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	<title>krit.de &#187; ZAF</title>
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		<title>&#8220;Werbung ist eine wahre Pestilenz geworden&#8221;</title>
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		<pubDate>Tue, 11 Sep 2007 13:33:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Krit</dc:creator>
				<category><![CDATA[ZAF]]></category>

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		<description><![CDATA[<p class="subtext"><img src='http://krit.de/wp-content/uploads/zaf.jpg' alt='ZAF m Geldschein' title="ZAF m Geldschein" style="float:right; padding:1px; border:1px #666 solid; margin-left:8px; margin-top:7px;" />ZAFs Weblog <a href="http://zenzizenzizenzic.de/">ZAF</a> sch&#228;tze ich wegen der t&#228;glichen politischen und handfesten Kurzinformation mit weiterf&#252;hrenden Links, die  ideologisches Rauschen relativieren. Im Interview nun zweifelt ZAF an die Existenz der Blogosph&#228;re, hinterfragt kritisch Werbung in Weblogs und im &#246;ffentlichen Raum, diagnostiziert eine schleichende Aush&#246;hlung demokratischer Rechte, die ihn pessimistisch stimme und berichtet &#252;ber sein Projekt <em>Mr Asta's Movie Blog</em>.</p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="subtext"><img src='http://krit.de/wp-content/uploads/zaf.jpg' alt='ZAF m Geldschein' title="ZAF m Geldschein" style="float:right; padding:1px; border:1px #666 solid; margin-left:8px; margin-top:7px;" />ZAFs Weblog <a href="http://zenzizenzizenzic.de/">ZAF</a> sch&#228;tze ich wegen der t&#228;glichen politischen und handfesten Kurzinformation mit weiterf&#252;hrenden Links, die  ideologisches Rauschen relativieren. Im Interview nun zweifelt ZAF an der Existenz einer vielzitierten Blogosph&#228;re, hinterfragt kritisch Werbung in Weblogs und im &#246;ffentlichen Raum, diagnostiziert eine schleichende Aush&#246;hlung von B&#252;rgerrechten, die ihn pessimistisch stimme und berichtet &#252;ber sein Projekt <em>Mr Asta&#8217;s Movie Blog</em>.</p>
<p><strong>Herr Krit</strong>: Wie bist Du zum Bloggen gekommen und was bedeutet es f&#252;r Dich?</p>
<p><strong>ZAF: </strong> Wenn man als Bloggen das Verfassen von Beitr&#228;gen in chronologischer Reihenfolge versteht, dann war eigentlich schon meine erste Webseite irgendwann vor 7-8 Jahren, in der ich <a href="http://blog.jazz-not-jazz.com">Kritiken zu CDs und 12&#8243;-Singles</a> ver&#246;ffentlicht hatte, so eine Art Blog. Neue Kritiken erschienen dann am Anfang der Seite, und die &#228;lteren rutschten nach unten bzw. auf die zweite Seite. Nur kannte ich damals den Begriff Blog noch nicht.</p>
<p>Eine Webseite mehr als Blog konzipiert hatte ich dann ab September 2002. Damals noch auf Englisch und mangels technischer Voraussetzungen meines damaligen Webhosting-Pakets (kein php, keine Datenbank) war das nur eine (meist) t&#228;glich aktualisierte HTML-Seite ohne Kommentare, Permalinks etc. Das hatte ich unter der Domain <a href="http://waiting4utopia.com">waiting4utopia.com</a> dann mit kurzen oder l&#228;ngeren Schaffenspausen bis Anfang 2005 durchgehalten. Dann hatte ich es im Februar 2005 endlich geschafft, den Webhoster zu wechseln und mir was mit Datenbank, php und pipapo zuzulegen.</p>
<p>Und im Februar 2005 hatte ich dann auch mit dem <a href="http://zenzizenzizenzic.de">ZAF-Blog</a> begonnen, da&#223; zuerst unter einer Subdomain lief, bis ich mir dann sp&#228;ter die Domain zenzizenzizenzic.de zulegte.</p>
<p>Anfangs hatte ich noch keinen rechte Vorstellung davon, was ich mit dem Zenzizenzizenzic-Blog (der Name Zenzizenzizenzic Armee Fraktion fiel mir erst sp&#228;ter ein) machen sollte. Im Laufe der Zeit ergab es sich aber, da&#223; ich immer &#246;fter etwas zu aktuellen politischen Entwicklungen schrieb, so da&#223; dieses bald der Schwerpunkt des Blogs wurde. Wobei ich aber auch gern hin und wieder mal andere Themen aufgreife und mich nicht nur auf das Schwerpunktthema Politik beschr&#228;nke.</p>
<p>Bloggen oder besser allgemein, etwas im Internet zu ver&#246;ffentlichen, sehe ich vor allem als eine einfache, sehr kosteng&#252;nstige M&#246;glichkeit, seine Meinung zu &#228;u&#223;ern, m&#246;glichst viele Menschen zu erreichen und gleichgesinnte Personen zu finden. Seit ich mir meinen ersten Computer zulegte, bin ich ja generell davon angetan, wie relativ einfach man mit den entsprechenden Programmen kreativ sein kann.  </p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Die Blogosph&#228;re scheint eine Gemeinsamkeit mit den traditionellen Printmedien zu haben. Ich beobachte das regelm&#228;&#223;ige Wiederk&#228;uen bestimmter Reizthemen wie Bloggen vs Journalismus, Werbung auf Blogs. Wie denkst Du dar&#252;ber und &#252;ber welche Themen w&#252;rdest Du einmal gerne mit Bloggern auf breiter Basis diskutieren?</p>
<p><strong>ZAF:</strong> Meistens halte ich mich bei den blogtypischen Themen aus der Diskussion raus. Das erinnert mich immer ein wenig an Kindergarten. Erstens gibt es wirklich interessantere und relevantere Themen als nun zum xten Mal definieren zu wollen, was ein Blog ist, was keins ist und ob dieses oder jenes nun Hochverrat an der sogenannten Blogosph&#228;re sei. Anstatt sich einmal den Luxus einer eigenen Meinung zu leisten, wird oft sogenannten A-Bloggern hinterhergehechelt und deren Meinung wiedergek&#228;ut.</p>
<p class="zitat"><strong>Anstatt</strong> sich den Luxus einer eigenen Meinung zu leisten, wird oft A-Bloggern hinterhergehechelt und deren Meinung wiedergek&#228;ut.</p>
<p>Die Blogosph&#228;re halte ich f&#252;r eine &#228;hnliche Chim&#228;re wie die in US-Medien gern mal erw&#228;hnte <em>black</em> oder <em>gay community</em>. Die gibt es genauso wenig, da diese Bev&#246;lkerungsgruppen viel zu heterogen sind, um mit einer Stimme nach au&#223;en aufzutreten. &#196;hnlich ist es beim Bloggen. Man braucht sich z.B. nur die Themenwahl anschauen. Bevor der Begriff Blog hip wurde, sprach auch keiner von einer Webseitenbetreibersph&#228;re, Forensph&#228;re o.&#228;.</p>
<p>Wer meint, sein Blog sei so toll, da&#223; er es durch Werbung verschandeln mag, soll es machen. Ich pers&#246;nlich finde Werbung fast immer &#252;berfl&#252;ssig, nutzlos und quasi als einen Schandfleck. Es mag ein paar monothematische Blogs geben, bei denen Werbung reinpasst. Z.B. ein Blog &#252;ber Tees, in dem ein Teeversandh&#228;ndler Werbung schaltet. Oder wenn ein Blog &#252;ber Musik oder Literatur Resenzionsexemplare erh&#228;lt, so fern die Resenzionen dann nicht st&#228;ndig in totale Lobhudelei ausarten. Und als Autor kann man nat&#252;rlich auch seine eigenen B&#252;cher bewerben. </p>
<p>Generell sehe ich aber wirklich keinen Bedarf in Blogs f&#252;r Werbung. Weder die Kosten f&#252;r Webspace noch die f&#252;r Traffic sind so hoch, da&#223; man sich ein normales Blog mit Text und hin und wieder ein paar Bildern zur Illustration nicht leisten k&#246;nnte. In fr&#252;heren Zeiten hatten die Menschen andere Hobbies als das Internet und waren auch bereit daf&#252;r Geld auszugeben. Ich habe selbst z.B. jahrelang sehr exzessiv Platten gesammelt. F&#252;r das Geld k&#246;nnte wohl ich bis an mein Lebensende 100 Domains oder mehr betreiben.</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Zum Thema Werbung und Weblogs hast Du ein satirische Site namens <a href="http://zafikal.de/">zafikal &#8211; f&#252;r Geld machen wir alles</a> aufgesetzt. Wie kam es dazu und was bezweckt sie? Ich nehme an, es kann nicht grunds&#228;tzlich darum gehen, Werbung in Weblogs zu verteufeln, oder?</p>
<p><strong>ZAF:</strong> Der Name <strong>zafikal</strong> (immer in ultra-hipper Kleinschreibung und fett bitte) ist nat&#252;rlich eine Anspielung auf dieses Blogwerbenetzwerk, das einige Kommerzblogger gegr&#252;ndet hatten. </p>
<p>Das war eher eine spontane Entscheidung. Ich hatte in Photoshop ein paar Logos gebastelt und irgendwann war da diese Hand mit dem Geld (&#252;brigens z.T. aus einem Font &#252;bernommen, so berauschend sind meine Zeichenk&#252;nste am PC leider nicht) und ich dachte mir, damit k&#246;nnte man was machen. Und ZAF- als Pr&#228;fix und -ikal als Suffix klingen kombiniert auch ganz flott, so da&#223; ich schon mal Namen und Logo hatte. Der Rest war dann die eigentliche Schwerstarbeit: Texte f&#252;r die Seite schreiben und den Quelltext der Seite schreiben. Und falls die <strong>zafikal</strong>-(immer in ultra-hipper Kleinschreibung und fett bitte)-Seite sonst keinen Vorteil hat, so habe dabei doch so einiges &#252;ber WordPress gelernt und mittlerweile geht die Template-Erstellung doch recht routiniert vonstatten.</p>
<p>Wie schon in der vorherigen Frage erw&#228;hnt, sehe ich wirklich kaum einen Nutzen von Werbung auf Blogs. Generell sehe ich eigentlich keinen Nutzen von Werbung, die mir unaufgefordert zugestellt wird. Wenn ich beabsichtige, ein Produkt zu kaufen, das ich dauerhafter nutzen m&#246;chte, dann bin ich durchaus f&#228;hig und willens, mich selbst dar&#252;ber zu informieren.</p>
<p>Wenn man Werbung mal globaler betrachtet, ist sie ein &#246;kologisches Desaster. Es wird Papier bedruckt, das kaum jemand lesen will, es werden Werbefilmchen gedreht, die kaum jemand im Fernsehen oder im Kino sehen will, es werden Adserver bereitgehalten, um Werbung auszuliefern, die viele eh mit Adblock oder &#228;hnlichen Ma&#223;nahmen blocken, die ansonsten aber sinnlos Bandbreite verbraten, die Gegend wird durch Werbetafeln verschandelt etc. Es werden also ohne Ende Ressourcen wie Holz, Energie usw. verschwendet f&#252;r etwas, was mit etwas Gl&#252;ck nur einen kleinen Teil der Bev&#246;lkerung interessiert. Werbung ist in ihrer ungewollten Form doch eine wahre Pestilenz geworden. Ich kenne keinen, der Werbestrecken in Zeitschriften toll findet, der gerne Werbung im TV oder Kino schaut, der sich freut, von Call-Centre-Agents bel&#228;stigt zu werden, der seinen Briefkasten gern durch Werbung zugem&#252;llt vorfindet etc. </p>
<p class="zitat"><strong>Wenn</strong> man Werbung globaler betrachtet, ist sie ein &#246;kologisches Desaster.</p>
<p>In Sao Paulo gab&#8217;s doch mal einen Erla&#223; der Stadt, da&#223; Werbung im &#246;ffentlichen Raum verboten wird. Das finde ich eigentlich eine sehr sch&#246;ne Idee. Denn Werbung ist vor allem auch undemokratisch. Ohne die notwendigen finanziellen Mittel, kann man keine Werbung schalten, um eine kritische Masse zu erreichen. Solange man es nicht schafft, Werbefl&#228;chen z.B. im &#246;ffentlichen Raum wirklich zu demokratisieren, da&#223; also jeder, der will, dort plakatieren darf, solange finde ich ein Verbot wie in Sao Paulo &#8211; je l&#228;nger ich dar&#252;ber nachdenke &#8211; eigentlich immer besser. Und eigentlich w&#228;re ein Verbot der Werbung im &#246;ffentlichen Raum nur konsequent, wenn man bedenkt, da&#223; sogenannte Cold Calls (also Anrufe von Telemarketingunternehmen auf gut Gl&#252;ck, ohne da&#223; ich explizit um den Anruf gebeten hatte) z.B. verboten sind. Ich habe ja die werbetreibenden Firmen (oder in Hamburg gerade wieder aktuell Parteien) nicht darum gebeten, mir mit ihren Werbemist meine Netzhaut zu versauen.</p>
<p>Jetzt werden wahrscheinlich ein paar in der Werbebranche Besch&#228;ftigte sagen &#8220;Ja, aber die Arbeitspl&#228;tze&#8230;&#8221;. Stimmt, Werbung schafft Arbeitspl&#228;tze. Aber diese bezahlen wir alle als Verbraucher durch h&#246;here Kosten f&#252;r die beworbenen Produkte mit. Werbung erm&#246;glicht auch keinen Qualit&#228;ts-Journalismus. Da braucht man sich nur das Privatfernsehen anschauen, um eines besseren belehrt zu werden. Und auch Printmedien ver&#246;ffentlichen eher einen Bericht nicht, als einen zahlkr&#228;ftigen Werbekunden zu verlieren. W&#228;hrend man Werbung meiner Meinung nach im &#246;ffentlichen Raum eigentlich abschaffen k&#246;nnte, geht das im Internet nat&#252;rlich allein wegen der Natur des Netzes nicht. Da ist aber z.B. Adblock recht hilfreich. Und werbeverseuchte Printmedien strafe ich eher durch Nichtkaufen. Und Radio und Fernsehen habe ich schon lange abgeschafft.</p>
<p>Ganz abgesehen vom Menschenbild, das die Werbung meist transportiert. Man sieht kaum die durchschnittlichen Menschen, denen man t&#228;glich auf der Stra&#223;e begegnet in der Werbung. In der Werbung sind alle sch&#246;n, allzeit perfekt geschminkt, gesund, topfit, schlank, zu Tode gephotoshopped etc. Mit der realen Welt hat Werbung so gar nichts zu tun. Der Druck, den in der Werbung propagierte Sch&#246;nheitsideale gerade auf Heranwachsende aus&#252;ben, d&#252;rfte bekannt sein. </p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Wie satiref&#228;hig ist deutsche Blogszene? Was geht Dir an ihr am meisten auf die Nerven? Gab es Kontroversen, die lohnend waren?</p>
<p><strong>ZAF:</strong> Wenn denn <em>die deutsche Blogszene</em> wirklich existiert, dann halte ich sie f&#252;r genauso satiref&#228;hig wie die deutsche Bev&#246;lkerung im allgemeinen&#8230; also eher weniger.</p>
<p>Es geht mir nicht wirklich auf die Nerven, denn jeder kann und sollte &#252;ber das schreiben, was ihn am meisten bewegt, von dem er am besten Bescheid wei&#223; etc. Aber ich finde es etwas schade, da&#223; viele Blogs schwerpunktm&#228;&#223;ig um das Thema Blogs kreisen und &#252;ber was darf/sollte man schreiben, &#252;ber was nicht und wenn ich jetzt meine Texte in blauer Comic Sans setze, was sagt dann A-Blogger XY dazu. &#220;berhaupt diese Einteilung in A-, B-, C-Blogger. Mir sind regelm&#228;&#223;ig wiederkehrende Leser, die sich dann auch hin und wieder in den Kommentaren &#228;u&#223;ern lieber als eine gro&#223;e, anonyme Masse auf der Suche nach den neuesten gehypten Blogs.</p>
<p>Wenn ich als Satire mal meine <a href="http://bundestrojaner.zenzizenzizenzic.de/">Bundestrojanerseite</a> nehme, dann erstaunt mich im R&#252;ckblick allerdings, da&#223; ich bisher nur eine negative Bemerkung dazu bekam. Jemand schrieb mir vor kurzem: </p>
<p>&#8220;Sorry, aber deine Page halte ich fuer einen riesen bullshit. Leute die sich ernst mit dem Thema auseinander setzen wollen und auf deine Page kommen verschwenden nur ihre Zeit sowie auch ich eine halbe std. Zeit verschwendet habe. Bitte nimm diesen bullshit vom netz.&#8221;</p>
<p>Nat&#252;rlich habe ich &#8220;diesen bullshit&#8221; nicht vom Netz genommen.</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> In Deinem Weblog <a href="http://zenzizenzizenzic.de/">ZAF</a> kommentierst Du kritisch das politische Geschehen der Gegenwart. Zusammenh&#228;nge hinter den Kulissen, die kein gutes Licht auf die politischen und wirtschaftlichen Eliten werfen. Welches Thema geht Dir dabei am meisten an die Nieren und wie h&#228;lst Du das aus, jeden Tag in die Fratze der realen und in der Regel menschenverachtenden Politik zu schauen?</p>
<p><strong>ZAF:</strong> Es hilft, manches mehr satirisch zu betrachten, auch um eine gewisse Distanz zu den aktuellen politischen Entwicklungen zu wahren. Zur Not mu&#223; man einfach mal ein paar Tage aussetzen, wie ich es neulich getan hatte. Das &#228;ndert zwar nichts an der insgesamt eher hoffnungslosen Lage, aber zumindest gewinnt man etwas Abstand und kann sich an anderen, lebenswerten Sachen erg&#246;tzen.</p>
<p>Besonders schlimm finde ich den Klassenkampf von oben und die fortschreitende Umverteilung von unten nach oben, den Abbau von Grund- und B&#252;rgerrechten, die allm&#228;hliche Aush&#246;hlung des Rechtsstaates, die Generalverd&#228;chtigung des Einzelnen, die wachsende Macht der Lobbyisten&#8230; kurzum, eigentlich ist die BRD der Jetztzeit nicht mehr die BRD, in der ich in den 70ern aufgewachsen bin. </p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Was ist aktuell in Deinen Augen die dringendste politische Aufgabe f&#252;r aufgekl&#228;rte Geister? Was gibt es zu retten, zu bewahren, was macht Hoffnung und was zerst&#246;rt sie?</p>
<p><strong>ZAF:</strong> Oh danke, die Frage impliziert ja, ich sei ein aufgekl&#228;rter Geist :-) &#8211; Ich bin allgemein eher pessimistisch veranlagt und sehe Gl&#228;ser z.B. immer halb leer, von daher denke ich eher, da&#223; sich die derzeitige politische Entwicklung zu einem &#220;berwachungs- und Pr&#228;ventionsstaat hin, damit die reiche, herrschende Klasse die Massen der Armen und nicht im Produktionsproze&#223; verwertbaren Menschen perfekt kontrollieren kann, damit es nicht zu Aufst&#228;nden und Umst&#252;rzen kommt, wenn &#252;berhaupt umkehren l&#228;&#223;t, dann nur mit einem wirklich gro&#223;en Knall, der bald kommen sollte, bevor die &#220;berwachungsma&#223;nahmen perfekt aufeinander abgestimmt sind. </p>
<p class="zitat"><strong>&#8230;werden</strong> Grundrechtseinschr&#228;nkungen immer nur Schritt f&#252;r Schritt umgesetzt, so da&#223; vielleicht der einzelne Schritt gar nicht so schlimm erscheinen mag.</p>
<p>Wie man an der aktuellen Entwicklung sieht, werden die Grundrechtseinschr&#228;nkungen immer nur Schritt f&#252;r Schritt umgesetzt, so da&#223; vielleicht der einzelne Schritt gar nicht so schlimm erscheinen mag, in der Summe hat man mit dieser Salami-Taktik am Ende aber einen ganz anderen Staat, der sich vielleicht noch einen pseudo-demokratischen Anstrich mit Wahlen gibt. Selbst Wahlen sind heutzutage, wo viele wichtige Entscheidungen v&#246;llig undemokratisch in Br&#252;ssel getroffen werden, kein Garant f&#252;r eine Demokratie. Das Europ&#228;ische Parlament hat kaum Befugnisse und ist mehr so eine Alibi-Veranstaltung und zudem gilt hier die alte Maxime, da&#223; jede Stimme gleiches Gewicht hat, bei der Wahl zum EP nicht.</p>
<p>Also selbst wenn in Deutschland auf einmal SPD und CDU bei den n&#228;chsten Bundestagswahlen nur ein Ergebnis im unteren zweistelligen Bereich erringen sollten, und z.B. Linke, Gr&#252;ne, FDP und irgendwelche Splitterparteien eine Mehrheit erhalten sollten, denke ich nicht, da&#223; sich gro&#223;artig was &#228;ndert. Daf&#252;r ist Deutschland viel zu sehr in die EU eingebunden, als da&#223; sich ein Politiker, der hierzulande ernst genommen werden will, einen Austritt aus diesem zutiefst undemokratischen Verein fordern wird.</p>
<p><img src='http://krit.de/wp-content/uploads/t_krit_de.jpg' alt='Webplakat von ZAF' /><br />
<a href="http://zenzizenzizenzic.de/plakate/">Webplakat von ZAF</a></p>
<p>Letztlich kann ich nat&#252;rlich auch nicht in die Zukunft schauen, aber interpoliert man aktuell Tendenzen in die Zukunft, dann erscheint mir diese alles andere als rosig und bei mir machen sich gewisse Ohmachtsgef&#252;hle breit, da&#223; man eh wenig &#228;ndern kann. </p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Wie sollte und k&#246;nnte sich der politisch interessierte Zeitgenosse heutzutage konkret informieren, was lieber meiden, was bevorzugen?</p>
<p><strong>ZAF:</strong> Ich halte wenig von Listen, die von jemandem f&#252;r korrekt befunden worden sind. Man sollte soviele Quellen wie m&#246;glich nutzen, um sich zu informieren. Welche das sind, sollte man aber selbst entscheiden. <em>Die</em> absolut zuverl&#228;ssige oder unzuverl&#228;ssige Quelle gibt es sowieso nicht. Selbst bei spiegel.de taucht hin und wieder mal ein guter Artikel auf, was nat&#252;rlich auch einfach mit der schieren Masse an Ver&#246;ffentlichtem zusammenh&#228;ngt.</p>
<p>&#196;hnlich wie bei der Ern&#228;hrung empfiehlt sich bei der Informationssuche eine gute Mischkost. Auch Webseiten des politischen Gegners bieten mitunter den einen oder anderen lesenswerten Artikel. </p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Der Bundestrojaner ist heute in aller Webmunde. Hattest Du nicht diesen Begriff mit der gleichnamigen Satire gepr&#228;gt? Wird er kommen als der deutsche Big Brother?</p>
<p><strong>ZAF:</strong> Das w&#228;re zuviel der Ehre. Den Begriff <a href="http://bundestrojaner.zenzizenzizenzic.de">Bundestrojaner</a> gab&#8217;s schon, bevor ich bundestrojaner.zenzizenzizenzic.de ins Netz stellte. Allerdings gab&#8217;s damals noch keine Domains mit dem Namen. Damals dachte ich, das Thema ist sowieso nur ein paar Monate aktuell, da lohnt es sich nicht wirklich, sich deswegen extra eine Domain zuzulegen. Da hatte ich mich ganz offensichtlich get&#228;uscht. Aber auch mit der Subdomain gab&#8217;s/gibt&#8217;s bei Google eine gute Plazierung.</p>
<p><img src='http://krit.de/wp-content/uploads/bundestrojaner1.jpg' alt='Bundestrojaner' /><br />
Grafik von ZAF</p>
<p>Ich denke, die Frage nach dem Bundestrojaner bzw. von heimlichen Online-Durchsuchungen ist keine Frage des Obs mehr, sondern des Wanns. Wenn es hierzulande Probleme geben sollte, wird man das ganze mit etwas Verz&#246;gerung &#252;ber Br&#252;ssel forcieren. &#196;hnlich wie bei der Vorratsdatenspeicherung. Und bei unseren in der Mehrheit v&#246;llig europablinden Parlamentariern wird&#8217;s dann hei&#223;en &#8220;Ich finde das auch nicht so prickelnd, aber das kommt aus Br&#252;ssel, da mu&#223; ich zustimmen.&#8221; </p>
<p><strong>Herr Krit:</strong>  Was hat es mit <a href="http://movieblog.waiting4utopia.com">Mr Asta&#8217;s Movie Blog</a> auf sich? Wie kommst Du an solche ausgefallenen Filme wie <em>The Life and Death of 9413, a Hollywood Extra</em>?</p>
<p><strong>ZAF:</strong> Ich habe ja eine Vorliebe f&#252;r alte s/w-Filme vor allem aus den 1930ern. Da ergab es sich fast zwangsl&#228;ufig, da&#223; eine Figur aus einem meiner Lieblingsfilme als Namenspate herhalten musste. Mr. Asta war der Hund von Nick und Nora Charles (dargestellt von William Powell und Myrna Loy) in T<em>he Thin Man</em>-Filmen. Da es in dem Blog vorwiegend um alte s/w-Filme aus den 20/30/40ern geht, erschien mir Mr. Asta der passende Namenspate. Au&#223;erdem ist er schon lange tot und als Hund eine Sache, so da&#223; wohl kaum ein Erbe irgendwelche Pers&#246;nlichkeitsrechte durchsetzen m&#246;chte. Hoffe ich zumindest. Und eigentlich hie&#223; der Hund im realen Leben Skippy und nicht Mr. Asta.</p>
<p>&#220;ber den Film <em>The Life and Death of 9413, a Hollywood Extra</em> hatte ich etwas in einem Buch gelesen (Grand Design, das eher Filme der 30er behandelt, aber auch einen Abschnitt &#252;ber Avantgarde-Filme enth&#228;lt, der 9413 erw&#228;hnte.) Und siehe da, den Film gibt&#8217;s sogar im Web zum kostenlosen Anschauen.</p>
<p>Wirklich ausgefallen sind die in dem Blog erw&#228;hnten Filme (meist erw&#228;hne ich den Filmtitel allerdings nicht, weil der Leser diese anhand einiger Hinweise raten soll) allerdings wohl erst aus heutiger Sicht. Das heutige Filmpublikum schaut sich lieber schlecht gemachte Remakes in Farbe an anstatt das Original in s/w. </p>
<p>In Deutschland kommt ja immer noch erschwerend hinzu, da&#223; Filmtitel eingedeutscht werden und der ganze Film synchronisiert wird. Selbst Schauspieler, die in den 30ern in die USA eingewandert sind, sprechen nicht so undeutlich, da&#223; man diese Praxis wirklich rechtfertigen k&#246;nnte. Es d&#252;rfte vor allem Bequemlichkeit und Gew&#246;hnung der Zuschauer sein. Meiner Meinung nach, w&#228;re es sinnvoller, Filme nur mit Untertiteln zu versehen. Erstens sind Originalstimmen viel interessanter als ein Synchronsprecher, der nebenbei noch 20 andere Schauspieler synchronisiert, und zweitens hat man irgendwann, wenn man oft genug Filme einer Sprache gesehen hat, zumindest ein Gef&#252;hl f&#252;r die Sprache, auch wenn man nicht gleich alles versteht.</p>
<p>Welche Filme ich derzeit besonders interessant finde, sind pre-Code-Filme aus dem USA. Da gab&#8217;s dann schon mal Filme, in denen z.B. Barbara Stanwyck als junge Frau von ihrem Vater an schmierige Lokal-Politiker f&#252;r sexuelle Gef&#228;lligkeiten vermittelt wird (<em>Baby Face</em>) oder Warren William als skrupellosen Manager eines Riesenkaufhauses, der quasi &#252;ber Leichen geht, um seine Gesch&#228;ftsziele zu erreichen und nebenbei noch Loretta Young mit einigen Drinks abf&#252;llt, um sich nachher in einem Appartment des Kaufhauses an ihr zu vergehen (<em>Employees&#8217; Entrance</em>).</p>
<p class="zitat"><strong>In</strong> den bald 80 Jahren haben sich die Argumente der Gegner neuer technologischer Entwicklungen nicht wirklich ge&#228;ndert</p>
<p>Ich habe mir mal einiges an Literatur zum Thema <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Production_Code">Production Code</a> besorgt und war dann doch recht erstaunt, da&#223; die Argumente f&#252;r einen Production Code nicht allzu sehr von den Argumenten f&#252;r ein Verbot sogenannter Killerspiele oder einer st&#228;rkeren Kontrolle des Internets zum Schutze der Jugend abweichen. In den bald 80 Jahren haben sich die Argumente der Gegner neuer technologischer Entwicklungen also nicht wirklich ge&#228;ndert.</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Du machst zudem treffende <a href="http://zenzizenzizenzic.de/plakate/">politische Plakate</a> und l&#228;&#223;t sozsusagen keine Gelegenheit aus, das Zeitgeschehen kreativ zu illustrieren. Verdienst Du damit auch Geld? Wie steht es eigentlich mit Deinem Zeitmanagement? ;-)</p>
<p><strong>ZAF:</strong> Nein, Geld verdiene ich damit nicht, die Plakate waren bisher auch meist nur f&#252;rs Web gemacht. </p>
<p>Zeitmanagement? Habe ich eigentlich nicht. Aber ich bin ganz gut darin, so lange rumzuschlonzen, bis ich etwas auf dem letzten Dr&#252;cker fertig machen mu&#223;. Das hat zumindest den Vorteil, da&#223; man zum Schlu&#223; gar nicht mehr die Zeit hat, etwas zu verschlimmbessern.</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Ich finde Deine Selbstportraits gelungen. Wie kam es zu dieser Serie und was verr&#228;t sie &#252;ber Deine Pers&#246;nlichkeit?</p>
<p><strong>ZAF:</strong> Danke. Urspr&#252;nglich hatte ich die <a href="http://a.journey.to.obscursville.com/journey_to_obscursville.html">Selbstportr&#228;ts</a> mal f&#252;r ein Internet-Kontaktportal (also so eine Art Social Software) gemacht. Die dort meist vertretenen Bilder von Personen vor der Eichenschrankwand oder auf gebl&#252;mten Pl&#252;schsofas fand ich f&#252;r mich etwas unpassend (au&#223;erdem habe ich weder Sofa noch Schrankwand) und nur grenzdebil vor der wei&#223;en Rauhfasertapete stehend in die Kamera grinsen, erschien mir dann auch zu langweilig, so da&#223; ich einfach einige Gegenst&#228;nde dazu drapierte. So machte das Ablichten auch viel mehr Spa&#223; und wenn man den Mund eh voll hatte, dann musste man auch gar nicht debil vor sich hingrinsen. </p>
<p>Gl&#252;cklicherweise bietet meine Kamera die M&#246;glichkeit der Intervallaufnahme an. So macht sie z.B. alle 30 Sekunden ein Bild und stellt dabei automatisch scharf. Das ist viel angenehmer, als den Selbstausl&#246;ser zu dr&#252;cken und sich dann innert 10 oder 20 Sekunden in Position zu stellen.</p>
<p>Verraten die Bilder wirklich etwas &#252;ber meine Pers&#246;nlichkeit? Au&#223;er da&#223; ich vielleicht v&#246;llig meschugge bin und damit gerne kokettiere? </p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Was machst Du im Alltag gerne und weniger gerne, wenn Du nicht gerade aktiv im Web bist?</p>
<p><strong>ZAF:</strong> Solche Momente gibt es eigentlich gar nicht :-) Na ja, hin und wieder schon. Was ich dann mache, l&#228;&#223;t sich aber auch schon erahnen, wenn man meine Webseiten kennt. <a href="http://bromatologie.zenzizenzizenzic.de">Kochen, backen</a>, alte s/w-Filme schauen, Photographieren, schlafen (schon der von mir sehr verehrte W.C. Fields lobte das Schlafen: &#8220;Sleep &#8212; the most beautiful experience in life&#8221;&#8230; er erg&#228;nzte zwar noch ein &#8220;except drink&#8221;, aber mir gef&#228;llt schlafen immer noch besser) und noch das eine oder andere, was aber privat bleibt.</p>
<p><strong>Herr Krit:</strong> Zuguterletzt, denn ich vermute, Deine Zeit ist knapp: Ich bedanke mich f&#252;r das Interview, Du hast das letzte Wort. Fehlte ein Thema, ist ein neues Projekt in der Mache, liegt Dir etwas besonders am Herzen oder hast Du gar eine Antwort auf die Frage aller Fragen? ;-)</p>
<p><strong>ZAF:</strong> Und ich danke f&#252;r die interessanten Fragen und die M&#246;glichkeit, mit meinen Antworten auf krit.de zu erscheinen.</p>
<p>Meine bisherigen Webprojekte waren immer eher spontane Sachen, die ich mehr so aus dem Bauch herausgemacht hatte. Aktuell gibt&#8217;s aber keine <a href="http://zoa.zenzizenzizenzic.de/">spontanen Einf&#228;lle</a>, die noch der Umsetzung harren. Wenn es was neues gibt, werde ich es sicher &#8211; wie bisher meistens auch &#8211; im ZAF-Blog erw&#228;hnen. </p>
<p>Die Frage aller Frage ist sicher, wann interviewt Herr Krit sein <em>alter ego</em>, den Herrn S., der im Web auch durch diverse interessante Projekte gl&#228;nzt?</p>
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