a> oder vielleicht kris?</p>
<p>ich stelle fest, das ich sprachlich sehr schlurig war in diesem interview und das ich weniger gelaestert habe, als ich eigentlich vorhatte. ich weiss zwar immer noch nicht, womit ich diese ehre verdient habe, aber danke fuer den netten abend ;-)</p>
<p>ach so: &#8220;schreibe&#8221; ist kein schoenes wort!</p>
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		<title>Wider der &#8220;Contentlusche&#8221;</title>
		<link>http://krit.de/wider-der-contentlusche/</link>
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		<pubDate>Tue, 03 May 2005 19:55:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Krit</dc:creator>
				<category><![CDATA[Supatyp]]></category>

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		<description><![CDATA[<p class="subtext"><a href="http://mark.antville.org/">Supatyp</a> bloggt seit &#252;ber 3 Jahren intensiv auf Antville und ist dort nicht mehr wegzudenken. Sein Bloggen ist oftmals eine sp&#246;ttisch-ironische Kommentierung von Medien-, Konsum- und popkulturellen Ereignissen, die seine Besucher nicht selten zu ebenso gearteten Kommentaren verf&#252;hren.</p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="subtext"><a href="http://mark.antville.org/">Supatyp</a> bloggt seit &#252;ber 3 Jahren intensiv auf Antville und ist dort nicht mehr wegzudenken. Sein Bloggen ist oftmals eine sp&#246;ttisch-ironische Kommentierung von Medien-, Konsum- und popkulturellen Ereignissen, die seine Besucher nicht selten zu ebenso gearteten Kommentaren verf&#252;hren.</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> 1184 Tage Weblog. Erinnerst Du Dich noch an den ersten Tag?   </p>
<p><strong>Supatyp:</strong> Von Webloggen jetzt? Ja, dunkel. <a href="http://brilli.antville.org/">Cursor</a> hatte die ganze Zeit immer rumgestichelt, dass ich noch kein Blog habe. Wir hatten uns schon vorher bei www.thema1.de [u.a. mit <a href="http://clignot.antville.org/">jeanluc</a> und <a href="http://hands.antville.org/">schmerles</a>] ausgetobt, das ging dann im Eimer. Jeanluc und cursor waren bereits bei den Ameisen und irnzwann bin ich dann auch schwach geworden. </p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Und Deine Art zu schreiben, dieser gesteigerte Ruhrpottslang, denn Du auch oft in Kommentaren konsequent durchh&#228;lst: Ist der nicht manchmal anstrengend oder ist der einfach drin?  </p>
<p><strong>Supatyp:</strong> Fiftyfifty sch&#228;tz ich. Wenns anstrengend wird, dann lass ichs halt. Ausserdem gibts manchma Themen, da is das nich gut f&#252;r. Aber zu den ernsten Sachen mach ich auch immer seltener was. Kein Bock mehr.</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Warum kein Bock mehr?   </p>
<p><strong>Supatyp:</strong> Keine Ahnung. Oder etwa doch? Ernste Sachen kann ich vleicht nich so gut wie die serious Blogger. </p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Mich fasziniert ja immer wieder der Button .com egal. Was bedeutet der? Steht diese Wendung &#8211; oder auch andere, wie das konsequente im Internetz &#8211; im Zusammenhang mit bestimmten Threads?   </p>
<p><strong>Supatyp:</strong> Der Button is von jeanluc gebastelt. Der Spruch l&#228;sst sich auch &#8211; wenn ich mich nich irre &#8211; auf ihn (oder ihn und cursor) zur&#252;ckf&#252;hren. Mein Beitrag besteht darin, .com egal durch permanenten Einsatz ins kollektive Ged&#228;chtnis von Internetz, jetz weiss ich den Satz nich mehr weiter.<br />
Gibt auch .com egal T-Shirts inzwischen. Ich habe selbsverst&#228;ndlich keins. </p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> &#220;ber 3 Jahre bloggen, da kommt was zusammen an Postings. Welche geh&#246;ren zu Deinen Highlights, haben besonders viel Spass gemacht und unvergessene Diskussionen bewirkt?  </p>
<p><strong>Supatyp:</strong> Highlights ausserhalb der <a href="http://mark.antville.org/mostread">Mostreads</a>? Die ganze <a href="http://mark.antville.org/topics/arschsackgirlies/">Arschsackgirliestrecke</a>, da bin ich immer noch bisschen stolz drauf. H&#228;tte ich gerne mit dem Begriff innen Duden geschafft. Das w&#228;ren guter Stunt gewesen.</p>
<p>Dann die ganzen Listensachen, wo man 25 tolle Filme oder den schlechtesten Schlager sucht, da .com die Leute pl&#246;tzlich aus ihre Blogl&#246;cher und posten ganz rappelig.</p>
<p>Und sch&#246;n sind all die ganzen unvorhergesehenen Discossionen. Wo man nur kurz was ins Blog wirft und dann gehts rund. Mittlerweile habe ich da meine Stammleser, da passieren so Ausreisser nich mehr sehr h&#228;ufig. Vor kurzem das <a href="http://mark.antville.org/stories/1102086/">The Sun Cover zur Papstwahl</a>, das war noch mal oft geklickt, aber nich so doll discotiert.</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Stichwort Impactblogger: Metabloggen scheint nicht zu Deinen Leidenschaften zu geh&#246;ren, oder? ;)   </p>
<p><strong>Supatyp:</strong> Weil Metabloggen Leiden schafft. Das wird ja sehr schnell oft traurig, wenn man sieht, wer sich da alles anpreist als Blogger, auf den die Welt grade noch gewartet haben soll. Bloggen ist Handwerk mittem Kopp. Und das beherrscht man entweder gut, weniger gut oder eher kaum bis gar nicht. So ungef&#228;hr etwa. </p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Was nun nicht bedeuten muss, dass nicht im kleinen Kreis oder &#246;ffentlich &#252;bers Bloggen nachgedacht werden k&#246;nne. Zum Beispiel &#252;ber Bloggen und Geldverdienen, Bloggen und Schreiben, Bloggen und Journalismus. Oder sind das alles keine Themen f&#252;r Dich, die Dich besch&#228;ftigen? Wenn doch, welches besonders?   </p>
<p><strong>Supatyp:</strong> Bloggen und Geldverdienen am ehesten noch, aus ganz ordin&#228;r existenziellen Gr&#252;nden. Bloggen und Journalismus intressiert mich &#252;berhaupt nich. Das bringt kein weiter! </p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Du hast als <a href="http://mark.antville.org/stories/1102086/">Gastblogger auf IT&#038;W</a> in 10 Postings auf den Punkt gebracht: <a href="http://www.industrial-technology-and-witchcraft.de/index.php/gast/12793/">Wie supatyp 1mal den Punk erfand</a>. Wie hast Du Punk entdeckt und was fasziniert Dich an Punk? </p>
<p><strong>Supatyp:</strong> Zur Erlangung eines akademischen Titels habe ich mal zu Punk rumgeforscht, was zu geschrieben, war damit u.a. bei Willemsen in sein Fernsehen als Vorgruppentyp vor Michael Jackson und werd das Ding echt nich mehr los. Is n&#228;mlich schon l&#228;nger her.</p>
<p>Was mich an Punk fasziniert? Gute Musik, gute Leute mit guten Styles und der richtige Arschtritt f&#252;r die Hippies. H&#228;tt ja sons keiner gem8. </p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Und was ist Punk heute, noch lebendig?  </p>
<p><strong>Supatyp:</strong> Punk heute ist ein Witz, &#252;ber den keiner mehr lachen mag. Voll.com raus aus den stilbildenden Instanzen.</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Aber Fussballspielen heute is kein Witz, wenn ich <a href="http://mark.antville.org/stories/1099624/">Deine sonnt&#228;glichen Berichte</a> &#252;ber die Siege und Niederlagen lese. Bist Du mit Fussball gross geworden und was bedeutet Dir das regelm&#228;ssige Spielen mit dieser Truppe? </p>
<p><strong>Supatyp:</strong> Das sonnt&#228;gliche Fussballspielen ist deshalb toll, weil ich da sehen kann, wieviel supa ich immer noch bin, wenn ich halbwegs mit den 10f&#252;mfzehn Jahre J&#252;ngeren mithalte ein bisschen etwas. Ausserdem habe ich &#252;ber 4 Killo abgenomm, seitdem ich bei den mitkicke. Fu&#223;ball bin ich mit gro&#223; geworden (und klein geblieben). Ich bin auf Asche geboren und werde auf Asche sterben. </p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Ok, zur&#252;ck zu den stilbildenden Instanzen und den guten Styles: Was verstehst Du darunter?   </p>
<p><strong>Supatyp:</strong> Von Musik &#252;ber Mode bis hin zum Graphik-Design hat Punk in den 80ern unheimlich viele, heute noch erkennbare Einfl&#252;sse in zig kulturellen Segmenten ausge&#252;bt. Punk heute hat sich sp&#228;testens mit der Allianz mit den Bahnhofsstrichern und -pennern die letzte Wucht genommen. </p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Wenn ich das richtig verstanden habe, laufen <a href="http://mark.antville.org/stories/443978/">die 25 filme, die ein kind mit 16 gesehn haben muss</a> auch unter der Rubrik Medienerziehung f&#252;r Deine Tochter. Warum sind Dir gerade 25 ausgew&#228;hlte Filme wichtig oder woher kommt &#252;berhaupt die Kompetenz, die gezielt aus der un&#252;berschaubaren Masse bestimmen zu k&#246;nnen.  </p>
<p><strong>Supatyp:</strong> Das war, weil damals so pa Kulturfuzzis einen Filmkanon zur Medienerziehung aufstellen wollten. Und bevor die sagten, in der Klasse 10 muss man alle Wim Wenders Filme kucken, wollte ich die armen Kinder vor bewahren mit einer alternativen Liste.</p>
<p class="zitat">Wer nich in irgendeiner Form deutlich machen kann, dass er das, was er macht und dass er seine Leser und Leserinnen liebt, der ist verloren in der Blogosph&#228;re.</p>
<p>F&#252;r die Erziehung der Tochter machte das ziemlich einfach. Erziehen ist ja immer Ein&#252;ben der bereits existierenden bebilderten Welt. Und da im TV gibts schon Bilder fertig. Muss man nur noch kucken und was zu sagen. Hat ja auch geklappt, find ich. Wenn so ein 14 j&#228;hriges M&#228;dchen weiss, wann Vietnam Trauma im Fernsehen grade dran is.</p>
<p>Ach weiss nich, ob Kompetenz daf&#252;r das richtige Wort is. Selbs viel mit offene Augen durche Welt laufen reicht da voll.com vermutlich.</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Zum Thema Antville noch: F&#252;r die einen blutet Antville langsam aus, weil immer mal wieder beliebte Weblogschreiber die Tastatur hinschmeissen, andere sehen in Antville eher eine &#252;berhebliche, abgehobene Gesellschaft, so mein Eindruck manchmal. Was ist Antville f&#252;r Dich?</p>
<p><strong>Supatyp:</strong> Antville ist f&#252;r mich das beste, was ich aus &#214;sterreich kenne. Das Gelaber um den realen, unterstellten oder vermuteten Zustand von Antville intressiert mich nich. Das sind Leute, die unterhalten sich auf Parties auch stundenlang &#252;ber 5 Euro Kn&#246;llchen f&#252;r Falschparken. Muss man nur mal kucken, welche arme Fackeln mit dem Thema hausieren gehen. </p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> &#220;ber Deine Kommentarstreifz&#252;ge hast Du sicher schon viele Antvilleblogs sich entwickeln und ver&#228;ndern sehen. Wie sorgten diese Blogger f&#252;r Aufmerksamkeit?<br />
<strong><br />
Supatyp:</strong> Konstanz! Jetzt nicht das Kaff da. Sondern die Garantie regelm&#228;&#223;iger Lieferungen in kurzen Abst&#228;nden. Wird untersch&#228;tzt. Aber SWR zum Beispiel, wenn der nur die H&#228;lfte alle paar Tage raushauen w&#252;rde, h&#228;tte der kaum Klicks.</p>
<p>Unterhaltung! Bloggen ist Entertainment. Wer das nich kann, kann nicht toll bloggen. Herzensbildung! Wer nich in irgendeiner Form deutlich machen kann, dass er das, was er macht und dass er seine Leser und Leserinnen liebt, der ist verloren in der Blogosph&#228;re. </p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Deine Lieblinge unter den <a href="http://mark.antville.org/stories/856683/">Schimpfw&#246;rtern f&#252;r Blogger</a>? ;)<br />
<strong><br />
Supatyp:</strong> Contentlusche</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Wie passend zur Antwort vorher! &#8211; Vielen Dank f&#252;r das Interview. Du hast das letzte Wort. Liegt Dir noch etwas zu einem fehlenden Thema auf der Zunge, noch eine Botschaft f&#252;r die Leute da draussen oder hast Du gar eine ganz eigene Antwort auf die Frage aller Fragen?  </p>
<p><strong>Supatyp:</strong> Hey, Kachelmann! Ich krich gleich Besuch. Mach mal die Sonne raus f&#252;r zum auffe Terasse sitzen! Verstanden?</p>
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		<title>Mit Herz f&#252;r eine klare Strategie</title>
		<link>http://krit.de/mit-herz-fur-eine-klare-strategie/</link>
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		<pubDate>Thu, 24 Feb 2005 21:22:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Krit</dc:creator>
				<category><![CDATA[Marcus Völkel]]></category>

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		<description><![CDATA[<p class="subtext">Marcus V&#246;lkel ist Usability-Spezialist und einer der Gesch&#228;ftsf&#252;hrer der <a href="http://www.scoreberlin.de/">scoreberlin GmbH</a>. Er betreibt seit Juni 2003 das Weblog <a href="http://www.web-blog.net/">Usability Inside</a>. Dort ver&#246;ffentlicht er nicht nur Artikel &#252;ber Usability, sondern auch Anleitungen f&#252;r mehr Sicherheit im Internet, offen ausgesprochene Mac-Vorlieben sowie diverse f&#252;r das Webworking relevante Linkbesprechungen.</p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="subtext">Marcus V&#246;lkel ist Usability-Spezialist und einer der Gesch&#228;ftsf&#252;hrer der <a href="http://www.scoreberlin.de/">scoreberlin GmbH</a>. Er betreibt seit Juni 2003 das Weblog <a href="http://www.web-blog.net/">Usability Inside</a>. Dort ver&#246;ffentlicht er nicht nur Artikel &#252;ber Usability, sondern auch Anleitungen f&#252;r mehr Sicherheit im Internet, offen ausgesprochene Mac-Vorlieben sowie diverse f&#252;r das Webworking relevante Linkbesprechungen.</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Eines der kritischen und wichtigen Themen ist und bleibt Sicherheit im Internet, deren Relevanz f&#252;r die private und gesch&#228;ftliche Kommunikation kaum wahrgenommen oder gar nicht ernstgenommen wird. Teilst Du diesen Eindruck?   </p>
<p><strong>Marcus:</strong> Ja, den Eindruck teile ich. Im privaten Bereich begegnet man oft der Einstellung, seine Schuldigkeit mit der Installation eines Virenscanners oder gar einer Desktop Firewall getan zu haben. Im Business hat man daf&#252;r ja die verantwortlichen Herren Systemadministratoren. Und nat&#252;rlich den Corporate Authenticity Trust and Security Disclaimer, der automatisch unter jede ausgehende Mail geh&#228;ngt wird. </p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Der Newsdienst Heise online schrieb am 10. September 2004 im dem Artikel Abh&#246;ren f&#252;r jeden Geschmack: &#8220;Mit einer Zunahme der &#220;berwachung von E-Mails durch staatliche Stellen ist voraussichtlich ab 2005 zu rechnen.&#8221; Was ist damit gemeint und wie sorgst Du als Berater und Blogger vor?  </p>
<p><strong>Marcus:</strong> Ja, das ist eine unsch&#246;ne Geschichte. Seit dem 1. Januar sind Provider, &#252;ber deren Anlagen Mailverkehr abgewickelt wird und die eine Anzahl von mindestens 1000 Kunden betreuen, dazu verpflichtet, die Kommunikation nicht nur aufzuzeichnen, sondern auf Verlangen durch Beh&#246;rden auch weiterzuleiten bzw. auszuh&#228;ndigen. Die Kritik daran ist nat&#252;rlich gro&#223;: Zum einen werden s&#228;mtliche Kosten auf die Provider geschoben, was gerade f&#252;r kleinere Anbieter eine gewaltige finanzielle Belastung mit sich bringt. Zum anderen wird &#252;ber solche Ma&#223;nahmen der Datenschutz quasi ausgehebelt, wodurch wiederum neue M&#246;glichkeiten zum Datenmissbrauch entstehen.</p>
<p class="zitat"><strong>Diese</strong> digitale Schere kann nur &#252;ber Information und Know-how-Transfer geschlossen werden.</p>
<p>Als Blogger nutze ich M&#246;glichkeiten, dagegen zu protestieren, indem ich meine Leser dar&#252;ber informiere, wie sie sich im pers&#246;nlichen Bereich verhalten k&#246;nnen und weshalb das sinnvoll ist. Ich bin ja kein Sicherheitsexperte. Es ist nur so, dass wir es mit einer ziemlich auseinanderklaffenden Spaltung zu tun haben: Je weniger die Menschen &#252;ber ein Medium wissen, umso anf&#228;lliger sind sie f&#252;r dessen »Gefahren«. Hier zum Beispiel das Web: Es f&#228;ngt mit harmlosen Popups an, geht &#252;ber Viren, Dialer, unsichere Browser und macht eben auch vor Rechtsverdrehung oder staatlich verordneter &#220;berwachung nicht Halt. Diese digitale Schere kann nur &#252;ber Information und Know-how-Transfer geschlossen werden.</p>
<p>So entstanden dann auch als winziger Beitrag meinerseits die GPG-Anleitungen f&#252;r Mac-User mit einer F&#252;nf-Personen-Zielgruppe im Kopf: Wie erkl&#228;re ich z.B. meiner kleinen Schwester, wie sie GnuPG auf ihrem eMac zum Laufen bringt, ohne st&#228;ndig bei mir anrufen zu m&#252;ssen? Und so habe ich zudem beim Erstellen der Anleitungen wesentlich mehr &#252;ber PGP und Kryptografie gelernt als ich vorher ahnen konnte. Wissensvermittlung ist also nie umsonst!</p>
<p>Das Schlimme dabei ist, dass es ein quasi unm&#246;gliches Unterfangen ist, diese L&#252;cke schlie&#223;en zu wollen. Angst h&#228;lt die Schere sperrangelweit offen. Menschen distanzieren sich von ihrer Meinung, sofern sie &#252;berhaupt eine vertreten, damit man sie ja nicht verklagt. Oder haben pl&#246;tzlich »nichts zu verbergen« – und verstecken sich lieber hinter solchen Aussagen, als sich mit ihrer Privatsph&#228;re und neuen Technologien zu besch&#228;ftigen. </p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Welche Informationsquellen zum Thema Sicherheit favorisierst und nutzt Du? &#8211; Das Warum kann ich mir denken. ;-)  </p>
<p><strong>Marcus:</strong> Sicherheit ist nicht mein Hauptthema, daher bin ich da nicht auf bestimmte Quellen festgelegt. Die typischen Newsgroups sind eine gute Anlaufstelle. Mailinglisten und RSS-Feeds bieten sich &#252;berall da zum Abo an, wo potenzielle Sicherheitsl&#252;cken auftreten k&#246;nnen. Wer beispielsweise ein Blog, ein CMS, eine Community oder &#228;hnliches pflegt, ist also gut beraten, der Sicherheit per se einen h&#246;heren Stellenwert zuzuweisen. Und gut ist nat&#252;rlich auch, wenn man jemanden kennt, der in der Materie wirklich zuhause ist. </p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Aber Usability ist ein Hauptthema, das Du als Spezialanbieter f&#252;r Usability-Beratung mit Deiner Gesch&#228;ftspartnerin Silvana Borsutzky erfolgreich zu vermarkten verstehst. Was hast Du vor dieser Zeit gemacht und wie war Dein Weg zum Erfolg in diesem Dienstleistungsbereich. </p>
<p><strong>Marcus:</strong> Urspr&#252;nglich komme ich aus dem journalistischen und Texter-Umfeld. Das war zu Schulzeiten mein Traum: vom Schreiben toller Reportagen, Geschichten und Romane zu leben. Ich gab eine Sch&#252;lerzeitung heraus und verdiente mir in den Achtzigern mehr als ein Taschengeld mit Jahreshauptversammlungs-Berichten f&#252;r eine lokale Tageszeitung. Im Jahrzehnt darauf schrieb ich f&#252;r die Kulturredaktion der Bremer taz, arbeitete f&#252;r Radio Bremen, versuchte mich als Werbetexter und fuhr nachts Taxi.</p>
<p>Mitte der Neunziger kam ich nach Berlin, arbeitete in einer Dialogmarketing-Agentur in den Edison-H&#246;fen in Mitte und wurde dort Partner bzw. Gesellschafter. U.a. war ich f&#252;r Werbemitteltests, Nutzerbefragungen und die Textoptimierung von Mailings zust&#228;ndig. Wir arbeiteten mit 14 Mitarbeitern zu neunzig Prozent f&#252;r zwei gro&#223;e Kunden und waren im Grunde von denen abh&#228;ngig.</p>
<p>Ende der Neunziger lernte ich Silvana, die bei einem gr&#246;&#223;eren Multimedia-Dienstleister arbeitete, w&#228;hrend eines gemeinsamen Internetprojekts kennen. Wir waren &#228;hnlich unzufrieden, teilten &#228;hnliche Visionen. Und so gr&#252;ndeten wir scoreberlin als Webagentur mitten in die erb&#228;rmlich verpuffende New Economy hinein.</p>
<p>Es dauerte bis 2002, als wir uns ein Herz fassten, eine klare Strategie ausarbeiteten und uns auf die Usability-Nische festlegten. Das war gut, denn zum einen brachte ich eine Menge Erfahrung aus Nutzerbefragungen mit, zum anderen erhielten Neugr&#252;ndungen zu dieser Zeit sehr viel Aufmerksamkeit, und immer mehr Unternehmen erkannten die Notwendigkeit von benutzerorientierten Inhalten. So konnten wir uns in dieser Nische einen kleinen, feinen Namen machen. Heute binden uns &#252;ber 80 Prozent unserer Auftraggeber (marktf&#252;hrende Unternehmen, global agierende Konzerne, Agenturen, Beh&#246;rden) mehrfach in ihre Projekte ein. Und Neugesch&#228;ft machen wir zu einem gro&#223;en Teil aus Empfehlungen.</p>
<p>Mittlerweile bin ich in meinem eigenen, unabh&#228;ngigen Unternehmen fest angestellt, bekomme dreizehn Monatsgeh&#228;lter im Jahr und habe bezahlten Urlaub. Das finde ich sehr cool – denn es sah nicht immer danach aus. </p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Wie sieht Dein Alltag als Berater und Gesch&#228;ftsf&#252;hrer aus?  </p>
<p><strong>Marcus:</strong> Was macht der Usability-Berater? Wir machen, dass User eine Website oder Software ganz einfach, gerne und erfolgreich benutzen und bedienen k&#246;nnen. Ich bin sozusagen die Schnittstelle zwischen Nutzer, Anbieter und Entwickler. Alle drei Gruppen verfolgen verschiedene Absichten und Ziele (weshalb ich gegen missverst&#228;ndliche »Usability«-&#220;bersetzungen à la Benutzerfreundlichkeit, Gebrauchstauglichkeit etc. bin, das ist zu einseitig und greift viel zu kurz). Meine Aufgabe ist es, diese teilweise gegenl&#228;ufigen Ziele bestm&#246;glich unter einen Hut zu bringen. So entstand auch unser Claim als eine Art Leistungsversprechen: Wir optimieren Interaktion.</p>
<p class="zitat"><strong>Wir</strong> machen, dass User eine Website oder Software ganz einfach, gerne und erfolgreich benutzen und bedienen k&#246;nnen.</p>
<p>Mit dem Anbieter werden zun&#228;chst Ziele definiert; das kann die Gesch&#228;ftsf&#252;hrung sein (in kleineren Unternehmen), die Marketingabteilung oder die Internet-Projektleitung. Als Berater habe ich nun die Aufgabe, aus dem Werkzeugkasten das f&#252;r die Aufgabe geeignetste Werkzeug herauszuziehen. Dabei steht uns ein recht umfangreiches Set zur Verf&#252;gung; im Usability Engineering gibt es eine gro&#223;e Menge wirkungsvoller Methoden, Verfahren und Instrumente.</p>
<p>Oftmals werden zun&#228;chst grundlegende Schw&#228;chen und Probleme von mehreren Gutachtern im Rahmen der Usability-Inspektion identifiziert. Die Ergebnisse geben gen&#252;gend Aufschluss und Hinweise, um anschlie&#223;end spezifische Nutzer-Tests mit der Zielgruppe im Usability-Lab durchzuf&#252;hren. In Workshops und Seminaren mit den Entwicklern und Designern werden die daraus entstehenden Ergebnisse und Optimierungsempfehlungen er&#246;rtert und Usability wird in den Workflow integriert. Der Kreislauf, der dabei entsteht, ist das Sch&#246;ne und Spannende an meiner Arbeit: Ich habe st&#228;ndig mit den wirklich unterschiedlichsten Menschen zu tun. Das macht mir sehr viel Spa&#223;! </p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Gibt es einen besonders schwierigen Meilenstein in diesem Prozess? </p>
<p><strong>Marcus:</strong> Das Schwierigste sind in erster Linie Zeit- und Budgetvorgaben. Beide sind meistens knapp bemessen. Analysen und qualitativ hochwertige Ergebnisse ben&#246;tigen Zeit. Je mehr, desto besser. Bei den gutachtenbasierten Analysen arbeiten wir in der Regel mit drei, manchmal nur zwei Beratern. Das ist ja eine Kostenfrage, auch hier w&#228;ren mehr Gutachter nat&#252;rlich besser.</p>
<p>Bei den Nutzertests steht und f&#228;llt die Qualit&#228;t der Ergebnisse mit der Probandenauswahl, den Probanden selbst, deren Bezug zur Website oder Software und zum jeweiligen Versuchsleiter. Das ist eine echte Herausforderung, vor allem wenn eben nicht nur quantitativ statistische Daten erhoben werden.</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> &#220;ber diese Herausforderung hast Du vor kurzem den Text <a href="http://www.web-blog.net/comments/P191_0_1_0/">Usability-Tests: der authentische Nutzer</a> geschrieben und den schmalen &#8220;Grat zwischen sozialer Erw&#252;nschtheit und ungek&#252;nstelter Authentizit&#228;t&#8221; ausgelotet. Wo liegen hier kurzgefasst die wichtigsten Probleme und L&#246;sungsans&#228;tze?  </p>
<p><strong>Marcus:</strong> Hehe, kurzgefasst ;) Okay: Authentizit&#228;t ist wichtig, um echte Ergebnisse zu erhalten. Wenn man uns eine Aufgabe stellt, haben wir den Wunsch, diese Aufgabe erfolgreich zu bestehen. Man kann also einem Probanden noch so oft erz&#228;hlen, dass die Website getestet wird und nicht der Proband: Er wird sich freuen, wenn er die Aufgabe erfolgreich bew&#228;ltigt. Und er wird es nicht selten auf sich schieben, wenn er sie nicht schafft.</p>
<p>Die »soziale Erw&#252;nschtheit« tr&#228;gt dazu bei, dass Aussagen verf&#228;lscht werden. Probanden sehen sich einer (selbst verursachten) Erwartungshaltung gegen&#252;ber bzw. Erwartungen, die sie erf&#252;llen wollen. Das f&#252;hrt dann dazu, dass Aussagen gemacht werden, die dem Verhalten total widersprechen. Der User verirrt sich beispielsweise immer wieder, behauptet aber, er habe sich sehr gut zurechtgefunden. Besonders stark macht sich das bei m&#228;nnlichen Personen bemerkbar, die sich nicht eingestehen, dass sie beispielsweise &#252;berfordert sind (bzw. dies in ihrem Ego gar nicht wahrnehmen). Oder in Gruppen-Interviews, wo sich unterschiedliche Charaktere gegenseitig beeinflussen k&#246;nnen.</p>
<p>L&#246;sungsans&#228;tze beinhalten, dass eine m&#246;glichst angenehme Umgebung f&#252;r den Probanden geschaffen wird, die es ihm erm&#246;glicht, offen zu sein. Eine Umgebung, in der er sich nicht beobachtet, getestet oder gar verh&#246;rt f&#252;hlt. Dazu geh&#246;rt, den sterilen Laborcharakter soweit als m&#246;glich zu reduzieren, aber auch eine angenehme Kommunikation mit den Versuchsleitern, die Vertrauen einfl&#246;&#223;t. Und auch hier haben wir es mit der oben erw&#228;hnten Schwierigkeit der Zeitvorgaben zu tun: Zuwenig Zeit kann beteiligte Personen unter Druck setzen. Das sollte vermieden werden. </p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Gibt es eine Hitliste der Usability-S&#252;nden?  </p>
<p><strong>Marcus:</strong> Das ist eine Frage, die ich so nicht beantworten mag ;) Ich bin nicht so der Fan von Hitlisten, und ich glaube auch nicht an die Usability-S&#252;nden an sich. Letzten Endes schaue ich mir eine Website im Nutzungskontext an: Was will der Anbieter erreichen, welche Ziele wollen die User erreichen, welche Erfahrung und Fertigkeiten haben sie?</p>
<p class="zitat"><strong>Fazit:</strong> Usability ist alles andere als tot.</p>
<p>Watzlawicks »Man kann nicht nicht kommunizieren« mag dem ein oder anderen schon aus dem Hals raush&#228;ngen, aber offenbar basiert aktuell genau darauf eine gro&#223;e Vielzahl schlimmer Usability-Probleme. Keine Antwort ist auch eine Antwort. Zwischen den Zeilen wird auch gelesen. U.a. deshalb bin ich ein Verfechter von interdisziplin&#228;ren Experten-Teams. Denn erfolgreiche Texte, ansprechendes Design, intelligente Programmierung, das ist alles nicht demokratisch. Eine Website verh&#228;lt sich. Sie kommuniziert.</p>
<p>Na gut, Hitliste :) Meiner Meinung nach sind die gr&#246;&#223;ten Usability-Probleme moderner Webauftritte sehr eng miteinander verwoben:<br />
- miserable Inhalte<br />
- zusammenhangloses Design<br />
- reine Anbieter- statt Benutzerorientierung und umgekehrt<br />
- Fixierung auf Funktionalit&#228;t<br />
- fehlende Nutzerintegration, z.B. durch Befragungen oder Usability-Tests</p>
<p>Fazit: Usability ist alles andere als tot. Abseits von zweifelhaften Heuristiken, quantitativen Statistiken und hilflosen Normierungs- und Zertifizierungsversuchen werden intelligentes, benutzerorientiertes, emotionales Design und entsprechende Inhalte immer wichtiger werden. Wer das abstreitet, hat noch nie einen User im Usability-Lab verzweifeln sehen ;) </p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Ok, ganz schnell weg von den Hitlisten und hin zur Barrierefreiheit, ein Trend im Webdesign, wie ich meine. Hat sie das Zeug, die Interaktion zu optimieren und integriert Ihr sie in Euer Beratungskonzept, wenn ja, wie?</p>
<p><strong>Marcus:</strong> Unsere BF-Projekte sind in erster Linie Berater- oder Workshop-Projekte, die auf der BITV basieren. Rein faktisch sind sie ziemlich klar von Usability-Projekten getrennt. Integriert h&#246;chstens im philosophischen Sinne, da Usability und Accessibility eng verwandt miteinander sind bzw. Usability die Zug&#228;nglichkeit voraussetzt. Eine barrierearme Website an sich ist allerdings nicht zwangsl&#228;ufig auch benutzerfreundlich. Mir pers&#246;nlich fehlt auch in all diesen barrierearmen Sites das Design, das Emotionale, der Spa&#223;.</p>
<p>Ganz allgemein denke ich, dass die Bewegung zu mehr Web-Standards-Treue und damit auch Barrierefreiheit der Usability gut tut bzw. Nutzern wie Anbietern Vorteile bringt. Das f&#228;ngt bei den Suchergebnissen an, geht &#252;ber Ladezeiten, Bedienbarkeit und Verst&#228;ndlichkeit und h&#246;rt mit langfristig niedrigeren Kosten sicher nicht auf. </p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Thema Weblogs: Werden sie die Unternehmenskommunikation verbessern?</p>
<p><strong>Marcus:</strong> Sie haben in jedem Fall das Potenzial dazu, wenn sie aktuell sind, authentisch und nah am Leser geschrieben werden. Als reines PR-Bonbon im Kommunikationsmix halte ich den Einsatz von Weblogs f&#252;r verfehlt. Das w&#228;re derzeit wahrscheinlich auch fatal. Und intern sind Weblogs auch prima geeignet, um Projekte und Mitarbeiter nicht nur im Konfi zusammen zu bringen. </p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Was tust du und wer bist du, wenn Du nicht am Rechner sitzt oder Kunden bedienst?  </p>
<p><strong>Marcus:</strong> Ich lese sehr gerne! Seit meiner Kindheit gelte ich als Leseratte. Allerdings ist heute mein Literaturkonsum nicht mehr so hoch wie fr&#252;her. Und da ich schon seit Jahren sehr gl&#252;cklich verheiratet bin, genie&#223;e ich den Gro&#223;teil meiner Freizeit mit meiner Frau, zum Beispiel im Berliner Umland auf ausgiebigen Spazierg&#228;ngen oder als wolkentauchender Freefly-Skydiver &#252;ber Brandenburgs Seen.</p>
<p>Neben diesen Leidenschaften habe ich auch noch Hobbys: zum Beispiel meine K&#252;che und das Kochen f&#252;r mich, meine Freunde und die Familie. Dank koreanischer Herkunft bin ich gl&#252;cklicherweise mit einer Unmenge asiatischer Kochrezepte gro&#223;geworden. Und nat&#252;rlich die Technik. Ich danke heute noch Steve Jobs daf&#252;r, dass meine Frau seinen Produkten schon vor Ewigkeiten so sehr verfallen ist, dass es nur noch eine Frage der Zeit war, bis ich ebenfalls zum Mac-User wurde. Ja, und als Digital-Video-Fan bin ich ein gro&#223;er Fan von StopMotion-Filmerei. Wenn ich mal einen einigerma&#223;en sehenswerten Clip zustande bekomme, stelle ich ihn nat&#252;rlich in mein Blog ;)</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Vielen Dank f&#252;r das Interview. Nun hast Du das letzte Wort. Fehlte ein Thema, liegt Dir etwas besonders am Herzen oder hast Du gar eine Antwort auf die Frage aller Fragen? ;-)   </p>
<p><strong>Marcus:</strong> Ich danke dir, Ralph! Die Frage aller Fragen hatte Alp ja schon beantwortet. Das hat Einstein dazu gesagt. Ist also wahr: »Falls Gott die Welt geschaffen hat, war seine Hauptsorge sicher nicht, sie so zu machen, dass wir sie verstehen k&#246;nnen.«</p>
<p>Und Douglas Adams f&#252;gte hinzu: »Es gibt eine Theorie, die besagt, wenn jemals irgendwer genau herausfindet, wozu das Universum da ist und warum es da ist, dann verschwindet es auf der Stelle und wird durch noch etwas Bizarreres und Unbegreiflicheres ersetzt. Es gibt eine andere Theorie, nach der das schon passiert ist.«</p>
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		<title>Auf der Suche nach dem besten Tool</title>
		<link>http://krit.de/auf-der-suche-nach-dem-besten-tool/</link>
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		<pubDate>Mon, 21 Feb 2005 14:04:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Krit</dc:creator>
				<category><![CDATA[Manuela Hoffmann]]></category>

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		<description><![CDATA[<p class="subtext">Manuela Hoffmann aus Berlin ist freiberufliche Mediengestalterin. Auf ihrer Website <a href="http://www.pixelgraphix.de/">pixelgraphix</a> bietet sie hilfreiche Artikel rund um das Webworking, stellt zahlreiche Links vor, bloggt Texte und Fotos, verschenkt ein Iconset f&#252;r Weblogs und unterst&#252;tzt tatkr&#228;ftig den Browserliebling Firefox.</p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="subtext">Manuela Hoffmann aus Berlin ist freiberufliche Mediengestalterin. Auf ihrer Website <a href="http://www.pixelgraphix.de/">pixelgraphix</a> bietet sie hilfreiche Artikel rund um das Webworking, stellt zahlreiche Links vor, bloggt Texte und Fotos, verschenkt ein Iconset f&#252;r Weblogs und unterst&#252;tzt tatkr&#228;ftig den Browserliebling Firefox.</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Wie und wann hast Du das Bloggen entdeckt und was hat Dich motiviert, ein Weblog aufzumachen?</p>
<p><strong>Manuela:</strong> Bis 2002 habe ich statische Webseiten erstellt und mich immer wieder ge&#228;rgert, dass ich bei umfassenden &#196;nderungen an meinen Webseiten regelm&#228;&#223;ig Tabellen zerschossen habe. Also begann ich verschiedene Content Management und Weblog Systeme auszuprobieren. Ich fand Gefallen an nucleus und sp&#228;ter pMachine. Im Vordergrund meines Interesses stand also in erster Linie die Technik, Informationen dynamisch ins Netz stellen zu k&#246;nnen. Auf meinen Streifz&#252;gen durch das Netz auf der Suche nach dem besten Tool oder der coolsten Erweiterung erwachte dann auch mein Interesse am Bloggen an sich. So startete ich surfgarden und schrieb auf, was mir im Netz so Interessantes unter die Maus kam. &#220;ber die positive Resonanz war ich sehr erstaunt und nat&#252;rlich erfreut.</p>
<p>Hat man einmal Gefallen am systembasierten Publizieren gefunden, mag man nicht mehr ohne. Und so stellte ich Ende 2003 auch meine langj&#228;hrige Pr&#228;senz auf pixelgraphix auf Weblog um.</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Aktuell favorisierst Du Movable Type. Warum?  </p>
<p><strong>Manuela:</strong> Einige meiner absoluten Favoriten wie stopdesign, simplebits, airbag oder hicksdesign verwendeten bzw. verwenden Movable Type. Im ersten Test erschien mir das MT Interface sehr ausgereift und &#252;bersichtlich. Die Featureliste konnte sich sehen lassen und Tipps, Tricks und Plugins gab es auch jede Menge. Die M&#246;glichkeit, statische Seiten erstellen zu lassen fand ich sehr sch&#246;n, denn ich war von meinem damaligen Provider nicht verw&#246;hnt worden, was die Stabilit&#228;t der MySQL-Unterst&#252;tzung anging. Da ich nicht alle paar Monate ein neues System installieren wollte, beschloss ich erst mal, bei MT zu bleiben.</p>
<p>Nach anderthalb Jahren intensiver Besch&#228;ftigung mit der Software kenne ich sie recht gut und komme schnell zum gew&#252;nschten Ergebnis. Ich pers&#246;nlich finde MT unheimlich adaptierbar und gut dokumentiert. Auch Updates verliefen immer ohne gr&#246;&#223;ere Probleme, was ich sehr wichtig finde. Nat&#252;rlich gibt es immer auch Probleme und ich habe auch einen Wunschzettel f&#252;r 6A, aber im Gro&#223;en und Ganzen bin ich so zufrieden, dass ich auch schon Kunden mit MT versorgt habe.</p>
<p>Momentan fehlt es mir leider an Zeit und Ausdauer, tiefer in die Geheimnisse von Textpattern, WordPress und Co. einzusteigen. </p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Seit 1999 arbeitest Du freiberuflich. Wie fing das an? War es geplant? </p>
<p><strong>Manuela:</strong> Geplant hatte ich etwas ganz anderes, n&#228;mlich als Lehrerin f&#252;r Englisch und Erdkunde in Berliner Schulen mein Unwesen zu treiben. Aber dann kam alles ganz anders: W&#228;hrend meines Studiums arbeitete ich nebenbei als studentische Hilfskraft. In dieser Zeit machte ich meine erste Bekanntschaft mit dem Internet. Damals zu reinen Recherchezwecken. Als die Bitte, eine Homepage zu erstellen, an mich herangetragen wurde, begann ich mir das n&#246;tige Wissen &#252;ber verschiedene Suchmaschinen zusammenzutragen und fand schnell Gefallen daran.</p>
<p>Grafisch hatte ich mich eigentlich schon immer bet&#228;tigt, meine Kreationen jedoch eher f&#252;r mich behalten ;-). Auf meiner ersten eigenen Homepage bot ich Banner- und Logodesign dann kostenlos an und fand auch Interessenten. In dieser Zeit sprach mich dann die erste Agentur auf eine Zusammenarbeit im Bereich Grafikdesign an. &#220;ber die Jahre hat sich daraus eine kontinuierliche und wohltuende Zusammenarbeit entwickelt. Als ich mein Staatsexamen in der Tasche hatte, stellte sich die Frage nach dem Schulbetrieb gar nicht mehr und ich habe den Schritt in die Selbst&#228;ndigkeit bis heute nicht bereut. </p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Was hat sich f&#252;r Dich am freiberuflichen Leben ge&#228;ndert im Verlauf der 6 Jahre? Als Stichw&#246;rter zur Frage fallen mir Konkurrenzdruck, ver&#228;nderte berufliche Anforderungen, Kundengewinnung, Arbeitsstil ein.   </p>
<p><strong>Manuela:</strong> Als ich anfing, kannte ich praktisch keine Zeiten. Ich habe solange an einem Auftrag gearbeitet, bis ich selbst 100 Prozent zufrieden war und meinen eigenen Geschmack getroffen hatte. Umso entt&#228;uschter war ich dann auch, wenn mein Vorschlag beim Kunden keinen Gefallen fand. Im Laufe der Zeit habe ich mir angew&#246;hnt, die Produktionszeit im Auge zu behalten und auch gezielt Pausen einzulegen bzw. den Computer zu einem bestimmten Zeitpunkt auszuschalten. Ich habe gelernt, meine Arbeiten aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und auf Kundenw&#252;nsche besser einzugehen. Sehr geholfen hat mir die r&#228;umliche Abgrenzung &#8220;zur Arbeit&#8221; in einem Arbeitszimmer. Wenn man freiberuflich arbeitet, ist man f&#252;r die Organisation der Arbeit und der B&#252;rokratie immer selbst verantwortlich, was sehr anstrengend sein kann.</p>
<p class="zitat"><strong>Ich</strong> habe gelernt, meine Arbeiten aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten</p>
<p>Da die Konkurrenz bekanntlich nie schl&#228;ft und es viele Anbieter von Grafikdesign im unteren Preisegment gibt, die offenbar keine eigene Existenz unterhalten m&#252;ssen, konzertiere ich mich verst&#228;rkt auf den Bereich Webdesign und hier v.a. das CSS-basierte. Meine Wege der Kundenakquise mag ich nicht so frei preisgeben, muss aber sagen, dass mein Weblog in der letzten Zeit recht hilfreich ist ;-). </p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Womit wir nun &#252;ber den Begriff CSS beim Thema Webstandards angelangt sind, die Dir ein gro&#223;es Anliegen sind. Siehst Du Dich im Hinblick auf die Erstellung von Websites in der Minderheit unter den Webdesign-Anbietern? Mit welchen Argumenten versuchst Du potentielle Kunden zu &#252;berzeugen?  </p>
<p><strong>Manuela:</strong> Aktuell ist Webdesign, das sich nach Standards richtet, in Deutschland v.a. bei kleinen und mittelst&#228;ndischen Betrieben nicht die Regel. Was meine t&#228;gliche Arbeit angeht, muss ich sagen, dass vielen Kunden die Begrifflichkeiten z.B. auch aus aktuellen Print-Magazinen durchaus gel&#228;ufig sind, die praktische Seite h&#228;ufig jedoch nicht voll erfasst wird. Einige Kunden haben auch ganz praktische nachvollziehbare Probleme, da sie ihre Seiten selbst mit einen Webeditor bearbeiten und sich an das Tabellendesign gew&#246;hnt haben. Sie m&#246;chten sich ungern &#8220;um&#8221;gew&#246;hnen und erleben h&#228;ufig einen Aha-Effekt, wenn ihnen praktisch vorgef&#252;hrt wird, wie einfach es z.B. ist, eine Auflistung in CSS zu gestalten wenn man es vorher gewohnt war, mit Listenbildchen in Tabellen zu arbeiten.</p>
<p>Leider fruchten Argumente wie die bessere Benutzerfreundlichkeit von Standards-basierten Seiten z.B. durch Farb- und Schriftgr&#246;ssenver&#228;nderung h&#228;ufig seltener als das Argument, des schnelleren Ladens der Seite &#8230; Das finde ich schade.</p>
<p>Ich schicke interessierte Kunden gern auf meine Sammlung unter <a href="http://www.pixelgraphix.de/csshilfe">CSSHilfe</a> oder sende ihnen <a href="http://www.hessendscher.de/benefits/">spezifische Artikel</a>, aus denen die Vorteile der Verwendung von Web Standards klar hervorgehen. </p>
<p class="zitat"><strong>Meist</strong> ist es die Faszination f&#252;r eine Sache verbunden mit einer ganzen Menge Spieltrieb</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Neben der CSSHilfe betreibst Du eine Reihe weiterer freie Projekte und in ihnen steckt viel Arbeit. Was motiviert Dich, was treibt Dich an?</p>
<p><strong>Manuela:</strong> Das ist eine sehr gute Frage, die meine Familie auch gern beantwortet wissen m&#246;chte ;-). Meist ist es die Faszination f&#252;r eine Sache verbunden mit einer ganzen Menge Spieltrieb. Ich finde es nicht schwer, neue Projekte aus dem Boden zu stampfen, da habe ich eine ganze Menge Ideen. Die wirkliche Herausforderung ist es, die Projekte am Laufen zu halten. Die meisten meiner Projekte erlauben Kommentare. So bekomme ich Feedback und allein das Wissen um eine stete Leserschaft ist eine sch&#246;ne Motivation. Andererseits hatte ich z.B. gerade bei Firefox das Gef&#252;hl, ein wirklich wichtiges Thema unterst&#252;tzen zu k&#246;nnen. Das geht Dir sicher &#228;hnlich. In Deiner hervorragenden Firefox-Anleitung steckt viel Liebe und Arbeit.</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Danke :-) &#8211; Zu Deinem Spieltrieb passt prima Deine Freude an Flickr, oder? Es ist ja unschwer zu &#252;bersehen, dass Du Fan bist. ;-) Was fasziniert Dich an diesem Foto-Community-Projekt? </p>
<p><strong>Manuela:</strong> Ertappt w&#252;rde ich sagen ;-). Ich habe Flickr relativ sp&#228;t entdeckt und dann hat es mich voll erwischt. Ich selbst habe schon verschiedene Online Foto Galerien mit den unterschiedlichsten Mitteln gestaltet und immer die eine oder andere Unzul&#228;nglichkeit entdeckt, die ich mangels Programmierkenntnissen nicht &#252;berbr&#252;cken konnte. Mit meiner Fotodatenbank (derzeit leider offline) bin ich schon ganz zufrieden, was die Automatisierung des Hochladens und Taggens von Bildern angeht. Das alles verblasst im Vergleich zu den M&#246;glichkeiten, die Flickr bietet. Verschiedene Uploadm&#246;glichkeiten f&#252;r verschiedene Betriebssysteme machen das Hochladen eines Bildes &#8211; in gleich mehreren Aufl&#246;sungen &#8211; zum Vergn&#252;gen.</p>
<p>Und das Hochladen ist nur ein ganz kleiner Bestandteil der vielen Features, die Flickr wie selbstverst&#228;ndlich anbietet: RSS-Feeds, Blogposts, Favoriten, Kommentare (ohne Spam), Foren, &#8230;</p>
<p>Und wer sich f&#252;r die technische Seite nicht interessiert, kann auf Flickr Bilder aus der ganzen Welt bewundern und besprechen ohne von Technik &#252;berfordert zu werden &#8230; Was Ludicorp da geleistet hat, finde ich wirklich bewundernswert.</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Fallen Dir grad ein paar Fotos oder Ideen ein, die dich aktuell auf Flickr besonders faszinieren?  </p>
<p><strong>Manuela:</strong> Fotos mit dem Tag &#8220;onwhite&#8221; zum Beispiel, weil ich das auch schon immer mal ausprobieren wollte. Fotos mit dem Tag Driftwood habe ich als RSS-Feed abonniert um mein Fernweh zu stillen ;-).</p>
<p>Na ja, und meine Favoriten, die ich mir wirklich h&#228;ufig anschaue, weil es unglaublich gute Bilder sind. </p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Was tust du und wer bist du, wenn Du nicht am Rechner sitzt oder Kunden bedienst?</p>
<p><strong>Manuela:</strong> Dann bin ich stolze Mama meiner 2,5 j&#228;hrigen Tochter, die mein Leben komplett auf den Kopf gestellt hat und mich Dinge tun, sagen und f&#252;hlen l&#228;sst, die ich mir nie h&#228;tte vorstellen k&#246;nnen. Ich bin gern in Berlin, noch viel lieber an der Ostsee mit meiner Kamera auf Bilderfang &#8211; obwohl das zwangsl&#228;ufig auch wieder an den Rechner f&#252;hrt ;-) &#8230; </p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Vielen Dank f&#252;r das sch&#246;ne Interview. Nun hast Du das letzte Wort. Fehlte ein Thema, liegt Dir etwas besonders am Herzen oder hast Du gar eine Antwort auf die Frage aller Fragen? ;-)   </p>
<p><strong>Manuela:</strong> <a href="http://rainer-maria-rilke.de/020015daslebenverstehen.html">Du musst das Leben nicht verstehen,<br />
dann wird es werden wie ein Fest.</a></p>
<p>Ich danke Dir f&#252;r das Interview, Ralph!</p>
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		<title>&#8220;Uckanized&#8221;</title>
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		<pubDate>Tue, 01 Feb 2005 15:14:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Krit</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alp Uckan]]></category>

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		<description><![CDATA[<p class="subtext">Alp Uçkan aus K&#246;ln ist freiberuflicher Webdesigner und System-Administrator. Auf seiner Website <a href="http://uckan.info/">uckan.info</a>, die zugleich ein Weblog ist, besch&#228;ftigt Alp sich fundiert mit Themen wie Open Source, Sicherheit im Internet, Accessibility und Grundlagen des Internets f&#252;r Einsteiger. Zwischendrin kommentiert er kritisch Ereignisse im Internet und die Weblog-Szene.</p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="subtext">Alp Uçkan aus K&#246;ln ist freiberuflicher Webdesigner und System-Administrator. Auf seiner Website <a href="http://uckan.info/">uckan.info</a>, die zugleich ein Weblog ist, besch&#228;ftigt Alp sich fundiert mit Themen wie Open Source, Sicherheit im Internet, Accessibility und Grundlagen des Internets f&#252;r Einsteiger. Zwischendrin kommentiert er kritisch Ereignisse im Internet und die Weblog-Szene.</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Da ich Deine Themen und Dein Schreiben im Web auch erst so richtig durch Dein Bloggen kennengelernt habe, fange ich wieder mit einer meiner Standardfragen an: Wie und wann hast Du das Bloggen entdeckt und was hat Dich angetrieben, ein Weblog aufzumachen?  </p>
<p><strong>Alp:</strong> Vorher (1999) habe ich ja gew&#246;hnliche statische Webseiten gemacht. Da habe ich schon &#8220;News&#8221; auf der Startseite von superbrain.de gehabt und interessante (Usability-bezogene) Links gesammelt. Der &#220;bergang zum Bloggen (im technischen Sinne) war flie&#223;end. Anfang 2002 wurden die News auf der Startseite dann durch ein einfaches Weblog-Tool (phposxom) ersetzt. Das Skript wurde dann von mir nach und nach um ein Kommentarskript, Timo Gnambs Trackback-L&#246;sung, Markus Kniebes Editor mit eingebautem weblogs.com-Ping und einen RSS-Feed (mit Hilfe von RSSify) erweitert. Und irgendwann wurde diese Frickel-L&#246;sung dann durch &#8220;richtige&#8221; Weblog-Systeme ersetzt.</p>
<p>Der Antrieb war damals einfach, dass es wenige deutschsprachige Usability-Sites gab. Die vorhandenen haben alle unreflektiert nach der Schnauze der Usability-Gurus gelabert. Da musste ich einfach opponieren ;-) </p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Dass Du gut opponieren kannst, kann der interessierte Leser in Deinem Weblog nachlesen. ;-) Hat denn das Opponieren in dem Fall etwas gen&#252;tzt? </p>
<p><strong>Alp:</strong> Bis auf ein paar Lesermails gab es damals nicht soviel Feedback. Aber es gab eine hohe Nachfrage nach meinen damals kostenlos angebotenen heuristischen Website-Analysen. Und <a href="http://www.web-blog.net/comments/P35_0_1_0/">Marcus V&#246;lkel schrieb mal</a>, dass wohl einige im Laufe der Zeit &#8220;uckanized&#8221; worden sind ;-) Das ist f&#252;r mich Nutzen genug.</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Usability ist ja &#228;hnlich wie Barrierefreiheit zum Marketing-Stempel mutiert, den man sich mit gro&#223;en Worten auf die Website dr&#252;ckt. Wie trennt man heute die Spreu vom Weizen? </p>
<p><strong>Alp:</strong> Da sagst du was. Deshalb habe ich mich im Laufe der Zeit auch immer mehr von diesem Thema ab- und mich anderen, neuen Themen zugewendet. Einen guten Usabilitologen erkennst du an seinen Arbeiten. Guck auf das, was sie fabrizieren, nicht auf das, was sie sagen. </p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Ein weiteres Thema, mit dem du Dich intensiv besch&#228;ftigst, hei&#223;t Wissensvermittlung. Warum und was gibt es her?  </p>
<p><strong>Alp:</strong> Ich habe schon im fr&#252;hen Alter (ca. ab dem 15ten Lebensjahr) gro&#223;es Interesse f&#252;r Psychologie, Lernen und die hirngerechte <a href="http://uckan.info/texte/wissensvermittlung.php">Wissensvermittlung</a> gezeigt. Ich h&#246;rte von &#8220;Superlearning-Sessions&#8221; (auch Suggestop&#228;die genannt), bei denen &#252;berdurchschnittliche Lernerfolge erzielt wurden. Mit meinem ersten Projekt (superbrain.de) wollte ich diese Erkenntnisse auf die Wissenvermittlung im Netz anwenden und kam dann dar&#252;ber zu Themen der &#8220;Human-Computer-Interaction&#8221;.</p>
<p>Ausserdem habe ich viel praktische Erfahrung als &#8220;Wissenvermittler&#8221; gesammelt. Mit 14 trainierte ich eine 40-k&#246;pfige Truppe in der Teakwon-Do-AG unseres Gymnasiums. Mein (abgebrochenes) Wirtschaftsinformatikstudium habe ich teilweise mit Nachhilfe in Mathematik und Erwachsenenbildung (EDV) in verschiedenen Nachhilfe-Organisationen in K&#246;ln und Umland finanziert. Und ich war darin gut. Trotz Geld-zur&#252;ck-Garantie bei nichtbestandener Pr&#252;fung habe ich bei insgesamt 50 Sch&#252;lern &#252;ber 2,5 Jahren nur einen Fall gehabt, wo die Sch&#252;lerin ihre Pr&#252;fung nicht bestanden hat, was aber mehr an ihrem famili&#228;ren Umfeld lag.</p>
<p class="zitat"><strong>Wissensvermittlung</strong> ist ein Dauerthema f&#252;r mich und ich bin starker Verfechter des &#8220;Lebenslangen Lernens&#8221;</p>
<p>Und auch heute profitiere ich von dieser Erfahrung, wenn ich z.B. Anleitungen schreibe, oder DAUs einweise (z.b. bei Support-T&#228;tigkeiten in Firmen).</p>
<p>Wissensvermittlung ist ein Dauerthema f&#252;r mich und ich bin starker Verfechter des &#8220;Lebenslangen Lernens&#8221;. </p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Du pflegst eine Linksammlung &#252;ber <a href="http://uckan.info/portal/">Human-Computer-Interaction</a> (HCI). Was meint der Begriff? Und naiv gefragt, baut man damit auch bessere Websites?  </p>
<p><strong>Alp:</strong> Ok, ich denke niemand will hier jetzt die allgemeine Definition von HCI h&#246;ren. Die kann man ja &#252;berall nachschlagen. F&#252;r mich ist es eine Betrachtungsweise auf das &#8220;Gesamtsystem&#8221; Mensch und Maschine. Als &#8220;Geek&#8221; betrachtet man nur die Maschine oder die Software. Man findet dabei Gefallen oder Begeisterung an der Funktionsweise an sich. Kommt aber der Mensch mit ins Spiel, ver&#228;ndert sich alles. Dann &#8220;funktionieren&#8221; Dinge auf einmal nur, wenn sich zwischen der Arbeitsweise der Maschine und der des menschlichen Gehirns Schnittmengen bilden. Diese feine Schnittmenge zu finden ist die ganze &#8220;Kunst&#8221; in der HCI-Lehre.</p>
<p>Da Websites auch nur eine Art Benutzeroberfl&#228;che f&#252;r die dahinterliegenden Informationen und Funktionen eines Systems sind, w&#252;rde ich &#8211; ganz naiv &#8211; sagen: Ja, damit kann man bessere Websites bauen. Vielleicht nicht perfekte, aber bessere ;-) </p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Auf Deiner Site widmest Du Dich verschiedenen Einsteigerthemen. Was sind die aktuellsten (oder welche sind Dir am wichtigsten), wie kommen sie an und was motiviert Dich, sie anzubieten? Ich weiss ja aus eigener Erfahrung, dass Anleitungen recht viel Arbeit machen, und manchmal das Feedback mehr als der Text selbst. </p>
<p><strong>Alp:</strong> Ich behandle Einsteigerthemen, die mir pers&#246;nlich wichtig sind. Wenn ich z.B. m&#246;chte, dass die Leute den MS Internet Explorer in die Tonne kloppen (und das ja auch immer wieder lautstark in meinem Weblog propagiere), dann muss ich auch die Hilfe dazu liefern. Wenn man so etwas n&#228;mlich &#8220;verlangt&#8221; und der Laie das liest, k&#246;nnen Frustgef&#252;hle entstehen (&#8220;Ja toll ihr Angeber, ihr k&#246;nnt das ja auch. Aber wie soll ich&#8230;?&#8221;)</p>
<p>Das aktuellste Thema, wo auch am meisten Aufkl&#228;rungsbedarf herrscht, ist &#8220;Sicherheit&#8221; im Netz und auf einfacher Anwenderebene. Hier k&#246;nnen solche Anleitungen ma&#223;geblich dabei helfen, die 2-Teilung der Netzbewohner zu verwischen. Da gibt es n&#228;mlich die &#8220;Opfer&#8221;, deren Rechner st&#228;ndig verseucht sind, deren Daten immer mehr ausgesp&#228;ht werden und deren Rechner f&#252;r Missetaten gekiddnapt werden (ohne, dass sie es meist wissen) und die, die sich immernoch einigerma&#223;en sicher durchs Netz bewegen k&#246;nnen.</p>
<p>Aber man muss klein anfangen. Erst der richtige Browser, dann das richtige Emailprogramm, dann die Verschl&#252;sselung &#8230; und irgendwann hoffentlich das richtige Betriebssystem. Der Zweck ist die Sensibilisierung.</p>
<p>Das Feedback auf solche Anleitungen war bisher durchweg positiv und ich werde damit weitermachen, wann immer es meine Zeit erlaubt.</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Beim Stichwort Zeit f&#228;llt mir Deine Freiberuflichkeit ein. Was sch&#228;tzt Du an ihr und was nicht?   </p>
<p><strong>Alp:</strong> Wie die meisten Freiberufler sch&#228;tze ich, dass ich meine Zeit frei einteilen kann. Und dass ich mein eigener Chef bin. Ich bin erst seit Mitte 2001 richtig selbstst&#228;ndig und habe mich vorher &#8211; wie viele &#8211; in verschiedenen Firmen als Admin oder Datenbankentwickler verheizen lassen. Was ich am wenigsten ertragen konnte war, f&#252;r die Fehler meiner gr&#246;&#223;tenteils unf&#228;higen Vorgesetzten einstehen zu m&#252;ssen. Wenn ich jetzt nur f&#252;r meine Fehler bezahlen muss, kann ich damit leben und sogar daraus lernen.</p>
<p>Was mir daran nicht so gef&#228;llt &#8230; die Steuererkl&#228;rungen ;-) </p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> H&#246;r mir auf mit Steuererkl&#228;rungen! ;-) &#8211; Spannender: Wie gewinnst Du Kunden? Hilft Dir Dein Weblog eigentlich dabei, zum Beispiel weil potentielle Kunden Dich &#252;ber bei Google verlinkte Artikel entdecken? </p>
<p><strong>Alp:</strong> Das Weblog selbst bringt erst seit 2 Jahren Kunden. Und auch nur 1-2 St&#252;ck pro Jahr. Erst vorgestern hat sogar ein Ingenieurb&#252;ro Jabber nach meiner Anleitung installiert und mich einfach angequatscht (auch daf&#252;r lohnen sich manchmal Anleitungen, um die obige Frage zu vervollst&#228;ndigen).</p>
<p>Ich gebe aber ehrlich zu, dass ich nicht &#246;ffentlich die Details meiner Aquisemethoden verraten m&#246;chte ;-) Den gr&#246;&#223;ten Teil aquiriere ich immernoch aus meinem Umfeld, aus der Hunde-Szene und aus fr&#252;heren Gesch&#228;ftsbeziehungen.</p>
<p>Wichtig ist auf jedenfall, mit den Menschen in Kontakt zu kommen und zu bleiben. Ob auf (offline-)Parties  / Veranstaltungen oder in Online-Communities, die man aufbaut &#8230; man muss zuh&#246;ren und herausfinden, wie man jemandem helfen kann. Am Anfang braucht man viel Geduld und es war zeitweise auch recht hart f&#252;r mich. Aber irgendwann l&#228;uft das R&#228;dchen fast von allein. </p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Mist, ich dachte, ich k&#246;nnte noch ein paar Akquise-Tipps mit in die Nacht nehmen. ;-) Aber Sp&#228;ssken beiseite, ich hoffe, ich darf jetzt kurz vor Torschluss noch zum privaten Alp &#252;berleiten. Ich weiss, Du magst Tantuni hei&#223; und innig und bist ein Freund von Windhunden. Was tust du und wer bist du, wenn Du nicht am Rechner sitzt oder Kunden bedienst?</p>
<p><strong>Alp:</strong> Leute besuchen, mit Freunden abh&#228;ngen, manchmal mit ihnen per Playstation oder Gamecube abdaddeln &#8230; mit Diva im Wald rumlaufen (naja, nicht wirklich &#8230; sie schafft immerhin 50-60 km/h), ihr ein paar Tricks beibringen, Versuchskaninchen f&#252;r die asiatischen Kochk&#252;nste meiner Freundin spielen ;-)</p>
<p>Ich gehe gerne einmal im Monat in den Weinshop, neue Sp&#228;tburgunder ausprobieren. Fotografieren lernen (mit meiner neuen Sony Cybershot DSC F828) &#8230; oder einfach nur Abends einen guten Film genie&#223;en. </p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Danke f&#252;r das Interview (Du antwortest wahrlich schnell :-) Nun hast Du das letzte Wort. Fehlte ein Thema, liegt Dir etwas auf dem Herzen oder hast Du gar eine Antwort auf die Frage aller Fragen? ;-) </p>
<p><strong>Alp:</strong> Der Sinn des Lebens ist das Leben selbst &#8230; achja und: 42 ;-) &#8211; Ich danke ebenfalls f&#252;r das Interview.</p>
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		<title>&#8220;Zwischen Feinripp und Sp&#252;li&#8221;</title>
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		<comments>http://krit.de/zwischen-feinripp-und-spueli/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 28 Jan 2005 18:01:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Krit</dc:creator>
				<category><![CDATA[Onno K. Gent]]></category>

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		<description><![CDATA[<p class="subtext">Onnos Weblog <a href="http://www.jassesnee.de/blog/">filapper</a> existiert seit Januar 2004. Onno berichtet - oft auch gerne mit eigenen Fotos - &#252;ber das Naturgeschehen und Leben an der K&#252;ste Ostfrieslands und hat ab und zu auch seine Meinung und Links zu politischen und netzpolitischen Themen. Onno habe ich &#252;ber die Bloggerei kennengelernt. Und er hatte Verena und mich im Mai 2004 zu einer Wattwanderung nach Norderney eingeladen, die sehr sch&#246;n war.</p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="subtext">Onnos Weblog <a href="http://www.jassesnee.de/blog/">filapper</a> existiert seit Januar 2004. Onno berichtet &#8211; oft auch gerne mit eigenen Fotos &#8211; &#252;ber das Naturgeschehen und Leben an der K&#252;ste Ostfrieslands und hat ab und zu auch seine Meinung und Links zu politischen und netzpolitischen Themen. Onno habe ich &#252;ber die Bloggerei kennengelernt. Und er hatte Verena und mich im Mai 2004 zu einer Wattwanderung nach Norderney eingeladen, die sehr sch&#246;n war.</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Wie hast Du das Bloggen entdeckt und was hat Dich angetrieben, ein eigenes Weblog aufzumachen?   </p>
<p><strong>Onno:</strong> Angefangen hat das im Grunde mit dem Gedanken, Photos &#252;ber das Internet &#8220;teilen&#8221; zu k&#246;nnen. Dadurch ist jassesnee entstanden, ein paar statische Seiten, ein paar Bilder und zugleich eine Spielwiese f&#252;r Code&#252;bungen. Der Name der Domain ergab sich &#252;brigens spontan beim Suchen nach einer freien Domain; dies probiert &#8211; wech, jenes probiert &#8211; wech. &#8220;Jassesnee, alle Domains schon weg?&#8221; ;-)</p>
<p>Der Antrieb wuchs, nachdem ich im Sommer 03 Grey Expectations von Noah Grey sah, der dort t&#228;glich ein Photo ins Netz stellt. Aber was hei&#223;t schon wachsen, &#8216;irgendetwas wuchs&#8217; m&#252;&#223;te ich sagen, denn es dauerte noch bis zum Herbst, bis ich &#252;berhaupt einigerma&#223;en wu&#223;te, was die Bezeichnung &#8220;Weblog&#8221; bedeutet. Nachdem ich etwas dar&#252;ber gelernt hatte, war ich zunehmend fasziniert von den M&#246;glichkeiten eines Weblogs. Bilder einstellen, subjektiv und ohne zertifizierte Kontrolle irgendeinen Schmarrn erz&#228;hlen ;-), Links wiederfinden die einem wichtig sind und das Ganze auch noch mit der M&#246;glichkeit, Kommentare zu hinterlassen. Der Unterschied zu statischen Seiten weckte bei mir das Herz und die Seele &#8211; lebendig eben, und dies ist f&#252;r mich heute noch genauso faszinierend an der Bloggerei.</p>
<p>Ach ja, Dein altes silog spielte auch irgendeine Rolle! :-) </p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Und was bedeutet der Name Deines Weblogs: filapper? </p>
<p><strong>Onno:</strong> filapper ist der plattdeutsche Ausdruck f&#252;r den Schmetterling (frz.: phalène &#8211; Nachtfalter). Ich liebe dieses Wort schon lange, es hat eine wunderbare Melodie, zudem schien mir die Metamorphose des filappers im &#252;bertragenen Sinn sehr geeignet f&#252;r mein Weblog. Wandlung und gaukelnder Flug, Ziele und Inhalte nicht zielstrebig und keinem Korsett unterworfen, dann kann ich mit Lust &#8220;Funblogger&#8221; sein.</p>
<p class="zitat"><strong>Dar&#252;ber</strong>, wie ich zu meinen Inhalten komme, habe ich mir noch gar keine gro&#223;en Gedanken gemacht.</p>
<p>filapper &#252;brigens deshalb immer kleingeschrieben, weil es einfach sch&#246;ner aussieht. Test: Filapper. Siehst Du?! Sieht viel strenger und krawattenm&#228;&#223;ig aus! </p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Ich wollte filapper in meinem Einleitungstext erst gro&#223; schreiben. ;-) Nun, dann hatte ich ja den richtigen Riecher, und den Respekt, weil ich mir dachte, dass Du die Kleinschreibung bewusst so gew&#228;hlt hast. -<br />
&#8220;Ziele und Inhalte nicht zielstrebig&#8221;, schreibst Du. Wie kommst Du zu Deinen Inhalten und hast Du als Blogger Ziele, unausgesprochene, vage, allgemeine, konkrete oder eigentlich keine?   </p>
<p><strong>Onno:</strong> Danke! :-)</p>
<p>Dar&#252;ber, wie ich zu meinen Inhalten komme, habe ich mir noch gar keine gro&#223;en Gedanken gemacht. Wichtig ist, da&#223; ein Bild oder ein Thema mich auf irgend eine Art ber&#252;hrt, bewegt, erheitert oder aufregt, um den Weg ins Weblog zu finden.</p>
<p>Doch, Ziele habe ich schon, passend zu meiner K&#246;rpergr&#246;&#223;e sind sie allerdings nicht sehr hoch aufgeh&#228;ngt, mehr so zwischen Feinripp und Sp&#252;li zu finden. Ich hasse Beitr&#228;ge um der Beitr&#228;ge willen. Und ich freue mich, wenn es mir gelingt, anderen etwas zum nachdenken, besch&#228;ftigen oder zum sch&#246;n finden geben zu k&#246;nnen. Und ich sehe bloggen als Luxus an, es ist angenehm, aber kein &#8220;must have&#8221; im Leben. Wenn diese Besch&#228;ftigung einen Raum und ein Gewicht einnimmt, welches ich als unangemessen empfinde, dann gibt es wieder eine Pause. </p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Was denkt denn Deine Familie &#252;ber diesen Luxus?  </p>
<p><strong>Onno:</strong> Oh, da habe ich gro&#223;es Gl&#252;ck! Sie freut und leidet (z. B. wg. Spam) mit mir, kurzum: ich habe gro&#223;en R&#252;ckhalt.</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Mit der Zeit w&#228;chst ja um jedes Weblog mit l&#228;ngerem Atem eine kleine bis gro&#223;e Community. Lesen Dein Weblog auch Leute, Bekannte, Freunde aus der Region, in der Du lebst?   </p>
<p><strong>Onno:</strong> Ja. Einmal diejenigen, die dem Wasser auch in irgendeiner Form zugetan sind und ferner Familie im weitesten Sinne. Ganz besonders freue ich mich &#252;ber meine Tante in Schweden, die schon ordentlich in den Siebzigern und erst vor 2 Jahren mit dem Netz begonnen, sogar einen Kommentar in filapper hinterlie&#223; (Hut ab!). </p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Cool :-) &#8211; Arbeitest Du auch in anderen Zusammenh&#228;ngen im Internet?   </p>
<p><strong>Onno:</strong> Aber klar, die Bloggerei ist ja nur ein kleiner Schnipsel der M&#246;glichkeiten im Netz. Es bietet eine unendliche Plattform als Zugang f&#252;r Informationen, sei es per Newsletter, eBook, Mailinglisten und nicht zuletzt Weblogs.</p>
<p>Dann besch&#228;ftige ich mich noch mit der Webcoderei, zu der ich nur gekommen bin, weil ich neugierig war, wie die Seiten im Netz denn funktionieren. F&#252;nf Mark hat mein erstes B&#252;chlein dazu gekostet. Dann gab es eine Zeit, in der ich das Pferd immer von hinten aufz&#228;umen mu&#223;te, weil die Ideen meine fachlichen M&#246;glichkeiten jeweils immens &#252;berstiegen. Als ich davon die Schnauze voll hatte, fing ich an Grundlagen zu pauken. Sehr geholfen hat mit da die CSS-Mailingliste von Michael Charlier. An diesem Punkt dr&#228;ngelt sich ein Dank in die Tastatur, der an all die Leute im Netz geht, die grunds&#228;tzlich von gro&#223;er Hilfsbereitschaft sind, wenn man mal Tomaten vor den Augen hat oder es sonstwie klemmt.</p>
<p>An Projekten habe ich als Ehrenamt den Wattenrat &#8220;an der Backe&#8221;, der wird gerade von der alten Tabellenversion umgebaut auf eine aktuellere Version. Bei &#252;ber 300 Dateien dauert das naturgem&#228;&#223; etwas, zumal ich beruflich i.d.R. 12 Stunden t&#228;glich anderweitig besch&#228;ftigt bin. Ein weiteres Projekt ist noch in Vorbereitung, ferner kommen als Auftragsarbeiten noch kleinere Photobestellungen dazu.</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> 12 Stunden Arbeit und danach noch ehrenamtliches Webdesign? Da muss man aber f&#252;r gebaut sein! Was ist Dein Beruf, wie sieht Dein Alltag aus?   </p>
<p><strong>Onno:</strong> Ich bin Bauer, gelernter Landwirtschaftsmeister und leite Betriebe f&#252;r eine gewisse Zeit, deren Inhaber entweder krank, zur Kur oder verstorben sind. Ich wollte diese Arbeit urspr&#252;nglich nur f&#252;r ca. 5 Jahre aus&#252;ben, um etwas &#220;berblick zu bekommen und um mich dann selbstst&#228;ndig zu machen. Leider ging die wirtschaftliche Situation in der Landwirtschaft zu der Zeit schon steil bergab, so da&#223; man als quasi nackter Kerl (ohne gut was in den Taschen zum anfangen) eine Pachtung eines Betriebes nicht mehr verantworten konnte, denn der Investitionsbedarf ist enorm. So sind mittlerweile 25 Jahre daraus geworden, auch wenn das urspr&#252;nglich nicht so geplant war. Meckern kann ich trotzdem nicht, ich sehe dem jeweils kommenden Arbeitstag immer noch mit Lust und Freude entgegen.</p>
<p class="zitat"><strong>Ich</strong> sehe dem jeweils kommenden Arbeitstag immer noch mit Lust und Freude entgegen</p>
<p>Der Alltag beginnt meist um 6:00 Uhr, wenn es g&#252;nstig l&#228;uft, bin ich gegen 18:00 Uhr wieder zu Hause (ausgenommen Erntezeiten, dann ist immer open end angesagt). Die Arbeit tags&#252;ber ist v&#246;llig unterschiedlich und abh&#228;ngig vom jeweiligen Betrieb. Viehhaltung der verschiedensten Art, Ackerbau, Ein- und Verkauf, Metallbearbeitung, alles aus der Maurer- und Tischlersparte und auch mal einen Rechner einrichten ;-). Oder tief in der Schei&#223;e r&#252;hren, wenn z.B. mal ein Lager der Entmistung kaputt gegangen ist.</p>
<p>Zu Hause angekommen mag ich gern als Erstes in Ruhe einen frischen Kaffee trinken, dann kann der Abend kommen. Nach den h&#228;uslichen Regularien erwacht dann mein Rechner zum Leben, zuerst mit dem Mailprogramm. Mein Problem ist, da&#223; ich einerseits gern fr&#252;h aufstehe, aber auch ne Nachteule bin. So komme ich selten vor 23:30 ins Bett, oft auch erst nach der Geisterstunde. Macht nix, wer relaxt schl&#228;ft, braucht nicht so lange! ;-) </p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Aber manchmal l&#228;&#223;t Du den Rechner auch l&#228;nger schlafen, soweit ich weiss. Dann begibst Du Dich ins Watt und genie&#223;t die Natur. Geht das eigentlich immer noch &#8211; wie sag ich es &#8211; unbek&#252;mmert angesichts der unaufhaltsamen und gewaltigen Umweltzerst&#246;rung? Welche Umweltprobleme gibt es bei Euch an der ostfriesischen K&#252;ste und wie stehen die Bewohner dazu?   </p>
<p><strong>Onno:</strong> Nein, unbek&#252;mmert geht das nur mit einem dicken Bongossibrett vor dem Kopf. Aber zwischen unbek&#252;mmert und verzweifeln liegt ein weites Feld f&#252;r &#8220;sich darum k&#252;mmern&#8221;. Vor vielen Jahren, als ich das Wattwandern vom Lehrer, Bildhauer und Querkopp Christian Eisbein noch lernte, waren die Probleme konkreter und direkter. Da leitete z.B. die Inselgemeinde Baltrum ihre Abw&#228;sser ungekl&#228;rt ins Wattenmeer, man mu&#223;te sprichw&#246;rtlich gut aufpassen wohin man trat, wenn man an der wattseitigen, meist vor sich hin qualmenden M&#252;llkippe vorbei kam.</p>
<p>Heute sieht auf den ersten Blick alles viel sauberer aus im Wattenmeer, das t&#228;uscht allerdings in Anbetracht der tats&#228;chlichen Belastung durch den vielf&#228;ltigen Schadstoffeintrag von Kunststoffen, Waschmitteln und Kosmetika sowie Pestizide und Biozide. Seehunde, die am Ende der Nahrungskette stehen, m&#252;&#223;ten eigentlich im Todesfall als Sonderm&#252;ll entsorgt werden. So hoch sind sie mit Substanzen belastet, die &#252;berwiegend aus den ca. 12.000 Chemikalien des europ&#228;ischen Marktes stammen, oftmals ohne Pr&#252;fung auf m&#246;gliche Risiken f&#252;r Mensch und Umwelt.</p>
<p class="zitat"><strong>So</strong> wird Naturschutz eben, solange er keine Lobby hat, von Idioten, Spinnern und Geisteskranken gemacht.</p>
<p>Die Bewohner k&#252;mmern sich um solche Zusammenh&#228;nge in der Mehrzahl erst dann, wenn ein Problem sichtbar wird und konkrete Folgen hat. Schwarze Flecken im Watt oder das Seehundsterben 2002 etwa waren schon geeignet, die Buchungszahlen an der K&#252;ste zu dr&#252;cken, dann geraten das Watt und seine Zusammenh&#228;nge in den Blickpunkt. Aber eben oft nur fl&#252;chtig und vor&#252;bergehend, das ist das eigentliche Problem. Das Wissen um die Zusammenh&#228;nge ist ja da, aber es ist kommerziell nicht zu verwerten. So wird Naturschutz eben, solange er keine Lobby hat, von Idioten, Spinnern und Geisteskranken gemacht. </p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Und wie steht es um die Naturschutz-Aufkl&#228;rung im Web und die Resonanz darauf? Kennst Du Weblogs, die sich explizit mit dem Thema besch&#228;ftigen?   </p>
<p><strong>Onno:</strong> Dieser Themenbereich ist im Netz immer noch unterbelichtet. Es gibt Ausnahmen, die sich oft um ein lokales Problem k&#252;mmern und dementsprechend auch nur lokal wahrgenommen werden. Das ist schade, denn heutzutage br&#228;uchte der Trend, Naturschutz den Menschen als Sensationskatastrophe mit Fanfaren beizubringen, ein st&#228;rkeres Gegengewicht in Form von nachhaltigem Interesse und Respekt. Dieses kann aber nur wachsen, wenn der Kopf wei&#223;, wie die Zusammenh&#228;nge wirken und das Herz f&#252;hlt, da ist etwas Sch&#252;tzenswertes.<br />
Nein, ad hoc w&#252;&#223;te ich kein Weblog, welches sich ausschlie&#223;lich diesem Thema widmet. </p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Danke f&#252;r das sch&#246;ne Interview. Nun hast Du das letzte Wort. Fehlte ein Thema, liegt Dir etwas auf dem Herzen oder hast Du gar eine Antwort auf die Frage aller Fragen? ;-)   </p>
<p><strong>Onno:</strong> Oh, bitte! :-) Auf Deine letzte Frage…<br />
TOWER: &#8220;Say position&#8221; &#8211; PILOT: &#8220;Position&#8221;</p>
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		<title>Interviews zwischen 1996 und 2002</title>
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		<pubDate>Mon, 24 Jun 2002 21:50:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Krit</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alte Interviews]]></category>

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		<description><![CDATA[Interviews mit Webworkern 50 Email-Interviews von 1996 bis 2001. Mit dabei zum Beispiel Ulli Meybohm, Claudia Klinger, Stefan M&#252;nz, J&#246;rg Kantel, Carlo Blatz, Michael Charlier, Sven Knoch, Christoph Berndt, Carola Heine. Zum Index. Umfrage zum 11. September 10 Fragen zum 11. September kurz nach dem WTC-Anschlag mit 31 Antworten aus dem Netz. Antworten mit Phantasie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h5>Interviews mit Webworkern</h5>
<p>50 Email-Interviews von 1996 bis 2001. Mit dabei zum Beispiel Ulli Meybohm, Claudia Klinger, Stefan M&#252;nz, J&#246;rg Kantel, Carlo Blatz, Michael Charlier, Sven Knoch, Christoph Berndt, Carola Heine. <a href="http://krit.de/aepfel.shtml">Zum Index</a>.</p>
<h5>Umfrage zum 11. September</h5>
<p>10 Fragen zum 11. September  kurz nach dem WTC-Anschlag mit 31 Antworten aus dem Netz. <a href="http://krit.de/11september/meinung01.shtml">Antworten mit Phantasie und Wissen.</a></p>
<h5>Ansichten zum WTC-Anschlag</h5>
<p>Interviews mit dem Verschw&#246;rungstheoretiker Mathias Br&#246;ckers, dem Psychoanalytiker Bernd Nitzschke und dem Bildzweifler Thomas Deichmann. <a href="http://krit.de/11september/polittext_interview.shtml">Zum Index</a>.</p>
<h5>Totalit&#228;rer Geist gegen Terror</h5>
<p>18.10.2002 &#8211; Der B&#252;rgerrechtler, Autor und Rechtsanwalt Rolf G&#246;ssner &#252;ber die Einschr&#228;nkungen der B&#252;rgerrechte seit dem 11.9., die Ineffizienz der »Sicherheitsgesetze« und die Folgen. <a href="http://krit.de/int-goessner.php">Lesen</a>.</p>
<h5>Die alten Vorurteile</h5>
<p>12.07.2002 &#8211; Im Rahmen unser <a href="http://krit.de/roma">aktion roma</a> sprachen wir mit Dzoni Sichelschmidt, Sprecher der Roma Protest-Karawane. Er erz&#228;hlt &#252;ber die Ziele der Roma, &#252;ber Reaktionen in Politik und Gesellschaft und &#252;ber die Geschichte eines diskriminierten Volkes. <a href="http://krit.de/int-sichelschmidt.php">Lesen</a>.</p>
<h5>Nachwehen uneingeschr&#228;nkter Solidarit&#228;t</h5>
<p>26.06.2002 &#8211; Der Journalist Harald Neuber &#252;ber den Trailer Das Massaker von Mazar sowie &#252;ber die »machtkonforme Berichterstattung« der etablierten Medien. <a href="http://krit.de/int-neuber.php">Lesen</a>.</p>
<h5>Suhrkamp hat immer recht</h5>
<p>25.06.2002 &#8211; Philip Roeder, t&#228;tig in der Gesch&#228;ftsleitung des Suhrkamp Verlags, &#252;ber eine Abmahnung gegen J&#246;rg Kantel und Walsers »Tod eines Kritikers«. <a href="http://krit.de/int-roeder.php">Lesen</a>.</p>
<h5>Sonstige Web-Interviews</h5>
<p>Verschiedene Themen wie Usability, Netz gegen Kinderpornografie, den Newsdienst intern.de und die Suchmaschine Fireball. <a href="http://krit.de/index-interview.shtml">Zum Index</a>.</p>
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